Der Tausch, den niemand merkte

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Wer ist wer? Hier eine der nach Osnabrück umgezogenen Diana-Meerkatzen...
 
...und hier die beiden neuen weiblichen Roloway-Meerkatzen aus Heidelberg.

Das Äquatorium des Zoo Duisburg ist seit seiner Eröffnung 1962 Unterkunft für eine Vielzahl seltener und bedrohter Affenarten. Zwar wurde über die Jahre die Artenzahl reduziert, um den verbleibenden Tieren mehr Platz zu schaffen, doch blieben dabei stets die bedrohten und selten gehaltenen Arten am Kaiserberg. Zu diesen Bewohner, die ihre Refugium im Äquatorium behalten haben, gehören auch die in Westafrika heimische Diana-Meerkatzen. Oder doch nicht?

Diana-Meerkatzen gehören mit ihrem anthrazitfarbenen Körper, rostrotem Rücken, weißer Unterseite und weiß eingerahmten, schwarzen Gesicht zu den farbefrohesten Arten der Gattung der Eigentlichen Meerkatzen (Cercopithecus). Eigentlich ein unverwechselbares Erscheinungsbild, sollte man meinen. Und so dürfte es kaum einem Besucher aufgefallen sein, dass, nach einer kurzen Abwesenheit der Tiere im November, in der Meerkatzenhalle des Äquatoriums nicht mehr Diana-Meerkatzen, sondern Roloway-Meerkatzen zu beobachten sind.

Zum Verwechseln ähnlich


Die Ähnlichkeit kommt nicht von Ungefähr. Diana Meerkatze (Cercopithecus diana) und Roloway-Meerkatze (C. roloway) sind so nah verwandt, dass sie lange Zeit sogar für zwei Unterarten der gleichen Art gehalten und in der zoologischen Systematik als C. diana diana und C. diana roloway geführt wurden. Erst neuere genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass es sich um zwei Arten handeln könnte.
Äußerlich unterscheidet sich die Roloway-Meerkatze lediglich durch einen längeren Kinnbart.

Affen auf dem Teller


Beide Arten sind in den Küstenregenwälder Westafrikas zuhause, die Diana-Meerkatze von Sierra Leone bis zur Elfenbeinküste, die Roloway-Meerkatze daran anschließend in einem kleinen Gebiet an der Elfenbeinküste und in Ghana. Sie sind gleichermaßen bedroht durch ein zunehmendes Eindrigen des Menschen in ihrem Lebensraum sowie durch direkte Bejagung für "Bush Meat" - ungeachtet der Ansteckungsgefahr u.a. mit Ebola durch den Verzehr von Affenfleisch. Die IUCN stuft die Diana-Meerkatzen als VULNURABLE (gefährdet), die Roloway-Meerkatze aufgrund des kleineren Verbreitungsgebietes sogar als ENDAGERED (bedroht) ein.

Bedrohte Arten Westafrikas


Aktuell ist der Zoo Duisburg erst der dritte Halter von Roloway-Meerkatzen in Deutschland und einer von nur acht weiteren in Europa. Das Männchen, die beiden Weibchen und das Jungtier, die nun in Duisburg leben, stammen aus dem Tiergarten Heidelberg und waren eine der beiden dortigen Zuchtgruppen. In den Schwerpunkt Westafrikanische Regenwälder, aus dessen Vielfalt an oftmals nur dort vorkommenden (endemischen) Arten im Äquatorium auch Bärenstummelaffen (EEP-Zuchtbuchführer), Große Weißnasenmeerkatzen, Westliche Flachlandgorillas und Zwergflusspferde vertreten sind, fügt sich die neue Art hervoragend ein. Die Duisburger Diana-Meerkatzen indes haben in Osnabrück in der Afrika-Themenwelt Takamanda ein neues Zuhause gefunden.
Bei den Diana-Meerkatzen kamen in Duisburg regelmäßig Jungtiere zur Welt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Zuchterfolge sich auch bei den noch gefährdeteren Roloway-Meerkatzen fortsetzen.



Beiträge dieser Reihe:

Teil 1: Kängurus in den Bäumen
Teil 2: Wölfe der Flüsse
Teil 3: Der Tausch, den niemand merkte
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