Serap Riedel zeigt sich wandelbar

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Lars Heinke bei der Begrüßung
 
Bilder von Serap Riedel
Duisburg: Steinhof |

Ausstellung "Wandlungen" im Steinhof

Wenn Anja Lerch im Steinhof zum Singabend lädt, schaut das Publikum in der Festhalle zur Bühne - und Anja ins Publikum. Seit dem 8. Januar sollten Anja und ihr Publikum die Blicke auch nach rechts und links schweifen lassen. Denn seit dem hängen an den Wänden der Festhalle Bilder der Duisburger Künstlerin Serap Riedel. Unter dem Titel "Wandlungen" zeigt Serap Riedel in Festhalle, Turmzimmer und Kreifelshof - kurz: im Steinhof in Duisburg Huckingen - abtrakte und Bilder von Menschen aus unterschiedlichen Schaffensphasen.

Serap Riedel, die seit 1975 in Duisburg lebt und schon als Kind am Umgang mit Pinsel und Farbe fasziniert war, hat diese Faszination in ein lebensbegleitendes künstlerisches Schaffen übersetzt. Zunächst nichtöffentlich hat sie sich autodidaktisch ihr künstlerisches Rüstzeug angeeignet und dabei erstaunliche Fähigkeiten entwickelt. Fuat Hendek schrieb 2010 in seinem Beitrag "Ein kämpferischer Geist" nach einem Besuch ihres Ateliers von dem Eindruck, sie habe allein ein klasssisches Studium abgeschlossen, mit klassischen, naturalistischen Zeichnungen und Formstudien, verschiedenen farbtechnischen Versuchen, Blumen, Landschaften, Portraits und Abstraktionen, die sich langsam daraus entwickelten.

Nach erfolgreichen Ausstellungen in Essen 2003 und Duisburg 2005 widmet sie sich seit Sommer 2005 ganz ihrer Kunst und ist seit 2006 regelmäßig in Duisburg und anderen Orts mit Ausstellungen präsent, zuletzt im November 2015 mit den türkischen Künstlern Mine Soral und Apostrofes in einer viel beachtenen Ausstellung in Antalya. 2014 hatte sie die Ehre, aus Anlass des Jubiläums "60 Jahre Bundessozialgericht" in Kassel dort die Ausstellung "Instanzenzug - Eine künstlerische Auseinandersetzung mit Recht und Gerechtigkeit" zu zeigen.
Seit 2005 unterrichtet sie Acrylmalerei an der Katholischen Familienbildungsstätte am Innenhafen, seit 2007 arbeitet sie ehrenamtlich kunsttherapeutisch mit alkohol- und medikamentenabhängigen Frauen und Männern.

Vom griechischen Dramatiker Euripides, der im 5. vorchristlichen Jahrhundert lebte, ist der Ausspruch überliefert,

" Denn es gehört sich, dass alle Dinge sich ändern."


Dieser Satz könnte als Motto über dem künstlerischen Schaffen von Serap Riedel stehen. Und steht er nicht auch als Motto über dieser Ausstellung, denn was anderes als Wandel fordert Euripides?

Vom Leben beeinflusst.


Ihr liegt nicht daran, sich auf einen bestimmten Stil, einige Motive und Farbgebungen zu beschränken. Serap Riedel versteht sich als keiner Richtung zugehörige unabhängige Künstlerin, die sich "vom Leben" beeinflusst sieht. Ebenso vielfältig wie das Leben sind ihre Inspirationsquellen. Solche können "Begegnungen mit Menschen und Landschaften" (so der Titel einer früheren Ausstellung), "auf Reisen" (ebenfalls ein Ausstellungstitel) oder im Alltag, persönlich gewonnene oder in Medien aufgenommene Eindrücke sein ebenso wie kontrastierend der Blick auf die Totale auf Satelitenfotos oder ein Blick die Mikrowelt durch ein Rasterelektronenmiskroskop, um nur einige zu nennen. Diese vielfäligen Eindrücke setzt sie abhängig von ihrer Stimmung in ihre Kunst um. Immer wieder mischt sie neue Farben, verwendet neue Techniken und findet neue Formen. Wandlung bedeutet Veränderung, Veränderung ist Bewegung. Künstlerische "Wandlungen" zeigen sich im Schaffen von Serap Riedel in einem fortwährenden und fortschreitenden vielseitigen kreativem Prozess ständiger Erneuerung.

Dies zeigt sich auch in der aktuellen Ausstellung in 54 Bildern, zu deren Vernissage am 21. Januar 2016 das Vorstandmitglied des Trägervereins des Steinhof, Lars Heinke, zahlreiche interessierte Besucher, darunter auch die Duisburger Künstler Bernd Meyer und Klaus Otto und die Fotografin Cor Stein, begrüßen konnte. Besonders in der Darstellung von Menschen, zu sehen in 23 Bildern im Turmzimmer, werden die Wandlungen in der künstlerischen Arbeit von Serap Riedel deutlich. Detailgenaue Portraits in schwarz/weiß (oder Grautönen) aus dem Jahre 1999 stellen das Individuum in den Fokus. Ebensfalls aus dieser Zeit stammt ein (leider unverkäufliches) großformatiges farbiges Bild, das eine verschleierte Frau zeigt, bei der außer den Augen alles bedeckt ist. Dabei ist die Darstellung der Augenpartie so intensiv, das man das Gefühl haben kann, die Augen "sprechen". Eine kleine Serie zeigt dieselbe junge Frau in Profilausschnitten, ähnlich angelegt und doch andere Stimmungen erzeugend. Daneben ein weiteres Portrait in gänzlich anderem Stil.
In anderen Bildern geht es nicht um das Individuum sondern um die Darstellung von Typen oder einer Situation, verfremdet bis hin zu Silhouetten oder dem Übergang zur Abstraktion, von zurückhaltender bis überschäumender Farbgebung.

Diese farbliche Gestaltung setzt sich auch in den abstrakten Bildern fort, die in Kreifelshof und - auch großformatig - in der Festhalle zu sehen sind. Leuchtend helle Farben in Bildern, die sofort positive Stimmungen auslösen, kontratieren mit eher dunkel gehaltener Farbgebung, vielschichtig und deutungsoffen - manches lässt an Landschaften oder Stillleben denken, in anderem scheint nach längerem Betrachten auf einmal ein Gesicht aufzutauchen. Serap Riedel gibt ihren Bildern keine Titel, denn sie möchte die Betrachter nicht lenken oder in der Interpretation einengen, sondern ihnen Raum für Entdeckungen lassen. Auch wenn diese Bilder keine Titel haben, haben sie Namen. Namen, die jeder für sich selbst herausfinden muss und die nicht für jeden gleich sein müssen.

Die Ausstellung wird noch bis zum 31. März 2016 zu sehen sein. Anja Lerch und ihr Publikum haben noch zweimal Gelegenheit, die Blicke schweifen zu lassen.
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