Astrid goes America ( Reisebericht USA 1995 )

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New York
 
Niagara Falls
Ein Urlaub in den USA war schon zuvor immer ein Traum von mir gewesen, aber manchmal bedarf es eines Schubsers von außen, um einen Traum in die Tat umzusetzen. In meinem Fall waren dies zwei Einladungen, von einem Brieffreund, der in Toledo / Ohio lebte, und von einem amerikanischen Kollegen aus Long Island bei New York. Diesen hatte ich auf der Hannover-Messe kennengelernt, auf derich meinen technischen Kollegen von den Optischen Werken Schneider assistierte. Überhaupt fand ich das Beste an der Messe war, daß ich unsere Vertreter und Kunden mal persönlich kennenlernte. Da kann einer sagen, was er will; die Geschäftsbeziehung verbessert sich definitiv, wenn man dem Namen ein Gesicht zuordnen kann und vielleicht sogar noch einen Einblick hat, somit der sich privat so beschäftigt.
Dieser Kollege war so beeindruckt von mir, daß er mir nicht nur die Aufgabe übertrug, seinem Kollegen bei seinem Geschäftsbesuch in Bad Kreuznach etwas von der Gegend zu zeigen, sondern mich auch einlud, ihn und seine Familie zu besuchen. Also verband ich die beiden Besuche.
Zunächst verbrachte ich eine Woche bei Stuart, seiner Frau, seinen Kindern und zwei verrückten Labradors in Long Island. Diese verrückten Hunde drangen gleich in der ersten Nacht in mein Zimmer ein, zerwühlten meinen Koffer und verteilten den Inhalt auf dem Fußboden.
Leider hatte weder Stuart noch seine Frau Urlaub bekommen, so daß ich New York auf eigene Faust erkunden mußte. Einer von beiden nahm mich morgens mit dem Auto mit zur nächsten Bahnstation, versah mich mit Tips, was ich mir ansehen sollte, dann fuhr ich mit der Long Island Railroad bis zur Penn Station und machte mich daran, The Big Apple zu erkunden.
Sich zu orientieren war nicht schwierig, denn zumindest in Manhattan sind die Straßen in einem Schachbrettmuster angelegt und durchnummeriert. Verlaufen hatte ich mich daher nur im Central Park, dort aber wirklich. Alle, die ich dort traf, waren selbst Touristen und sprachen zum großen Teil nur italienisch oder spanisch. Das wäre an und für sich kein so großes Problem gewesen, wenn sie sich wenigstens ausgekannt hätten. Taten sie aber nicht. Irgendwie fand ich dann aber doch wieder zurück.
Erschreckend fand ich in New York die hohe Anzahl Obdachloser. Sicher gibt es auch in Deutschland Obdachlose, aber dort schien mir der Anteil ungleich höher zu sein und die Kluft zwischen Arm und Reich offensichtlicher.
An den ersten beiden Tagen machte ich mit den Hop-On-Hof-Off-Bussen eine Stadtrundfahrt; dann wußte ich, was ich mir näher ansehen wollte und erkundete die Stadt in den nächsten Tagen auf eigene Faust. Ich besuchte das Nationalmuseum, das Empire State Building, das World Trade Center ( damals stand es noch ), machte eine Bootsfahrt und nicht zuletzt besuchte ich auch die Freiheitsstatue. Sie ist gar nicht so riesig, wie es immer den Anschein hat, aber ich fand sie dennoch beeindruckend. Dazu gehörte auch ein Besuch von Ellis Island, der ehemaligen Sammelstelle für Einwanderer aus Übersee. Ich fragte mich, ob meine Verwandten wohl auch dort waren. Es ist zumindest sehr wahrscheinlich. ( Ein paar Verwandte mütterlicherseits waren zum Zeitpunkt von Hitlers Machtergreifung in die USA ausgewandert und hatten in New York eine deutsche Bäckerei eröffnet. )
Nach einer Woche flog ich weiter nach Detroit, wo mich mein Brieffreund Chris und sein Bruder vom Flughafen abholten. Kurz darauf hatte ich den ersten Kulturschock. Tim sagte, er wolle noch ein paar Freunde besuchen, steckte einen Revolver ein und ging aus dem Haus. Ich starrte ihm mit offenem Mund hinterher und sagte so etwas wie: „Das muß sich wirklich um gute Freunde handeln.“ – „Seine Freunde wohnen in einer recht gefährlichen Gegend. Es ist nicht ratsam, dort unbewaffnet hinzugehen“, erwiderte Chris.
Chris und ich waren häufig unterwegs, aber zwischendurch waren wir auch immer mal wieder einen Tag zu Hause, grillten mit der Familie, trafen Freunde...Bemerkenswert fand ich, daß mich jeder, der hörte, daß ich aus Deutschland kam, fragte, ob ich Urlaub mache oder bleiben wolle. Entweder gibt es in der Gegend sonst keine Touristen oder sehr viele Einwanderer.
Vor einem Besuch im Vergnügungspark Cedar Point fragte mich Chris, ob ich Höhenangst hätte, und als ich verneinte, ging er mit mir wirklich auf fast jede Achterbahn – eine fuhr sogar im Dunkeln.
Sehr schön fand ich auch das Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan.
Am allerbesten gefiel mir jedoch der Ausflug zu den Niagarafällen, den wir zusammen mit Tim und seiner Freundin Regina unternahmen. Die sind wirklich gewaltig und sehr beeindruckend. Da sie aber von Toledo aus nicht wirklich um die Ecke waren, verbrachten wir eine Nacht dort im Hotel. Diesen Ausflug hatte Chris bis zuletzt vor mir geheimgehalten und verriet mir erst im Auto, wohin es ging. Ich war begeistert!
Ich hatte mich währen der drei Wochen so daran gewöhnt, den ganzen Tag Englisch zu sprechen, daß ich kurz nach meiner Landung zurück in Frankfurt den ersten Menschen auch auf Englisch anquatschte und es erst merkte, als er mich erstaunt ansah.
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