Vor 70 Jahren das Herz in Heidelberg verloren: Magda und Georg Kreischer aus Duisburg-Baerl feiern Gnadenhochzeit

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Das Paar beim ersten Treffen 1942 im Schlosshof in Heidelberg Fotos: privat
 
Das Paar an der gekränzten Eingangstür ihres Hauses.„Und jetzt können Sie Ihre Braut küssen“ sagte Georg Kreischer am Ende des Dankgottesdienst und setzte dies umgehend um.
Duisburg: Baerl | Das Foto eines hübschen Mädchens war der Zündfunke für ihre Liebe. Nun blicken Magda und Georg Kreischer aus Baerl auf 70 glückliche Ehejahre zurück. Das Jubiläum der Gnadenhochzeit wurde mit den Bräuchen des „Kränzens“ und „Abkränzens“ durch die Nachbarschaft, einem Dankgottesdienst sowie einer Feier mit Freunden, Familie und Nachbarn begangen.

Der ganz „große Bahnhof“, wie vor fünf Jahren, hätte es diesmal nicht sein müssen, darin sind sich die Kreischers einig. So wie bei ihrer „Eisernen Hochzeit“ am 3. August 2011, wo sie drei Feste mit 100 Leuten feierten: Neben dem „Kränzen“ und „Abkränzen“ veranstalteten sie damals eine Gartenfete mit vielen Vereinen - darunter vier Chören - bis nachts um zwei. Georg Kreischer räumt ein: „Wir sind hier zu bekannt und können keine Gnadenhochzeit unterschlagen.“ Der gebürtige Baerler gründete 1982 den Mundartkreis „Baalsche Kraien“ mit Chor, baute ab 1987 das Kirchenarchiv auf, das er zehn Jahre lang betreute und verfasste eine Vielzahl mundartlicher und heimatgeschichtlicher Publikationen. Zu erwähnen die „Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Baerl“, „So spielten einst Kinder am Niederrhein“ und „Baerl, ein liebenswertes Stück Niederrhein“. Aber bekanntlich steckt ja hinter jedem erfolgreichen Mann eine Frau, und hier macht Georg Kreischer seiner Gattin die wohl schönste Liebeserklärung: „Ohne diese Frau, mit rastlosem Verzicht, Schaffen und Sparen, wäre ich nicht da, wo ich bin! Wenn ich wieder auf die Welt käme, würde ich sie sofort wieder heiraten!“

Der Zündfunke für ihre Liebe, das war das Foto eines hübschen Mädchens aus Worms: Das Bild seiner späteren Gattin entdeckte der Marinesoldat Georg Kreischer 1942 – als er auf Helgoland stationiert war – während eines Heimaturlaubs in Osnabrück. „Ich fragte die Tante meiner späteren Frau – unsere Tanten wohnten in einem Haus - wer das Mädchen sei.“ Bis auf die Info, dass es sich um ihre Nichte handelte, verriet die Nachbarin seiner Tante nicht viel. Eines Tages fand Georg Kreischer in einem Brief seiner Tante ein Zettelchen mit Namen und Adresse des hübschen Fräuleins und schrieb diesem postwendend. Eine rege Feldpost-Brieffreundschaft entwickelte sich, während der sich die Schreibenden über ihre gemeinsame Liebe zur Literatur und gemeinsame Interessen („Wir sind Naturliebhaber, leidenschaftliche Wanderer und Gartenliebhaber“) austauschten und auch näher kamen. „Aber man wusste ja nicht, ob das beim ersten Sehen auch harmoniert“, erinnert sich die 94-jährige gelernte Kontoristin verschmitzt. Beim ersten Treffen, einem Ausflug nach Heidelberg („Ich habe mir schnell noch heimlich zuhause einen Zivilanzug besorgt“), wussten Beide vom Fleck weg, dass „das der Mensch ist!“

Zusammenziehen erst nach der kirchlichen Trauung


Nach der Verlobung im Jahre 1943 schloss das Paar 1946 in Worms, in einem ausgebombten Klassenzimmer, das als Standesamt fungierte, den Bund fürs Leben. Zur Feier des Tages gab es Kaffe, Kuchen und „gehamsterten“ Wein. Zusammenziehen vor der kirchlichen Vermählung, das durfte das Paar noch nicht. Diese Zeremonie in Baerl (Magda Kreischer: „Einen Tag vor der Trauung kam ich aus der französischen Zone“) zelebrierten die Liebenden mit geliehener Festkleidung, Zylinder und Papierblumen. „Wir waren ausgebombt und hatten nichts, es gab keine Aussteuer und auch sonst keine Mark von zuhause,“ erinnern sich Beide. Stolz „wie Oskar“ war das Paar auf sein erstes gemeinsames Heim in einer Mansarde. „Ich habe Kohlen stibitzt und gegen zwei Stühle, einen Tisch und einen Schrank eingetauscht,“ verrät der 95-jährige Jubilar schmunzelnd. Jeweils zwei Teller, Löffel und Messer gehörten seinerzeit zum Hausrat der Jungvermählten. „Als der erste Besuch kam, ist meine Frau schnell zum Schmied Kempken gelaufen, der damals Porzellan führte, um zwei Gedecke und Besteck zu kaufen“, erzählt Georg Kreischer und sagt mit einem liebevollen Blick zu seiner Gattin: „Mädchen das waren Zeiten, ne?“ In einem Trümmerhaus errichtete das Paar 1948 seine erste Drogerie und erbaute später in Eigenregie das Haus, in dem die rüstigen Senioren, die im Kirchen- und Mundartkreis sowie Mühlenverein aktiv sind, noch heute wohnen.

70 Jahre miteinander verheiratet zu sein, empfinden Georg und Magda Kreischer als Gnade. Georg Kreischer: „Wenn es Paare in heutiger Zeit bis zur silbernen Hochzeit schaffen, ist das schon eine Menge.“ Viele Paare sprächen heutzutage immer weniger miteinander. Briefeschreiben - Fehlanzeige. „Ich habe schon welche erlebt, wo ‚Sie’ aufs Tablett und ‚Er’ aufs Smartphone starrt, sagt Georg Kreischer. Das Rezept des Paares für eine glückliche Ehe: „Harmonie in allen Bereichen des Lebens, die gleiche Schwingung im Erleben, im Tun, im Handeln, ohne Spannungsfelder.“
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2 Kommentare
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Marlies Bluhm aus Düsseldorf | 05.08.2016 | 20:10  
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Marjana Križnik aus Essen-Nord | 05.08.2016 | 20:34  
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