Antwort auf Frevel an einem Stolperstein - Realschule Fahrn gedenkt mit Walsumern "für Gegenwart und Zukunft"

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Im Schutz der Dunkelheit dürfte es gewesen sein: Unbekannte brechen an der Walsumer Hubbrücke einen im Bürgersteigpflaster verlegten Stolperstein heraus und werfen ihn die Hafenböschung hinab. Und das an einem geschichtsträchtigen Datum: In der Nacht vom 31.August auf den 1.September 2014.

Auf den Tag genau 75 Jahre zuvor nämlich überfiel Nazideutschland das Nachbarland Polen und entfachte damit den größten Weltenbrand, der jemals von Menschenhand über die Erde gebracht wurde. So liegt der Verdacht einer politisch motivierten Tat nahe. Glücklicherweise erreichte der Stolperstein nicht das Wasser des Walsumer Nordhafens und konnte deshalb wiedergefunden werden.

Den Stolperstein hatte die Realschule Fahrn im Jahr 2005 in Zusammenarbeit mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig im Gedenken an den Sozialdemokraten Jaring Woudstra verlegt, der am 15.August 1943 von den Nazis enthauptet wurde.

Den Frevel an dem Stolperstein - ein Novum übrigens in der Stadt Duisburg - wollten die Verantwortlichen der Realschule Fahrn schnellstens vergessen machen, ließen den arg ramponierten Stein instandsetzen und wieder einsetzen, wozu sich die ortsansässige Firma "Natursteine Kleinfeld" unentgeltlich bereit erklärt hatte.

Die Wiedereinsetzung des Stolpersteins fand jetzt in den Herbstferien im Rahmen einer Gedenkfeier statt, zu der Schüler und Lehrer der Realschule Fahrn, aber auch Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche, des Jugendrings der Stadt Duisburg, der Walsumer Initiative "Erinnern gegen Rechts" und interessierte Walsumer Bürger den Weg gefunden hatten.

Gedenken sei nicht nur rückwärts gerichtet, war zu hören. Wenn daran erinnert würde, wohin Verfolgung führen kann, werde für gegenwärtige und zukünftige Probleme sensibilisiert. Die hässlichste Fratze der Verfolgung zeige sich derzeit im Nahen Osten, wo die Mörderbanden der IS-Terrormilizen ihr Unwesen trieben. Die dort Verfolgten suchten Sicherheit im Asyl, und das auch in Deutschland, auch in NRW, auch in Duisburg. Den Flüchtlingen sollten wir, solange in deren Heimat keine Ruhe eingekehrt sei, eine sichere Bleibe ermöglichen. Eine deutliche Botschaft an alle Duisburger.

Schüler trugen den Traum vom Frieden vor. Auf Bob Dylans "Blowing in the wind" intonierte die Gemeinschaft, die sich an der Hubbrücke eingefunden hatte, eine auf die aktuelle Situation bezogene Strophe:
"Wie viele Menschen leben in Angst, verfolgt in der heutigen Zeit?
Wie viele Hoffnungen ruhen auf uns, zu geben ihnen Sicherheit?
Wie viele Irrwege braucht noch der Mensch, zu sehen den richtigen Weg?"

Mit dem Abschlusslied brachte man die Hoffnung für alle Verfolgten, aber auch die Aufforderung zu einer Haltung menschlicher Solidarität zum Ausdruck: "We shall overcome".
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