Neumühl setzt ein Zeichen

Anzeige
  Alle Fotos: Frank Preuß

Vom Eingang der Herz-Jesu-Kirche in Neumühl bis zum Hauptportal des ehemaligen St. Barbara Hospitals sind es gut 700 Meter. Und diese Strecke durch den Stielmuspark über die Schroerstraße war dicht gefüllt von Menschen, die am frühen Sonntagabend in einer imposanten Kette mit Kerzen, Lampen, Laternen schweigend ein Zeichen für Menschenwürde und Toleranz, für ein friedliches Miteinander im Stadtteil setzten.

Aufgerufen dazu hatte der Initiativkreis Neumühler Erklärung, den vor über einem Jahr das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Neumühl auf den Weg brachte, als rechte Gruppierungen Stimmung gegen Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge machten und dabei einige Anwohner des ehemaligen Krankenhauses auf ihre Seite zogen. Der Neumühler Erklärung schloss sich spontan die katholische Schwestergemeinde Herz-Jesu an und fast alle Vereine, Organisationen, Institutionen, Parteien und Verbände schlossen sich dem an. Seitdem hat der Initiativkreis viele öffentliche Zeichen gesetzt und sich dafür stark gemacht, dass Menschen, die in Kriegssituationen, Bedrohung und Verfolgung Zuflucht suchen, diese auch bekommen.

Der Menschen- und Lichterkette am Sonntag ging ein bewegender Ökumenischer Friedensgottesdienst in der vollbesetzten Herz-Jesu-Kirche, dem Schmidthorster Dom, voraus. Pater Tobias erinnerte an die Entstehung der Neumühler Erklärung und den christlichen Auftrag, Menschen zu helfen, die in Not geraten sind. Die evangelischen Pastoren Anja Buchmüller-Brand und Michael Hüter dankten den vielen Neumühlern, die sich nicht auf Hetzparolen einlassen, sondern mutig für die Rechte der Schwachen und Unterdrückten eintreten. In sehr persönlichen hielten Vertreter Neumühler Vereine und Organisationen Fürbitten, die sehr nahe gingen.

Dass trotz des ungemütlichen Herbstwetters über 600 Neumühler, unterstützt etwa vom Duisburger Bündnis für Toleranz, vom Duisburger Flüchtlingsrat, vom Stadtkatholikenrat, von Superintendent Armin Schneider, Kirchenrat Rafael Nikodemus, der Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas, dem Landtagsabgeordneten Frank Börner, Bürgermeister Volker Mosblech, Bezirksbürgermeister Uwe Heider und vielen mehr, eine geschlossene Menschen- und Lichterkette zustande brachten, erfüllte den Initiativkreis mit Freude und Stolz. Dass sich so viele Menschen auf den Weg machten, hatte man erhofft, aber längst nicht erwartet. „Wir haben deutlich gemacht, dass auch in Neumühl die Menschenwürde unantastbar ist“, stellte Pfarrer Peter Gördes, der Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Neumühl, fest. Sein Stellvertreter, Presbyter Reiner Terhorst, ging, ausgestattet mit einer „Flüstertüte“, den gesamten Weg vom Barbara-Krankenhaus durch den Stielmuspark zum Schmidthorster Dom, an der imposanten Menschen- und Lichterkette vorbei, noch einmal zurück und bedankte sich im Namen des Initiativkreises Neumühler Erklärung bei allen Teilnehmern.

Die Verantwortlichen bedankten sich auch bei der Polizei, die mit neun Beamten den „Friedenszug“ begleiteten und den Verkehr regelten. Die Polizei sprach von einem störungsfreien, reibungslosen und friedlichen Verlauf.
Und Neumühl wird weiterhin Zeichen setzen. Am zweiten Adventssonntag, 7. Dezember, 10 Uhr, führt die Evangelische Jugend in der Gnadenkirche am Hohenzollernplatz zum Tag der Menschenrechte einen Gottesdienst durch, in dem die Neumühler Erklärung eine große Rolle spielen wird. Auch hierzu sind Interessierte und Unterstützer herzlich willkommen.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.