Von der Sonderschule in die gymnasiale Oberstufe: Marcel Labs will anderen Jugendlichen Mut machen

Anzeige
Angekommen: Marcel Labs hat sich von der Sonderschule bis in die gymnasiale Oberstufe hinaufgekämpft.
 
Mit seiner Geschichte möchte der 20-Jährige anderen Jugendlichen Mut machen.
Fotos: Hannes Kirchner

„... freuen wir uns, Ihnen eine Ausbildungsstelle als Chemikant unterbreiten zu können.“ Eine von sechs Lehrstellenzusagen, die Marcel Labs erhalten hat. Darauf ist der 20-jährige Laarer stolz. Seiner Zielstrebigkeit hat er es zu verdanken, dass er es von der Förderschule bis zur gymnasialen Oberstufe geschafft hat. Mit seiner Geschichte möchte er andere ermutigen.

Es wäre leicht, Marcel Labs in die Schublade „schwere Kindheit“ zu packen: Seinen Vater lernt er niemals kennen, er wird früh mit Gewalt konfrontiert. Außerdem hat Marcel einen Sprachfehler, verwechselt und verdreht ähnlich klingende Wörter und ist für sein Alter viel zu groß. Bereits im Kindergarten wird er gehänselt, Riesenbaby genannt. Das will er sich nicht gefallen lassen. Dreimal sind die Erzieherinnen mit ihm überfordert, dreimal muss er die Einrichtung wechseln.

Danach landet Marcel auf einer Förderschule für verhaltensauffällige, „schwer erziehbare“ Kinder, nachmittags besucht er eine heilpädagogische Tagesgruppe. Bald fällt den Betreuern auf, dass der Junge zwar einen gravierenden Sprachfehler hat, jedoch recht intelligent zu sein scheint. Entsprechende Tests bestätigen das. Die Betreuer tun das, was Marcel von Hause aus nicht kennt – sie setzen sich für ihn ein und bewirken einen Schulwechsel auf eine Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprache, dann auf eine Regelhauptschule. An sich schon ein großer Erfolg.

Doch Marcel reicht das nicht: „In der 8. Klasse habe ich gemerkt, dass ich mich unterfordert fühle. Dass ich mehr kann und mehr will. Da habe ich mir das Ziel gesetzt, der erste Sonderschüler zu werden, der es bis zum Medizinstudium schafft."

"Ich wollte stärker werden - innen und außen."


Der Junge, der lange Zeit kaum lesen und schreiben konnte, fängt plötzlich an, Bücher zu lesen. Fremdwörter schlägt er nach. In Deutsch verbessert er sich so von 5 auf 2. Außerdem fängt Marcel an, Sport zu treiben, Kraft- und Ausdauertraining, außerdem Kampfsport. „Ich wollte stärker werden – innen und außen.“

Seine Strategie geht auf: Nach dem Hauptschulabschluss gelingt auch der Wechsel an die Theodor-König-Gesamtschule in Beeck. Nur der Sprachfehler bleibt. „Als ich dann ein Praktikum bei einem Anwalt machte, wollte der wissen, warum ich nicht zum Logopäden gehe. Zuhause hatte man mir immer gesagt, das zahle die Krankenkasse nicht.“ Ein Anruf des Anwalts bei der Kasse klärt das Missverständnis auf, mit 17 Jahren erhält Marcel endlich die dringend erforderliche Sprecherziehung.

Doch Marcel kennt seine Stärken und Schwächen ganz genau: „Naturwissenschaftlich und technisch bin ich sehr interessiert und talentiert. Sprachen und Sprechen werden immer meine Schwachpunkte bleiben.“
Derzeit besucht er die Einführungsklasse 11 der Gesamtschule, könnte in zwei Jahren zum Abitur antreten – ob er es macht, weiß er noch nicht: „Ich bin ja schon 20 Jahre alt. Darum habe ich mich parallel um einen Ausbildungsplatz als Chemikant beworben und sogar sechs Zusagen erhalten. Bei einer Firma habe ich unterschrieben. Im August kann es losgehen.“

Am 19. Juni hat Marcel einen Termin, der ihm ganz besonders am Herzen liegt: „Da besuche ich meine ehemalige Schule und halte einen Motivationsvortrag. Erzähle meine Lebensgeschichte und davon, dass man viel erreichen kann, wenn man es wirklich will. Ich will den Schülern klar machen: ‚Hey, strengt euch an. Es geht doch um euch, um euer Leben!‘"
4
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
149
Thomas Westerdorf aus Duisburg | 09.05.2015 | 17:36  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.