Eine Mauer bauen für Mut und Motivation

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FOTO UND COPYRIGHT: HANNES KIRCHNER 08-06-2017
Duisburg: Duisburger Werkkiste | 10 junge Teilnehmer der Duisburger Werkkiste durften für 11 Tage nach Südostrumänien reisen, um dort handwerkliche und menschliche Erfahrungen zu sammeln und das Land mit seinen Menschen kennenzulernen.
Ihr Horizont, ihr Selbstbewusstsein und ihre Motivation für die Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft sollten auf diese Weise erweitert werden.


Im winzigen 300 Seelen-Dorf Radeln, hat das Team der Werkkiste einen Zaun und eine Mauer für ein neues Kinder-und Jugendzentrum gebaut. Eine völlig neue Erfahrung, sich in einem fremden Land zurechtzufinden, sich Ziele zu setzen und sie auch zu erreichen. In der Duisburger Werkkiste werden die 10 jungen Frauen und Männer auf ihre Ausbildung vorbereitet. Während dieser sogenannten Aktivierungsphase, können sie an schulische Schwächen arbeiten, verschiedene Handwerke ausprobieren und werden auch bei der Berufsfindung begleitet.
Die Reise ins Ausland war für sie ein besonders prägendes Erlebnis, denn sie durften erleben, wie wichtig ihrer Arbeit für andere Menschen sein kann.
Sozialreferent Benjamin Lambeck (30) hat die jungen Duisburger in Radeln angeleitet und betreut. „Alle Teilnehmer mussten schon viel Negatives in ihrem Leben einstecken“, weiß er, „ aber genau deshalb sind sie auch dazu fähig, sich Problemen zu stellen und sie zu lösen. In Radeln mussten sie 11 Tage lang miteinander auszukommen und Hand in Hand im Team arbeiten - Privatsphäre gab es dabei kaum. Es hat geklappt und viel Spaß gemacht, mit ihnen zu arbeiten.“

Kontrastprogramm zum Leben im Ruhrgebiet

Im Programm „Young Workers for Romania“ konnten die 10 Teilnehmer zum einen handwerkliche Fähigkeiten ausprobieren, die sie bei der „Werkkiste“ kennengelernt hatten. Zum anderen ging es darum, Land und Leute kennenzulernen – und ein gänzlich anderes Leben. als im Ruhrgebiet. Gerade in Zeiten der Globalisierung eine wichtige Erfahrung.
„Ich hätte es bereut, wenn ich nicht teilgenommen hätte“, beteuert Christopher Gerhardt (23) aus Meiderich: „Ich habe viel Neues gelernt, besonders über die Menschen im Dorf, die in großer Armut leben. Die meisten Straßen sind nicht geteert, die Tiere laufen überall frei herum, statt Autos gibt es höchsten Pferdekarren und teilweise haben die Menschen kaum etwas zu essen“. Tim berichtet, dass es statt fließendem Wasser nur einen Dorfbrunnen für Menschen und Tiere gegeben habe. „Es ist schon beeindruckend zu sehen, mit wie wenig man im Leben auskommen kann“, ergänzt Vivien.

Vorurteile überwinden

Die meisten Dorfbewohner in Radeln sind Roma. Eine Volksgruppe, der man in Duisburg mit vielen Vorurteilen begegnet. Etwas 13.000 dieser Zuwanderer leben hier „ Roma sind kriminell, schmutzig und passen sich nicht an“, heißt es oft.
Die Arbeits-Gruppe der Werkkiste hat es in Rumänien anders erlebt. „Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, die Kinder offen und anhänglich“, sagen sie nach der Reise.“ Nachdem wir den Zaun und die Mauer rund um das Jugendzentrum fertig gebaut hatten, durften die Kinder aus dem Dorf kommen und sich alles ansehen. Wir haben mit ihnen gespielt und sie haben uns gezeigt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Das war eines unserer Highlights.“ Das sieht auch Betreuer Benjamin so „Sie haben mit den Kindern aus Radeln gespielt und damit beweisen, dass sie trotz Altersunterschied, trotz Sprachbarriere und trotz unterschiedlicher Kultur gemeinsam Spaß und Erfolg haben können. Dazu gehört ein gewaltiges Maß an Mut, Durchhaltevermögen und sozialer Kompetenz aller Beteiligten!“

Norbert Geier, der Geschäftsführer der Werkkiste, sieht in seiner Reisegruppe sogar Botschafter gegen Vorurteile: “ Ihr habt in Rumänien gelernt, wie diese Menschen wirklich sind und eure Vorurteile revidiert. Tragt diese Erfahrungen in eure Bekanntenkreise, die Werkkiste und eure Stadtteile“.
Finanziert wurde die Reise durch das Job-Center Duisburg. Mitarbeiterin Beate Blumenthal hat beobachtet, dass die Teilnehmer nach diesem Projekt „wesentlich aufgeweckter und interessierter wirken. Ein bisschen so wie wachgerüttelt.“ Sie hofft, dass diese Spannung für die zukünftige Berufsvorbereitung beibehalten wird.
Sieht ganz danach aus, denn die „Young Workers“ haben sich konkrete Ziele gesetzt: Tierarzthelferin, Veranstaltungstechniker, Fachmann für Automatentechnik oder medizinische Fachangestellte wollen sie werden.
Bei der Abschlussveranstaltung im Ratssaal am Burgplatz, wurden ihre Leistungen offiziell gewürdigt. Auch Oberbürgermeister Sören Link und Schirmherr Frank Börner(MdL)waren gekommen, um zu gratulieren. Ein Zertifikat für ihre Leistung durften die jungen Menschen dann mit nach Hause nehmen und dazu viele Erinnerungen, Erfahrungen und Geschichten.

Info:
Das Projekt „Young Workers for Romania“ wird unterstützt von der Europäischen Union, vom Land und der Peter Maffay Stiftung. Träger ist das „aktuelle forum e.V. in Gelsenkirchen. So wie es aussieht, werden künftig auch noch andere Teilnehmer der Werkkiste in den Genuss dieser Reise kommen.
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