Wie können die Erde schützen, jeder von uns. Last uns auch im Namen unserer Kinder damit beginnen.

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Wir, das heißt, die, die ein industrialisiertes Land mit einer Konsum- und Wegwerfkultur bewohnen, haben eine sehr große Bandbreite an Möglichkeiten, unseren schädlichen Einfluss auf unseren Planeten gering zu halten. Unser schädlicher Einfluss erstreckt sich dabei auf drei Teilgebiete: Energieverbrauch, (sonstiger) Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung.

In diesen drei Teilgebieten kann man noch einmal zwischen direktem und indirektem Einfluss unterscheiden. Die Lichtquelle, die ich mir abends anmache, verbraucht direkt Energie, zählt also zu den direkten Einflüssen. Den Tee, den ich dazu trinke, hat in seiner Produktion Energie gekostet. Damit ist nicht lediglich die Energie gemeint, die ich benötigt habe, um das Wasser auf die nötige Temperatur zu erhitzen – das würde wieder zu den direkten Einflüssen zählen – sondern auch die Energie, die auf der Teeplantage aufgewandt wurde, um die Pflanzen bis zur Ernte heranzuziehen, zu ernten und weiterzuverarbeiten. Außerdem kommt noch die Energie hinzu, die nötig war, den Tee zu verpacken, zu verladen, zu verschiffen… Wenn man im Geiste die einzelnen Stationen dieser Tasse Tee von der Aussaat bis in den Aufguss durchgeht, so findet man zahlreiche Gelegenheiten, an denen Energie aufgewandt wurde, damit ich in diesem Moment diese Tasse Tee trinken kann. Solche Energie, für die ich nur indirekt durch den Kauf des Tees verantwortlich bin, zählt zu den indirekten


Ich kann hierbei zum Teil meinen direkten Einfluss auf Andere übertragen. Indem ich eine Kerze anmache, anstatt Strom zu verbrauchen, übertrage ich die Auswirkungen meines Handelns, Licht zu machen, auf den Kerzenhersteller. Denn das Licht dieser Kerze stammt von der im Wachs oder Paraffin gespeicherten Energie. Hier liegt der ganze Energieverbrauch, der bis zur Nutzung der Kerze notwendig war, in der Herstellungs- und Lieferkette der Kerze. In der Wirtschaft spricht man hierbei von „Externalisierung“. Das Gleiche passiert übrigens, wenn Firmen ihren schädlichen Einfluss auf die Allgemeinheit abwälzen. Die schädlichen Auswirkungen, die ein Logistikunternehmen hat (Lärm, Abgase), gleicht das Unternehmen lediglich über Steuern aus. Es beteiligt sich in aller Regel aber nicht an der Finanzierung von Lärmschutzmaßnahmen an Autobahnen oder Wiederaufforstungsprojekten.

Deshalb können wir nicht nur etwas für die Umwelt tun, indem wir selber unseren Energie- und Ressourcenverbrauch nach Möglichkeit minimieren und Müll, wo es nur geht, vermeiden (direkter Einfluss), sondern auch, indem wir darauf achten, welchen Einfluss wir durch unser Konsumverhalten auf die Umwelt nehmen (indirekter Einfluss). Man sollte sich jedoch nicht verzetteln. Maßgeblich ist nicht, die Energiebilanzen unterschiedlicher Herstellungsmethoden, Transportwege (Importware oder regional), Verpackungen (lose oder bereits verpackt) und Lagerungszeiten (deutsche Äpfel im Frühling gibt es nur mit energieintensiven Kühlhäusern) exakt gegeneinander aufzurechnen – das wäre reichlich unpraktisch – sondern sich bewusst zu machen, dass es diese vier Dimensionen gibt. Mit Hilfe dieser vier Dimensionen und einem gesunden Bauchgefühl lässt sich eine bessere Entscheidung

Aber nicht nur eine informierte und bewusste Entscheidung für das umweltbilanziell bessere Produkt helfen unserer Erde, sondern auch eine bewusste Entscheidung gegen bestimmte Produkte. Dazu zählt der Verzicht auf Lebensmittel, die besonders energie- und ressourcenaufwendig in der Herstellung sind (wie z.B. tierische Produkte) oder sehr viel Müll produzieren (z.B. Kaffeemaschinen mit Kapselsystem), aber beispielsweise auch der Verzicht darauf, sich jedes Jahr ein neues Mobiltelefon zuzulegen, weil es der eigene Vertrag gerade zulässt, oder kurze Strecken mit dem Auto zu fahren. Es geht darum, Konsum zu vermeiden, wo er nicht notwendig ist. Das ist in unserer Gesellschaft ganz besonders schwierig, da sie auf einen möglichst hohen Konsum ausgerichtet ist. Nicht umsonst wird eine Konsumflaute in den Nachrichten wie eine Hiobsbotschaft angekündigt.

Fakt ist, dass der Durchschnittsdeutsche über deutlich mehr Gegenstände verfügt, als er tatsächlich benötigt. Die meisten dieser Gegenstände wird er im Alltag selten bis gar nicht verwenden, viele hatte er sich als Luxusgegenstände zugelegt, von denen er der Meinung war, sie stünden ihm gut zu Gesicht. Wie viel man tatsächlich besitzt und wie wenig man davon benötigt, wird einem meist erst klar, wenn man sich die Mühe einer Vollinventur macht. Aber auch ohne eine solche Vollinventur lohnt die Frage „brauche ich das wirklich?“, bevor man sich zum Kauf eines Produktes unterscheidet.

Ist die Entscheidung gefallen, dass man ein bestimmtes Produkt benötigt, so kann man ein Vielfaches an Umweltbelastungen einsparen, wenn man sich umsieht, ob es jemanden gibt, der das gewünschte Produkt nicht mehr benötigt. Den Herstellern wäre es deutlich lieber, wir würden jedes Mal ein neues Produkt kaufen. Oft kommen wir diesem Wunsch sehr schnell nach. Dabei verbrauchen wir aber direkt doppelt Energie und Ressourcen. Erstens, weil wir ein Neugerät kaufen und zweitens, weil deshalb möglicherweise ein noch tadellos funktionsfähiges Altgerät an anderer Stelle entsorgt werden muss.

Neben dem bewussten (Nicht-)Konsum gibt es aber selbstverständlich noch das weite Feld der direkten Einflüsse, die wir regulieren können. Da wäre das weite Feld des Stromverbrauchs. Hier stellen sich eine Reihe von Fragen: Wie beleuchten wir unser Heim? Wie lange? In welchen Räumen? Wie hell muss eine Lampe sein? Kann ich Tageslicht noch besser nutzen? Welche elektronischen Geräte müssen wirklich dauerhaft ans Stromnetz angeschlossen sein und wo kann ich sinnvoll schaltbare Steckdosen(-leisten) einsetzen? Gibt es Geräte, die besonders viel Strom verbrauchen und sich durch ein effizienteres Gerät ersetzen ließen? Brauche ich unbedingt einen Wäschetrockner? Kommt für mich eine Solaranlage auf dem Dach in Frage? Nutze ich bereits Ökostrom?

Auch im Bereich der Mobilität kann man sich einige Fragen stellen. Grundsätzlich gilt es, Autofahrten, insbesondere allein, zu vermeiden, wo es nur möglich ist. Alternativen stehen, gerade in Deutschland, viele zur Verfügung: Öffentliche Verkehrsmittel nutzen, Fahrgemeinschaften bilden, Mitfahrgelegenheiten nutzen oder einfach mal zu Fuß gehen.


Neben dem Auto ist es die Heizung, mit der wir ganz besonders stark unserer Umwelt schaden. Aber auch hier kann man mit einfachen Mitteln viel erreichen. Vor nicht allzu langer Zeit war es für breite Bevölkerungsschichten noch vollkommen normal, (fast) gar nicht zu heizen, sondern sich auch drinnen möglichst warm anzuziehen. Das kommt uns heutzutage freilich reichlich unkomfortabel vor. Aber auch, wenn man Heizungsthermostate verbaut und nur sehr selektiv heizt – nur in den Räumen, in denen man sich aufhält und nur so warm, wie notwendig – kann man bereits viel erreichen. Hier hilft es auch, kleine Räume zu haben, die sich energieeffizienter heizen lassen. Übrigens gibt es nicht nur Öko-Strom- sondern auch Gasverträge, die an eine ökologische Kompensierung gekoppelt sind.

Solche kleinen Maßnahmen sind aber kein Vergleich zu den Einsparungen, die sich mit einer modernen Wärmedämmung, Dreifachverglasung und einer gut gewarteten Heizungsanlage der neueren Generation erreichen lassen. Auch mit ökologischen Materialien wie Strohballen lassen sich kostengünstig sehr gute Wärmedämmeigenschaften erreichen. Darüber hinaus ist Stroh vollkommen frei von Schadstoffen. Sogar Häuser auf Passivhaus-Niveau lassen sich in Strohballenbauweise errichten. Ein solches Haus wird im Idealfall allein von der Sonneneinstrahlung und der Abstrahlungswärme der Bewohner und elektrischer Geräte geheizt.

Wir sind in der komfortablen Position, dass wir in aller Regel nicht zu Gesicht bekommen, was unser Lebensstil dem Planeten und anderen Menschen in anderen Regionen der Erde zumutet. Deshalb nimm Dir etwas Zeit und denke über folgende Fragen nach: Wie viel Platz würde ich benötigen, wenn ich meine gesamten Lebensmitteleinkäufe selbst produzieren wollte? Wie viele Bäume werden nur für mich jedes Jahr gefällt? Wie viele Bäume müsste ich pflanzen, um die von mir verursachten Klimagase (Heizen, Fortbewegung, Konsumverhalten) zu kompensieren?

Die Umweltschäden, für die wir als Westeuropäer verantwortlich sind, sind immens. Die meisten negativen Auswirkungen unseres dekadenten Lebensstils haben wir dabei in andere Bereiche der Welt ausgelagert, so dass wir uns ihrer kaum noch bewusst sind. Während die Wunden, die der Natur hierzulande in der Mitte des letzten Jahrhunderts geschlagen wurden, langsam verheilen, werden an anderer Stelle Böden vergiftet, Wälder abgeholzt, Arten ausgerottet und Gletscher abgeschmolzen. Wir tragen durch unsere Lebensweise dazu bei. Das bedeutet auch, dass wir durch Ändern unseres Lebensstils hier etwas bewirken können und bewirken sollten. Jeder von uns. Jetzt.


Die Zukunft liegt in unserer Hand!

Helmut Achterath
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