Umweltskandal am Waldsee: Aufräumen, Tauchgänge, Tat-Recherche und Sensibilisierung nötig

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Für das Ausgraben eines zu 3/4 eingegrabenen scharfkantigen Blechfasses, welches mit Beton gefüllt ist, benötigte Graefer über einen halben Tag, zunächst wurde mit Spaten und Spitzhacke gegraben, das Herausziehen mit einem Tau zwang den Jeep auf dem losen Sandboden in die Knie. v.l. Bruno Sagurna, Gerhard Klesen, Ulrich Graefer
 
"Die benötigten schweren Arbeitsgeräte wie Bagger, Raupen und sogar Kräne können wir durch die Unwegsamkeit des Areals nicht heranschaffen," erklärt Gerhard Klesen (stellvertretender Betriebsleiter des RVR-Eigenbetriebs Ruhr Grün), wieso der Augenmerk nur auf der Beseitigung der sichtbaren Gefahrenquellen liegen kann. So wird z.B. ein 15-er Eisen-U-Profil, welches fast 35 cm schräg aus dem Wasser ragt, nicht beseitigt werden können. da der Ranger Graefer dieses nicht aus dem Seegrund herausziehen kann.
 
v.l. Ortsbesichtigung mit Ulrich Graefer (RVR-Ranger), Duisburgs Ratsherr Bruno Sagurna (umweltpolitischer Sprecher und stellv. Fraktionsvorsitzender der SPD im RVR), Gerhard Klesen (stellvertretender Betriebsleiter des RVR-Eigenbetriebs Ruhr Grün)
Duisburg: Waldsee zwischen Moers + Duisburg | Er sprach es nun zum ersten Mal öffentlich aus, was viele Leser des Wochen-Magazin Moers, Wochenanzeiger Duisburg und Lokalkompass dachten, als sie meine Berichte über die Schutt- und Schrottentsorgung am Waldsee zwischen Duisburg und Moers lasen: "Umweltskandal" hörte man mehrfach an diesem Nachmittag bei der Ortsbegehung über den Stand der Aufräumarbeiten am Waldsee aus dem Munde vom Duisburger Ratsherrn Bruno Sagurna, umweltpolitischer Sprecher und stellv. Fraktionsvorsitzender der SPD im Regionalverband Ruhr (RVR). Hier wurde im großen Stil Bauschutt, Beton, gegossene Betonelemente und Randsteine, Mauerteile, Blechfässer, Eisen- und Stahlprofile, sowie Stahltrosse in einem idyllischen Fleckchen Erde entsorgt. Wann, wie, ob offiziell oder mit zugedrückten Augen diese Untaten begannen wurden, sind unklar. Es existieren Gerüchte, dass dieses zur Verfüllung nach der gewerblichen Auskiesung geschehen sei, der zuständige RVR-Ranger Ulrich Graefer hörte von Anwohnern Schilderungen über zahlreiche abendliche Entleerungen und Säuberungen von Beton-Misch-Fahrzeugen. Nun holt sich die Natur und Fauna ihren Lebensraum zurück, zahlreiche Bürger und Hundehalter suchen hier ihre Erholung vom Alltag. Aber eine trügersiche Idylle, denn durch herausragende und freiliegende Moniereisen, Stahldrähte und Profileisen in den künstlich mit Beton vergossenen Uferhängen lauern Verletzungsgefahren für Menschen und Tiere.

Seit anderthalb Wochen säubert Ulrich Graefer die west- und nördlichen Uferlagen des Waldsees, flext die herausstehenden Eisenteile mit "Man-Power" weg und gräbt die rostigen scharfen Bleche und Eisenplatten aus. Eine schweißtreibende und mühsame Arbeit, nur ein Stromerzeugeraggregat, welches auf den Hänger seines Jeeps passt, sorgt für Hilfe. Für das Ausgraben eines zu 3/4 eingegrabenen scharfkantigen Blechfasses, welches mit Beton gefüllt ist, benötigte Graefer über einen halben Tag, zunächst wurde mit Spaten und Spitzhacke gegraben, das Herausziehen mit einem Tau zwang den Jeep auf dem losen Sandboden in die Knie. "Die benötigten schweren Arbeitsgeräte wie Bagger, Raupen und sogar Kräne können wir durch die Unwegsamkeit des Areals nicht heranschaffen," erklärt Gerhard Klesen (stellvertretender Betriebsleiter des RVR-Eigenbetriebs Ruhr Grün), wieso der Augenmerk des RVR nur auf der Beseitigung der sichtbaren Gefahrenquellen liegen kann. So wird z.B. ein 15-er Eisen-U-Profil, welches fast 35 cm schräg aus dem Wasser ragt, nicht beseitigt werden können. da der Ranger dieses nicht aus dem Seegrund herausziehen kann und keine Angriffsfläche für die Flex findet. "Die Beseitigung der offensichtlichen Gefahrenquellen werden mindestens noch die komplette nächste Woche benötigen," so Ulrich Graefer zu dem Fortgang der Aufräumarbeiten.

Zwar ist der SPD-Politiker Bruno Sagurna mit dem Engagement des RVR sehr zufrieden, er wünscht, dass auch große Mengen an Bauschutt und Betonmaterialien, die nicht in die Natur gehören, abgetragen werden. Daher wird er bei städtischen Gesellschaften anfragen, inwieweit die Arbeiten mit zusätzlichen Arbeitern und Maschinen unterstützt werden können. Auf Nachfrage, da immer wieder Gerüchte auftauchen, dass Fässer mit Giftstoffen aus der Kohlenausschwemmung, Autowracks und sogar Diebesgut auf dem Seeboden lägen, benennt Sagurna, dass er sich um Taucher bemühen wird: "Wir müssen diesen Umweltsünden sprichwörtlich auf den Grund gehen. Ich werde auch eine Anfrage an das Umweltdezernat und Stadtarchiv zur Ursachenforschung und Hintergrunddarlegung stellen." Den Vorschlag gemeinsam mit Lesern der beiden Wochenzeitungen und des Lokalkompass Naturführungen mit RVR-Förstern um den Waldsee und der Halde Rheinpreussen mit der Landmarke Geleucht anzubieten, um für die Naturerhaltung zu sensibilisieren, unterstützt Ratsherr Sagurna. So will er gemeinsam mit mir zu diesen Exkursionen einladen.

Über den Termin dieser nachmittäglichen Ortsbegehung wurden neben den beiden Oberbürger- und Bürgermeistern, Bundes- und Landtagsabgeordnete von/aus Duisburg und Moers, alle verantwortlichen Dezernate, so wie alle Ratsfraktionen in Kenntnis gesetzt und um eine Stellungnahme zu den bisherigen Erkenntnissen über die Gefahren an den bisher 4 betroffenen Seen (6-Seen-Platte, Toepper-und Waldsee, Uettelsheimer See) gebeten. Auch stellt sich die Frage, ob nicht noch mehr Gewässer am Niederrhein durch solche Umweltsünden betroffen sind. Man sah Herrn Sagurna sichtlich die Enttäuschung an, dass er das einzige Ratsmitglied aus den beiden Städten war, der aus Sorge um Mensch, Tier, Natur und Fauna an dieser Ortsbegehung teilnahm. Sein Satz zuvor "Sören bat mich dringend um Teilnahme, da er verhindert ist" belegt eindeutig, dass Duisburgs OB Sören Link, die Geschehnisse und neuen Fakten interessiert verfolgt.

Noch am gleichen Abend schrieb Herr Sagurna per Mail:

"Sehr geehrter Herr Voigt,

danke für die Einladung zum Waldsee, an dem ich bis zum heutigen Tage noch nicht gewesen bin, so lernt man auch als Kommunalpolitiker wieder neue Orte kennen.

Was ich dort heute in Augenschein nehmen durfte, macht mich doch sehr betroffen, von diesem dort abgelagerten Bauschutt und Metallschrott geht eine sehr große Gefährdung für die Menschen und Tiere aus. Vor diesen existierenden Gefahrenquellen am Ufer oder auch im See darf man die Augen nicht verschließen. Der Regionalverband und die angrenzenden Kommunen müssen das von dort ausgehende Gefahrenpotenzial minimieren. Werde das in den entsprechenden Gremien beim Regionalverband sowie bei der Stadt Duisburg thematisieren und sie zum Handeln auffordern. ... "




Stimmen zur Ortsbesichtigung am Waldsee
http://www.lokalkompass.de/duisburg/natur/stimmen-...

Randnotiz zur Ortsbesichtigung Waldsee: Ranger spielt mit Bonni
http://www.lokalkompass.de/duisburg/leute/randnoti...

RVR säubert Waldsee nach LK-Hinweis - Warnung vor Bränden durch Glasscherben
http://www.lokalkompass.de/duisburg/ratgeber/rvr-s...

Bauschutt und Schrott in Seen: Erste Reaktionen - RVR wird Waldsee säubern
http://www.lokalkompass.de/duisburg/ratgeber/bausc...

Gefahr auch im/am Waldsee? Entsorgte hier eine Betonfabrik?
http://www.lokalkompass.de/duisburg/ratgeber/gefah...


siehe auch die Berichte von Harald Landgraf:

Wer hier reinspringt wird aufgespießt! Duisburger Seen werden vom Schrott befreit
http://www.lokalkompass.de/duisburg/ratgeber/wer-h...

Wahre Bilder der DLRG sind Beweise für Gefahren unter Wasser
http://www.lokalkompass.de/duisburg/ratgeber/wahre...
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3 Kommentare
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Willi (Wilfried) Proboll aus Kamp-Lintfort | 11.08.2012 | 21:43  
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Christian Voigt aus Moers | 12.08.2012 | 14:29  
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Elke Fritzen aus Duisburg | 12.08.2012 | 21:27  
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