Im Gespräch: Andrea Braun-Falco von der Hospizbewegung Duisburg-Hamborn

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  Duisburg: Hospizbewegung Duisburg-Hamborn | Fotos: Andreas F. Becker

Sterben – den meisten Menschen macht das Angst. Niemand beschäftigt sich gerne mit dem Gedanken an das eigene Ableben oder an den Verlust eines geliebten Menschen. Sterben – das ist ein trauriges Thema, oder? „Das kommt auf die Betrachtungsweise an“, entgegnet Andrea Braun-Falco lächelnd.

Wer sie erlebt, erlebt eine fröhliche, dem Leben und den Menschen sehr zugewandte Frau. Seit zehn Jahren arbeitet die 55-jährige Diplompädagogin, Diplom-Sozialarbeiterin und Krankenschwester hauptamtlich bei der Hospizbewegung Hamborn, seit einigen Jahren als Geschäftsführerin. Sterben und Tod spielen eine zentrale Rolle in ihrem Arbeitsalltag. Wie kommt man damit zurecht? Wieder lächelt Braun-Falco. „Für mich ist der Tod etwas natürliches. Er gehört zum Leben dazu wie die Geburt. Ja – Tod bedeutet Abschied, und ein Abschied ist immer auch traurig. Aber letztlich ist unser Leben von Abschieden geprägt, Abschieden von Menschen, Orten und Lebensumständen. Unsere Aufgabe ist doch eine sehr schöne: Einen Menschen, der weiß, dass er nicht mehr lange leben wird, auf diesem letzten Weg zu begleiten, diesen Weg gemeinsam mit ihm nach seinen Vorstellungen zu gestalten, ihn quasi Regisseur dieses Abschieds werden zu lassen – und das ist für beide Seiten ein Gewinn.“

"Wir nehmen Ängste"


100 Ehrenamtler engagieren sich derzeit in der Hospizbewegung Hamborn, 50 von ihnen in der Sterbebegleitung. Was sind das für Menschen? „Keiner kommt zufällig zu uns. Für die meisten ergibt sich die Entscheidung für dieses Ehrenamt aus dem Erlebten. Dabei ist die Motivation so vielfältig wie die Menschen selbst. Beispielsweise der Verlust eines Angehörigen. Oder das Gefühl, selbst Hilfe erfahren zu haben und nun etwas zurückgeben zu wollen. Aber etwas haben sie alle gemeinsam: Sie sind herzlich, mitfühlend und interessiert“, erklärt Andrea Braun-Falco.

"Rituale sind wichtig"


Bevor die Ehrenamtlichen Sterbende begleiten, werden sie in einem Vorbereitungskurs intensiv und umfassend an ihre Aufgabe herangeführt. Die Quote derer, die sich mit Sterbebegleitung schließlich doch emotional überfordert fühlten, sei verschwindend gering, berichtet Andrea Braun-Falco: „Wir nehmen Ängste, unterstützen und stärken unsere Sterbebegleiter, etwa durch regelmäßige Supervision. Außerdem führen wir Reflexionsgespräche, in denen der Sterbebegleiter klar formulieren kann und soll, was für ihn geht, und was gar nicht geht. Darüber hinaus haben wir Rituale. Rituale sind wichtig, weil sie hilfreich sind. Einmal im Jahr veranstalten wir mit allen Mitgliedern, Angehörigen und Wegbegleitern eine Gedenkfeier für die Verstorbenen. Diese Feiern sind aber nicht von Schwermut, sondern von einem starken Gemeinschaftsgefühl geprägt. Sie bieten Raum zurückzuschauen. Auf gute Gespräche etwa, die man geführt hat, auf schöne, wichtige Momente, die man miteinander geteilt hat. Und das ist ein Geschenk.“

HINTERGRUND
 Die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V. ermöglicht seit 1991 Menschen in ihren letzten Lebenswochen und Lebenstagen eine lebenswerte Zeit in Würde und Geborgenheit in der gewohnten Umgebung zu Hause. Derzeit hat der Verein rund 460 Mitglieder, davon rund 100 Sterbebegleiter, die Sterbende in ganz Duisburg betreuen.
 Außerdem bietet die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn Trauerarbeit und -begleitung für Hinterbliebene an. Sie veranstaltet ein Trauercafé, ein Trauerfrühstück und einen Trauermalkurs. Regelmäßig lädt sie zum Hamborner Hospizgespräch ein.
 Es werden noch Ehrenamtliche für die Sterbebegleitung, den Telefondienst und die Bastelgruppe gesucht.
 Infos und Kontakt: Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V., Taubenstraße 12, 47166 Duisburg,  02 03 / 55 60 74, www.hospizbewegung-hamborn.de.
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