Ruhrtriennale 2015 # Duisburg - Hommage an Gerard Mortier

Anzeige
Hommage an Gerard Mortier, 16.8.15
 
Hommage an Gerard Mortier
Duisburg: Landschaftspark Nord | Gerard Mortier war Mit-Initiator und Gründungs-Intendant der Ruhrtriennale. Oper als gesungenes, lebendiges Theater war sein Leben.
Er war ein Rebell, kämpferisch gegen eingerostete Ideen der großen alten Opernhäuser, radikal bei der Wahl von Regisseuren und Operntiteln, durchdrungen von der Musik und speziell der Oper, der Stratege und Organisator von tiefgreifenden Neugestaltungen mit dem Händchen für junge Künstler und zugleich ein überzeugender Kommunikator.
Am 8. März 2014 hat ihn der Bauchspeicheldrüsen-Krebs mit erst 70 Jahren aus unserer Mitte gerissen. Am 16. August 2015 gab es nun im Rahmen der Ruhrtriennale im Landschaftspark Duisburg ein Benefizkonzert zu seinen Ehren.

Wie kann man einen so bedeutenden Musiker ehren, wenn nicht mit einer Auswahl seiner Lieblingswerke?
Auch mit einer Fortführung seiner Ideen: Die Einnahmen des Konzerts gehen zugunsten des Music Fund, einer gemeinnützigen Organisation, die seit zehn Jahren Musikinstrumente sammelt und Schulungen zur Instrumentenreparatur in Krisengebieten organisiert. Zum Ende der Ruhrtriennale am 26.9.15 haben auch Sie nochmals Gelegenheit, ungeliebte oder selbst defekte Instrumente abzugeben und damit etwas Gutes zu tun.

Das nahezu ausverkaufte Benefizkonzert am 16.8.15 brachte in Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien Werke von Giacinto Scelsi, Ferruccio Busoni, Alban Berg, Anton Webern und Olivier Messiaen zu Gehör.

Eine mucksmäuschen stille Zuhörerschaft ließ das "Atmen der Klänge" zu und sich vom Klangstrom forttragen in kosmische und weltliche Ströme. Die sinfonische Form mit durchkomponierten Werken, die aber auch noch Freiheiten zuließen, gelang auch unter dem Diregat vom kurzfristig für den erkrankten Teodor Currentzis eingesprungenen Sylvain Cambreling und löste die Musik in kollektives Empfinden auf.
Kleine Umbaupausen zwischen den ohne Mittelpause gespielten Stücken waren nicht nur für die Anordnung der Musiker erforderlich, sondern gaben auch den Zuhörern Gelegenheit einmal kurz durchzuatmen, bevor sich die sich im Körper aufgebaute Spannung ins Unerträgliche steigerte.

In Busonis "Gesang vom Reigen der Geister", einer Studie für Streicher, 6 Bläser und Pauke kam wunderbar hervor, wie sich die Harmonien geradezu intuitiv entwickeln, wie aufsteigende und fallende Skalen von einem Instrument an das nächste weitergereicht werden, wie der Geist der Musik nach der Beschwörung wieder verschwindet.

Auch Weberns "Symphonie (1928)" war in Verwendung der Zwölftontechnik wie eine Ursuppe, aus der das Stück emporwächst - ein fein gesponnenes Netz aus organisch wirkenden Tonlinien mit markierenden Tontupfern wie aufgesetzte Blüten-Highlights.


Messiaens "Couleurs de la Cité Célestre" für Klavier, Bläser und Schlagzeug webt einen exakt gespielten Klangteppich, der die Farbkombinationen der Himmlischen Stadt wie eine wunderschöne Naturlandschaft mit Sonnenstrahlen, Vogelstimmen und leise rieselnden Bachläufen lyrisch ausmalt. Möge auch Gerard Mortier inzwischen in einer musischen Welt aus spannenden und leuchtenden Tonfarben angekommen sein.

Die Fangemeinde bedankte sich für die 90 Minuten Verzauberung in geradezu irrealen Tonräumen mit begeistertem Applaus.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.