Ausbeuterische Arbeitsbedingungen bei Grabsteinen ausschließen

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Dietmar Schäfers, Stellvertretender Bundesvorsitzender IG BAU (Foto: IG BAU Paul Schimweg)

Gemeinsame Presseerklärung der IG Bauen-Agrar-Umwelt und des Vereins XertifiX


Hannover/Frankfurt am Main, 10.06.2016
Anlässlich des Tags gegen Kinderarbeit machen XertifiX und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) auf die fortwährenden Missstände in der indischen Grabstein-Industrie aufmerksam: Eine investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung im Dezember 2015 hat gezeigt, dass noch immer Kinder in indischen (Grab-)Steinbrüchen arbeiten müssen (SZ Magazin 09/2016).

Sie sind dort nicht nur ohne jegliche Schutzausrüstung an gesundheitsgefährdenden Arbeitsplätzen eingesetzt, sondern besuchen eben auch keine Schule.

"Kinder brauchen Bildung. Nur dann haben sie eine Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich aus der Armutsfalle zu befreien. Wir dürfen deshalb keine Strukturen unterstützen, in denen Kinder als Billiglöhner missbraucht werden", sagt der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers. Ohne gute Bildung verbleibt auch die nächste Generation in Armut. „Wer durch Importe solcher Natursteine Gewinn erwirtschaftet, macht sich am Schicksal und der Gefährdung dieser Kinder mit schuldig“, so die Vorsitzende von XertifiX, Ingrid Sehrbrock. Kinderarbeit bedeutet in diesem Fall kein „notwendiges Zubrot“ für Familien in Armut – wie es manchmal zu hören ist -, sondern die gesundheitliche Schädigung von Kindern und die Perpetuierung von Armut in jeder Generation!

Dieser Umstand wiegt umso schwerer, als die Grabstein-Importindustrie in den letzten Jahren wiederholt hat, dass es solche Missstände in Indien gar nicht geben könne. Der Vorwurf der Kinderarbeit bei der Herstellung indischer Grabsteine sei eine haltlose Unterstellung, die dem Export schade. Da passt es, dass sich die Grabstein-Importindustrie ein Zertifikat vorlegt, das den indisch-deutschen Export fördern soll. Weil es angeblich keine Kinderarbeit gibt, kann ein „Zertifikat gegen Kinderarbeit“ ohne Mühe erbracht werden und dient doch nur der Beseitigung von Hürden für den Verkauf indischer Grabsteine. VerbraucherInnen sind daher aufgefordert, grundsätzlich die Herkunft eines Zertifikats gegen Kinderarbeit genau zu überprüfen (zum Beispiel unter: www.label-online.de).

Darüber hinaus muss es um viel mehr gehen als um Kinderarbeit. Die Arbeitsbedingungen in vielen indischen (Grab)-Steinbrüchen und bei Naturstein-Verarbeitern sind teils katastrophal: Auch die erwachsenen ArbeiterInnen nutzen häufig keinerlei Schutzausrüstung, sie arbeiten an gesundheitsgefährdenden Arbeitsplätzen, kennen ihre Rechte nicht, werden ausbeuterischen Arbeitszeiten ausgesetzt oder kämpfen gegen unfaire Entlohnung, die weit entfernt ist von einer existenzsichernden Bezahlung. Unter diesen Bedingungen sind immer auch die ErnährerInnen der Familien gefährdet. Wer durch Unfälle teilweise oder ganz ausfällt, erhöht das Armutsrisiko der Familie und gefährdet entsprechend die Chancen der Kinder.

XertifiX weist seit Jahren auf diese Missstände hin und arbeitet gemeinsam mit Importeuren an den Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in Steinbrüchen und bei Verarbeitern und verhindert auch auf diese Weise Kinderarbeit. VerbraucherInnen einerseits und städtische und kirchliche Friedhöfe andererseits sollten entsprechend Wert legen auf Grabsteine, die unter anständigen Bedingungen und ohne Kinderarbeit hergestellt wurden, Nachfragen hilft schon.

Weitergabe Presseinfo der IG Bauen-Agrar-Umwelt
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