Tempobolzer aus Zimmer 11: Helmut Wegner, letzter Gemeindedirektor von Rumeln-Kaldenhausen, wird am Sonntag 80 Jahre

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Dieses Bild fertigte Karin Wegener, nachdem ihr Mann am 1. April 1969 von Bürgermeister Edmund Pilarczyk zum Gemeindedirektor vereidigt worden war. (Foto: Foto: Karin Wegner)
 
Die Legenden-Bank mit (von links) Ex-Kämmerer Hans Tönnissen (91 Jahre), Kaldenhausen-Original Heinz Billen (80) und Ex-Gemeindedirektor Helmut Wegner (80). (Foto: Foto: Ferdi Seidelt)
Duisburg: Altes Rathaus Rumeln-Kaldenhausen |

Die Macher- und Macht-Zentrale ist im Obergeschoss: Zimmer 10 der Sitzungssaal des Gemeinderates, Zimmer 11 der Gemeindedirektor. Der Bürgermeister residiert im Erdgeschoss, inmitten der Publikumsämter, symbolträchtig in Zimmer 1.

Die meisten PS indes schnauben in der Stube mit der Doppel-1! Hier arbeitet bis zur Kommunalen Neuordnung am 31. Dezember 1974 Helmut Wegner, der letzte Gemeindedirektor der schmucken Doppelgemeinde. Am Sonntag, 7. Mai, wird der agile Spitzenbeamte 80 Jahre. Im Kreise seiner Lieben, das sind Ehefrau Karin, die Kinder Silke, Carsten und Kay sowie sieben Enkelkinder, dürfte das unstete Leben des Edel-Malochers nur wenig Thema sein. Der Wochen-Anzeiger Duisburg blickt dafür um so genauer hin und zurück.

Geboren am 7. Mai 1937, aufgewachsen und zur Schule gegangen in Oberhausen, ist aufgrund des fehlenden Schulgelds nur die Realschule möglich – der Bengel aber höchst begabt. So ist es ein Leichtes, 1953 eine Lehre bei der Stadtverwaltung zu bekommen. In den nächsten Jahren geht der behördliche Jungspund geradezu durch die Decke. Fachhochschule, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, das Kommunaldiplom wird mit der Note 1 an die Wand genagelt. Schnell avanciert der durch das Hauptamt geeilte Beamte zum persönlichen Referenten des Oberstadtdirektors.

Gerade einmal 31 Jahre alt boxt er rund 40 Mitbewerber aus dem Ring, wird am 27. Februar 1969 Gemeindedirektor von Rumeln-Kaldenhausen. Groß sind die Fußstapfen seines Langzeit-Vorgängers Karl Wischerhoff und kreativ die Arbeit von Kämmerer Hans Tönnissen, der dann wie selbstverständlich sein Stellvertreter wird. Mit Wegner verbunden wird in seiner nur sechsjährigen Amtszeit (Wischerhoff führte das Rathaus über 34 Jahre!) die Gründung des Albert-Einstein-Gymnasiums. Das schnappt er den Mitbewerbern Moers und Rheinhausen vor der Nase weg.

Marktplatz, Schwimmbecken und Turnhalle

Der Marktplatz und die Straßen werden asphaltiert, Schotterwege sind nichts für den forschen Verwaltungschef. Mit den Mitteln für ein Lehrschwimmbecken und eine kleine Turnhalle, gedacht für die Kirchfeldschule, zaubert er ein Mehrbecken-Hallenbad und eine Großturnhalle aus dem Boden. Der Neubau der Friedrich-Fröbel-Schule trägt seine Handschrift, und auch bei der Projektierung des Freibades Toeppersee mischt er munter mit.

Nach der Eingemeindung nach Duisburg und damit dem Verlust seines Arbeitsplatzes wechselt er als Leiter zum Bezirksrathaus Homberg, bevor er beim Diakoniewerk Kaiserswerth, zuerst als Dezernent, dann als Personaldirektor, seine Karriere ausklingen lässt. Nicht vergessen werden sollten seine langjährigen hohen und höchsten Ehrenämter in der Evangelischen Kirchengemeinde Rumeln-Kaldenhausen, im Lions Club Rheinhausen und als Schöffe beim Amtsgericht.

Lebenstraum: Segelboot Karin

Seit 54 Jahren verheiratet ist er mit Frau Karin, die, wiewohl selbst engagierte Berufsschullehrerin, nicht immer mit dem enormen Arbeitspensum ihres Gatten, 70 bis 80 Stunden die Woche, einverstanden war. Als Zeichen seiner Wertschätzung ihr gegenüber wird sein Lebenstraum, ein hochseetaugliches Segelboot, nach ihr benannt. Hier schließt sich ein Kreis, den er gleich zu Beginn seiner Liebe in Worte kleidet: „Wenn ich mal pensioniert bin, will ich ein Boot haben. Trägst Du das mit?“ Sweet Karin, bis über beide Ohren in Helmut verschossen, haucht ein zärtliches „Ja“.

Dass das Geburtstagskind mit der Computerei, so mancher Handwerksarbeit, vielen Reisen mit der Gattin, Theater- und Konzertbesuchen sowie der aufwändigen Betreuung der Großfamilie nicht selten in einen wahren „Rentnerstress“ kommt, wird heuer von der Ehefrau mit einem Lächeln gesehen. „Das braucht er“, sagt sie und berichtet von zwei anstehenden Reisen zum Nordkap – eine zu Land und eine zu Wasser.

Text: Ferdi Seidelt
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