Mit 200 Schafen über die Autobahn - Ein erlebnisreicher Abenteuertag mit Florian Preis und seiner Ruhrschäferei

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Ein nicht gerade alltägliches Bild: die Schafherde hat eine Autobahn für sich allein. Fotos: Reiner Terhorst
 
Gerade ist der größte Teil der Herde wohlbehalten in Rheinhausen nach erfolgreicher Querung der Rheinbrücke im Hintergrund. Schäfer Florian Preis genießt seinen Kaffee.
Duisburg: Ruhrschäferei |

„Ich glaube, seit dem Hauptstadtjahr 2010 mit dem großen Fest auf der A40 hat die Autobahn nicht mehr so viele bewegte Beine auf einmal gespürt wie heute.“ So Florian Preis (36), in Neumühl wohnender Schäfer, lachend bei einer „abenteuerlichen Brückenquerung“ nach Rheinhausen mit gut 200 Schafen, einigen Ponys, Hütehunden und mehreren „angestrengt-fröhlichen“ Menschen.

Von seinem Heimatstall im benachbarten Holten ging es mit seiner Herde jetzt über die Altstadener Ruhrauen durch Obermeiderich, durch das Hafengebiet nach Kaßlerfeld und Neuenkamp, um dann die zurzeit noch gesperrter A40-Brücke Richtung Rheinhausen zu überqueren. Und abenteuerlich ging es wirklich zu. Es wurde gelacht, geflucht, geschwitzt, und es wurde vor allem „tierisch aufgepasst“, denn das Wohl der Tiere musste in Einklang mit dem Straßenverkehr, einigen Nadelöhren und nicht eingeplanten Hindernissen gebracht werden. Und das wurde es. Alle sind wohlbehalten in Rheinhausen angekommen.

Tag für Tag bei Wind und Wetter

Am Ende des „Abenteuertages“ konnten Florian Preis und seine zahlreichen Helfer und Begleiter auf- und durchatmen. Der „Ruhrschäfer“ strahlt. Er ist glücklich. Seinen Beruf empfindet er als Berufung. Nun, die Schäferei erfüllt ihn. Sie füllt auch seinen Tages- oder besser seinen Jahreskalender. Urlaub ist für ihn ein Fremdwort. Er hat halt einen Beruf, der ihn 365 Tages in Anspruch nimmt. Bei Wind und Wetter ist der Vater eines siebenjährigen Sohnes draußen in der Natur, denn Ruhrschäfer ist er mit Leib und Seele. Für ihn, so sagte er während der Brückenquerung, könne es keinen besseren Beruf geben,

Zu diesem ist er allerdings auf einigen Umwegen gekommen. Er hat Zivildienst geleistet, war Metallbauer, hat im sozialen Bereich gearbeitet, eine landwirtschaftliche Ausbildung begonnen und „so manche andere Dinge gemacht.“ 2001 hatte er sich bei einem Bremer Züchter einen Hund gekauft, einen Schafspudel. Und durch den ist auf den Beruf des Schäfers aufmerksam geworden. Er hat lange „reingerochen“, ist mit Schäfern und Herden umhergezogen und hat letztlich festgestellt: „Ja, das ist es“. Er hatte Blut geleckt und seine Ausbildung zum Schäfer absolviert. 

Schäfer betreiben echte Landschaftspflege

2013 rief er seine Ruhrschäferei ins Leben. ThyssenKrupp hat ihm geeignete Flächen auf einem ehemaligen Industriebrachland zur Verfügung gestellt. Unterstützt wird Florian Preis durch die die gesamte Familie, größtenteils ebenfalls in Neumühl zuhause. Vater Michael, der in den 70er Jahren übrigens einer der ersten Leiter des Bürgerhauses Neumühl war, schreibt die Hirtenbriefe für die Internetseite und nimmt ihm viel organisatorische Aufgaben ab. Mutter Hilde kümmert sich um die Kommunikation, und Bruder und Onkel sind ebenfalls mit ihm Boot.

Ihm zur Seite steht auch Linda Weber (27). Die Hamborner wollte ursprünglich Tiermedizin studieren und absolvierte bei Florian Preis ein Praktikum. Seitdem ist sie mit dabei und unterstützt die wanderde Herde mit ihren Ponys Zottel und Jerry. Mittlerweile hat sie einen Studienplatz bekommen, den sie aber nicht in Anspruch genommen hat. Offensichtlich hat auch sie Blut geleckt und ist mit viel Engagement bei der Sache. „Schäfer betreiben echte Landschaftspflege“, sagte sie, auf Florian Preis blickend. Renaturierung ist ein gern gebrauchtes Wort.

Grüne Inseln und kilometerlange Deichanlagen

„Mit Duisburg verbinden viele Menschen eine Stadt, die gekennzeichnet ist durch Europas größten Binnenhafen und als Standort“, so der Ruhrschäfer, und für manche ist es ungewohnt, das Bild, das er sich von der Region macht, mit Schafherden zu verbinden.“ Aber wer diese Landschaft mit den Flüssen Rhein, Ruhr, Emscher kenne, weiß um die zahlreichen Brachen, Grünzüge, Acker, Wiesen und grünen Insel sowie die kilometerlangen Deichanlagen.

Die Ruhrschäferei beweidet solche Flächen in mehreren Städten des Reviers. Michael Preis wird fast philosophisch: „ Dazu gehören sowohl Flächen der im vielfältigen Nutzungspatchwork des Revier nie verschwunden Landwirtschaft, als auch wieder freigewordene Flächen sowie Haldenbegrünungsprojekte des im Strukturwandel untergegangen Königreichs der Montanindustrie.“

H I N T E R G R Ü N D E

Michael Preis und Linda Weber streicheln die Hütehunde Loni und Ayla, zwei Schwester, und Luna, die dritte im „Hüte-Bunde“. Sie haben sich nach dem Abenteuertag ebenfalls redlich verdient. Jetzt bleibt die Herde einige Wochen in Rheinhausen. Dann geht’s für einen Tag auf den Ingenhammshof nach Meiderich und danach in die Sterkrader Heide. 
Finanziert wird die Ruhrschäferei auch durch Schaf-Patenschaften. Für einmalig 100 Euro gibt es ein Foto des Schafes. Zudem gibt es stets Infos über besondere Ereignisse des Tieres und der Herde. Das Schaf kann zudem kennengelernt werden.

Geschlachtet werden ausschließlich Bocklämmer, und das nur auf Bedarf. Man ist kein Fleischhandel, sondern eine Schäferei. Erst wenn ein Kunde anruft und Fleisch braucht, geht es mit dem Tier zum Schlachter des Vertrauens. Infos unter 01573 / 6498603 oder per Mail an kontakt@ruhrschaeferei.de.

Gerne kommt man auch mit einem Schaf in eine Schule, eine Kindereinrichtung oder ein Altenheim. Das ist lehrreich, sorgt für Abwechslung und dient auch zur Therapie. Natürlich können die Einrichtungen auch die Herde besuchen. Das haben zehn Kinder einer Kindereinrichtung aus Wesel bei der „Rheinüberquerung“ gemacht. Sie waren begeistert.

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1 Kommentar
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Andrea Gruß-Wolters aus Duisburg | 11.08.2017 | 13:23  
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