Über die "Roma-und-Sinti-Ausstellung" in der Duisburger Liebfrauen-Kulturkirche Zweites Fundstück - ein Schandfleck: Zwangsrekrutierung von Roma und Sinti für den Film "Tiefland" im Jahre 1940

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Film-Plakat "Tiefland" - "Nach Motiven der Oper in Bildern erzählt von Leni Riefenstahl" - wie es im Vorspann des Film geschrieben steht.
 
Runderlass Heinrich Himmlers vom 16.12.1942 zur "Einweisung" der "Zigeuner ... " in das Konzentrationslager (Zigeunerlager) Auschwitz
Duisburg: Liebfrauen-Kulturkirche | Josef Dransfeld

Der Künstler Otto Pankok (1893-1966) lockte mich mit seinen "Zigeuner"-Bildern in die profanierte Liebfrauen-Kulturkirche. Bei meinem Gang durch die dreiteilige Ausstellung fiel mir an den Info-Stationen des Mannheimer Bildungshauses RomnoKher dieses Fundstück auf:

Filmplakat zum Nazi-Film: "Tiefland"

Als erläuternder Kommentar war zu lesen: "Selbst Leni Riefenstahl spielte in ihrem in den 1940er Jahren gedrehten Film 'Tiefland' die 'Zigeunerin', weil es die Hauptrolle war. Aus den KZs geholte Sinti und Roma stellten die Komparserie. Sie wurden später nach Auschwitz deportiert."

Nimmt sich ein Mensch Zeit und die Muße, wenn er nach einem solchen Zufallsfund an den Informationstafeln von RomnoKher dann weitere historische Informationen recherchiert und aufmerksam studiert, so können sich Abgründe auftun:

Zeitgeschichte:

In den Jahren 1948 bis 1952 stuften deutsche Richter verschiedener Spruchkammer- verfahren die Produzentin, Regisseurin und Filmschauspielerin Leni Riefenstahl dreimal als "nicht betroffen" und einmal lediglich als "Mitläuferin" ein.

Um 15:32 meldet spiegel online am 16. August 2002:
"Leni Riefenstahl darf nicht mehr behaupten, den Sinti- und Roma-Statisten, die in ihrem Film "Tiefland" mitspielten, sei nach dem Ende der Dreharbeiten nichts zugestoßen. Eine Überlebende der damals einem NS-Arbeitslager entliehenen "Zigeuner-Komparsen" erwirkte eine Unterlassungserklärung der umstrittenen Regisseurin."

Tatort: Filmdreh

Die Produzentin Leni Riefenstahl übernahm als Regisseurin die Hauptrolle der Tänzerin Martha, um eine spanische "Zigeunerin" darzustellen. Für die "spanische" Statisterie wurden eigens angefordete Sinti und Roma am 4. Oktober 1940 nach Mittenwald bewacht verbracht, um in der Verfilmung der Oper "Tiefland" mitzuwirken. Sie waren aus dem "Zigeunerlager" Maxglan bei Salzburg bzw. aus dem Berliner NS-Lager in Marzahn zwangsrekrutiert. Nach den Dreharbeiten erfolgte ihre Deportation in das "Zigeunerlager" Auschwitz.

Aufarbeitung

Helmut Kindler, ein Münchner Verleger, hatte öffentlich über diese Erreignisse in der Nachkriegszeit gesprochen. Leni Riefenstahl verklagte ihn daraufhin und das Amtsgericht München verurteilte ihn 1949 wegen übler Nachrede.
Am 11. Februar 1954 wurde der Film »Tiefland« in Stuttgart mit nur sehr mäßigem Erfolg uraufgeführt.
Im Jahre 2002 konnte der Verein Rom in Köln von den beim Filmdreh eingesetzten 68 Komparsen noch 48 Personen namentlich identifizieren und belegen, dass für mehr als 20 Sinti und Roma der Lebensweg im Konzentrationslager endete.

Anfrage

Ist es nicht schändlich, wenn sich noch im Jahr 2002 eine 76 Jahre alte Frau, wie Zäzilia Reinhardt, als 15-jähriges Mädchen eine der Komparsinnen des Filmes "Tiefland", gegen Leni Riefenstahl wehren muss, weil die Regisseurin von einst behauptete, niemandem sei etwas passiert.
Mehr als alles Recht der Welt müsste Frau Reinhardt auf ihrer Seite haben, wenn sie diese Behauptung "eine infame Lüge" nennt.

Außerdem

war in der Ausstellung, welche im Rahmen der 36. Duisburger Akzente mit dem Thema Heimat steht und von der "Stiftung Brennender Dornbusch" konzipiert und durchgeführt wird, noch mehr zu erfahren:

Die Roma-Reisen von Joakim Eskildsen, einem in Potsdam lebenden Meister-Photographen, beginnen in Indien und zeigen differenzierte Sozialporträts sechs europäischer Länder (2000-2006).
Die RomnoKher-Infotafeln aus Mannheim gehen der Frage nach: Typisch "Zigeuner"? und regen an, über Mythos und Wirklichkeiten in Geschichte und Gegenwart nachzudenken.
And last but not least: Die weiteren Sinti-Porträts von Otto Pankok, die in der Zeit von 1931 bis 1948 entstanden, verdeutlichen alle das Leben der Sinti in Düsseldorf und zeigen zwei Selbstporträts ihres Malers, den sie in der Sprache "Romanes" "Molari" nannten.

Am kommenden Sonntag, dem 29. März 2015, um 16 Uhr zeigt der Duisburger Rom Mustafa Zekirov in der letzten Führung zur Ausstellung Besuchern besondere Stationen der Ausstellung und steht als Ansprechpartner für Diskussionen bereit.

Leider schließt die Ausstellung schon am Sonntag Abend, sie kann also nur noch am Sonntag zwischen 12.00 Uhr und 18.00 Uhr besucht werden.


Weitere Quellen, die nicht in der Ausstellung präsent waren, aber für den Artikel herangezogen wurden:
1) Leni Riefenstahl: Triumph der "Tiefland"-Häftlinge
in: Spiegel online Kultur vom Freitag, 16.08.2002 – 15:32 Uhr
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/leni-rie...
2) Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Leni_Riefenstahl#Tief...
3) Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Auschwitz-Erlass
4) zur Biographie: http://www.dieterwunderlich.de/Leni-Riefenstahl.ht...
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