Über die "Roma-und-Sinti-Ausstellung" in der Duisburger Liebfrauen-Kulturkirche Drittes Fundstück - ein Symbolbild: Roma in Rumänien heute

Anzeige
Joakim Eskildsen, Romareisen 2000-2006: Rumanien
 
Joakim Eskildsen, Romareisen 2000-2006: Rumanien
Duisburg: Liebfrauen-Kulturkirche | Josef Dransfeld

Der Künstler Otto Pankok (1893-1966) lockte mich mit seinen "Zigeuner"-Bildern in die profanierte Liebfrauen-Kulturkirche. Bei meinem Gang durch die dreiteilige Ausstellung fiel mir dieses Fundstück auf:

Joakim Eskildsen, Roma-Reisen 2000-2006 (Rumänien)


Nimmt sich ein Mensch Zeit und die Muße, wenn er durch eine Ausstellung mit offenen Augen geht und den Erklärungen eines Schauspielers und Musikers Mustafa Zekirov zuhört, so kann ein Verständnis für heutige Lebensverhältnisse entstehen:


Vorgeschichte:

Vor rund 1000 Jahren begann die Reise der Roma aus Indien in Richtung Europa, nicht freiwillig, sondern oft gezwungermaßen, wie ein alter Bericht veranschaulicht: Mahmud von Ghazni eroberte und zerstörte im Jahre 1018 die alte Stadt Kanodsch (Kannauj), einst Hauptstadt großer Hindu-Reiche. Dabei erbeutete Mahmud von Ghazni 150.000 Menschen, die ihm mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten nützlich waren (Handwerker, wie z.B. Waffenschmiede, Pferdezüchter, Artisten, Musiker, Wahrsager, Heilkundige …), versklavte sie und verbrachte sie in sein afghanisches Reich. Diese Verschleppung kann als eine der Wanderungen der Roma in Richtung Europa angesehen werden.
Bereits im 14. Jahrhundert kamen im Schlepptau der osmanischen Eroberungen Roma in die Gebiete der heutigen Staaten Griechen- land, Bulgarien, Rumänien, Serbien und Ungarn.
In Rumänien lebten auf dem Land die sogenannten „Dorf-Zigeuner“ als Leibeigene der Großgrundbesitzer. Auch nach der Abschaffung der Leibeigenschaft 1786, lebten viele der Roma weiterhin als Sklaven der Fürsten, bis Mitte des 19. Jahrhunderts diese Sklaverei endgültig abgeschafft wurde.

Ein Symbolbild

Zwei Roma werkeln an ihren Pferdefuhrwerk, welches vor einem modernen LKW und vor einem Bretterzaun steht, hinter dem zwei Mähdrescher-Türme, die noch aus der Zeit des Sozialismus zu stammen scheinen, abgestellt sind.

Unter der kommunistischen Herrschaft konnten auch auf dem Lande viele der Roma ihre Lage verbessern, weil sich für sie z.B. als Landarbeiter Erwerbsmöglichkeiten eröffneten. Auch waren offene Verfolgung und Diskriminierung gesetzlich verboten.
Nach der Wende wurde der staatliche Grundbesitz kleinteilig privatisiert, als erste verloren die Roma ihre Arbeit. Viele Rumänen erhielten ein Stück Land zur eigenen Bewirtschaftung, nur die Roma vom Lande erhielten nichts. Deshalb sind sie auf den Dörfern wieder zurückgeworfen in die Zeit vor dem Sozialismus.

Dafür steht das Pferdefuhrwerk, für die moderne Zeit der LKW, symbolisch betrachtet.

Zwar finden sich heute in Rumänien Überlebensberufe, z.B. als Müll- oder Metallsammler, trotzdem leben die Roma meist in bitterer Armut, wie es die weiteren Sozial-Porträts des Dänen Joakim Eskildsen aus Rumänien eindrucksvoll zeigen.

Anfrage

Ist es nicht verständlich, dass Menschen immer wieder versuchen neue Wege zu finden, um Armut und Not zu entgehen?

Auch

fanden Sinti und Roma bis zum Ende des 15. Jahrhunderts beinahe in allen Ländern Europas urkundliche Erwähnung: so wurden im Jahre 1407 zum ersten Male im deutschen Raum, und zwar in Hildesheim, Menschen erwähnt, die damals als "Tartaren" und später dann als "Zigeuner" fremd-bezeichnet wurden, die sich heute jedoch selbst meist "Sinti" nennen. Damals bereicherten sie mit ihren Künsten und Fähigkeiten die europäische Kultur, wurden wegen ihrer fremden Erscheinung aber auch marginalisiert, drangsaliert, in ihrer Menschenwürde nicht geachtet und erhielten deshalb immer wieder durch Könige und Herrscher notwendige Schutzbriefe ausgestellt.

Außerdem

ist "Roma (Mehrzahl; Einzahl: Rom) ... der Oberbegriff für eine Reihe von Bevölkerungsgruppen, denen ihre Sprache, das indoarische Romanes, und mutmaßlich auch eine historisch-geographische Herkunft (indischer Subkontinent) gemeinsam sind."
(zitert nach wikipedia:http://de.wikipedia.org/wiki/Roma)

Leider

ist die Ausstellung, welche von der Stiftung Brennender Dornbusch konzipiert und durchgeführt wurde, seit dem letzten Sonntag, dem 29. März 2015, geschlossen.

Weitere recherchierte Literatur und Quellen, die für den Artikel herangezogen wurden, siehe:

zu den Sozial-Porträts in folgenden Ländern: Indien Griechenland Ungarn Rumänien Rußland Finnland und Frankreich:
Joakim Eskildsen, Cia Rinne, Die Romareisen (Steidl-Verlag 2. A. Göttingen)
zu Kanodsch (Kannauj:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kannauj
zu Mahmud von Ghazni (971-1030):
http://de.wikipedia.org/wiki/Mahmud_von_Ghazni
zu Sinti und Roma in Europa:
http://www.sintiundroma.de/sinti-roma.html
http://www.sinti-allianz.de/files/zigeuner.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Roma
http://www.zigeuner.de/sinti_und_roma_seit_600_jah...
zu Roma in Rumänien:
http://de.wikipedia.org/wiki/Roma_in_Rumänien
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.