Verweigerte Heimat

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"VERWEIGERTE HEIMAT Die untergegangene jüdische Welt in der Duisburger Altstadt" heißt ein Vortag ( incl. Ortsbegehung), den Dr. Ludger Joseph Heid gestern im Sissy Lalla gehalten hat. Wie die Organisationen im elektronischen Programmheft (www.duisburger-akzente.de) betonen, gibt es nur eine Veranstaltung und nicht den im gedruckten Programmheft ausgewiesenen Zusatztermin.

"Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Duisburg einen nennenswerten Zuzug von osteuropäischen Juden, die infolge zaristischer Pogrome nach Deutschland geflohen waren. Diese sog. Ostjuden waren Menschen, die dem mittelständischen, kleinbürgerlichen und proletarisierten Milieu entstammten. Sie waren traditionsbewusst und entsprachen dem Bild von „typischen“ aus dem Osten stammenden Juden mit ins Auge springenden „jüdischen“ Äußerlichkeiten in Kleidung, Haartracht, Sprache und Gestik. Sie wohnten unter sich inmitten der Duisburger Altstadt. Wohn und Geschäftsstraßen der „kleijnen Leit“ waren die Beekstraße, die Universitätsstraße, die Münzstraße und der Sonnenwall, der Friedrich Wilhelm Platz und die in dieser Gegend liegenden Sträßchen und Gassen, die das alte Duisburg in diesen Jahren noch prägten. Da fanden sich Kleinhandelskaufleute und Vertreter und vornehmlich Nahrungsmittelhandwerker: Metzger, Bäcker, meist mit kleinem Ladengeschäft. Dann: Milchläden, Fischgeschäfte, koschere Lebensmittel, Eierhandlungen. All das ist durch die Verwerfungen des NS-Regimes unwiederbringlich vernichtet worden.

Die Lage der kleinen Synagoge (Schtibl) in der Universitätsstraße zwischen Steinscher Gasse und Beekstraße markierte zugleich den Kristallisationspunkt des Ostjudenviertels in Duisburg. Oder, metaphorisch gesprochen, die jüdische Altstadt war das osteuropäische Schtetl der Stadt Duisburg, kurz: das Ostjudenviertel war in kleinem Maßstab etwa mit dem zu vergleichen, was damals in Berlin um die Grenadierstraße herum bestand und als Scheunenviertel bekannt ist.

Priv.-Doz. Dr. Ludger Joseph Heid ist Historiker, Literaturwissenschaftler und Publizist. Er veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Beziehungs- und Literaturgeschichte Sozialgeschichte der Arbeiterbewegung und zum Ostjudentum. Außerdem arbeitet er u.a. für die Süddeutsche Zeitung; DIE ZEIT; Die Welt; Der Freitag; Jüdische Allgemeine und ist Mitherausgeber der Judacia-Reihe des Campus-Verlages Frankfurt." So ist es im gedruckten wie elektronischen Programm nachzulesen.

Es kommen mehr Besucher, als von den Veranstaltern erwartet, so daß zusätzliche Stühle bereitgestellt werden müssen. Der Vortrag dauert etwa 1 Stunde; hinterher können Fragen gestellt werden.

Heid illustriert seinen Vortrag mit Bildern. Er kann dabei nur einen groben Abriß der historischen Ereignisse bieten und geht inhaltlich schwerpunktmäßig auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Aber auch so gefällt der Vortrag.
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