Aufnahme von Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten sowie Enttabuisierung der Perspektive Zeltlager - Beispiel Duisburg

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Die Zuwanderung von Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten reißt nicht ab. Der Höhepunkt dieser Welle ist noch nicht abzusehen. Die Kommunen ächzen unter ihrer Unterbringungspflicht, die auf immer knapper werdende Ressourcen trifft.

Eine dieser Kommunen ist Duisburg mit seinen finanziell stark eingeschränkten Möglichkeiten. Derzeit betreut die Stadt ca. 2800 Asylsuchende.

In die überregionalen Schlagzeilen geriet die Stadt vor einem Jahr, im Sommer 2014, als sie das DRK ein Zeltlager auf einem ausrangierten Ascheplatz des Fußballvereins Walsum 09 im Duisburger Norden errichten ließ. Ohne Boden standen die Zelte nach den ersten Regenfälle schon bald auf matschigem Untergrund. Der zuständige Sozialdezernent Reinhold Spaniel geriet in die Schusslinie der Medien und der Bevölkerung, während der Oberbürgermeister Sören Link geflissentlich abzutauchen schien. Es sei ihm nichts anderes übrig geblieben, so der Sozialdezernent, zumal von Kirchen und Verbänden keine nennenswerte Unterstützung in Sachen Bereitstellung von Unterkünften gekommen sei. Inzwischen, ein Jahr später, hat sich das grundlegend geändert.

Und das damalige Zeltlager konnte nach wenigen Monaten ungenutzt wieder abgebaut werden. Hundert Meter entfernt wurde ein Asylbewerberheim wieder neu aufgebaut, nachdem sich die Baugenehmigung über viele Monate hingezogen hatte, was in der Bevölkerung auf Unverständnis gestoßen war. Das Heim wurde im Frühjahr 2015 von 90 Asylbewerbern bezogen.

Die 2800 derzeit zu betreuenden Asylbewerber sind etwa zur Hälfte in Wohnungen und zur anderen Hälfte in Sammelunterkünften untergebracht, so in einer alten Jugendherberge, in alten Schulgebäuden und in Sporthallen. Daneben konnte im Stadtteil Neumühl das aufgegebene St.-Barbara-Hospital in eine Aufnahmestelle des Landes NRW umgewandelt werden. Dort steht eine Aufstockung um einige hundert Betten bevor. Die meisten Asylsuchenden, so die Stadt, seien allerdings im Stadtbezirk Mitte untergebracht.

Der Druck auf Duisburg steigt unterdessen weiter, die Stadt rechnet bis zum Jahresende 2015 mit annähernd 5000 zu betreuenden Asylbewerbern. Aber wohin mit ihnen? Die Kapazitäten scheinen erschöpft.

Ende August wird eine Turnhalle in Walsum-Vierlinden mit 70 Asylsuchenden belegt. Anscheinend ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn nun hat sich die Stadt doch zu einem Zeltlager, diesmal für 300 Menschen, entschieden, das in diesen Tagen in Walsum-Aldenrade errichtet wird, nun aber auf festem Untergrund. Jedes Zelt bekommt außerdem einen festen Boden. Eine Übergangslösung bis zur kalten Jahreszeit, wie die Stadt verlautbart. Angesichts der Not an geeigneten weiteren Unterkünften können allerdings Zweifel am Übergangscharakter angemeldet werden. Woher sollen auf die Schnelle feste Unterkünfte für etwa 2000 Menschen herkommen? Die Antwort bleibt die Stadt bislang schuldig. Ist nicht eher zu vermuten, dass es nicht bei einem Zeltlager bleiben wird und diese für wesentlich länger als einige Monate genutzt werden?

Keine einfache Aufgabe für die Stadt. Es wird immer enger.
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2 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 16.08.2015 | 13:58  
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