Ausbildung in Zeiten der Digitalisierung aktiv gestalten

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Dietmar Schäfers, Stellvertretender Bundesvorsitzender IG BAU (Foto: IG BAU Paul Schimweg)

Berufsbildungspolitische Tagung der IG BAU

Würzburg, 04.11.2017
Wie geht es weiter mit der Berufsausbildung in Zeiten der Digitalisierung? Diese Frage stand im Mittelpunkt der diesjährigen Berufsbildungspolitischen Tagung der IG BAU vom 3. bis 4. November 2017 in Würzburg. „Die Arbeit 4.0 entwickelt eine immense Bedeutung für die Ausbildung in Berufsschulen. Grundlage der dort vermittelten Lerninhalte sind die Ausbildungsordnungen und die müssen den kommenden Anforderungen gewachsen sein“, sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers.

„Wir haben aus den Erfahrungen mit dem technischen Wandel in den 1980er Jahren gelernt. Damals kamen die PCs auf. Viel zu lange wollten Gewerkschaften diesen Prozess aufhalten und haben am Ende gesehen: Das geht nicht. Wir müssen deshalb die Chancen, die die Digitalisierung für die Beschäftigten auch bietet, nutzen und den Umformungsprozess aktiv mitgestalten.“

Eine oft behauptete These in der Diskussion um die Digitalisierung ist, dass Arbeit für Menschen künftig in großem Umfang wegfällt. Diesem Pessimismus widersprach Enzo Weber, Professor am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Gleichzeitig warnte der Experte aber davor, die Veränderungen zu unterschätzen. „Es ist keine harmlose Entwicklung“, sagte Weber.

„Eine steigende Arbeitsproduktivität heißt, dass Jobs ersetzt werden. Aber in der Gesamtwirkung werden an anderer Stelle neue Jobs entstehen“, fasste er seine Forschungsergebnisse zusammen. Auffällig sei im Vergleich zum letzten großen Innovationszyklus, dass nicht mehr nur einfache Tätigkeiten von Maschinen ersetzt werden. Vielmehr seien mit der Digitalisierung alle Routinearbeiten gut ersetzbar. Das heißt, die Veränderung erreicht diesmal auch ausgebildete Fachkräfte und damit die gesellschaftliche Mitte.

Für die Ausbildungsberufe folgt daraus: Sie müssen flexibler werden. Professor Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), stellte fest: „Entscheidend ist, dass wir die Bildung der Menschen so flexibel weiter entwickeln, dass sie in der Lage sind, die jeweiligen Veränderungen nachzuvollziehen.“

Voraussetzung dafür sind moderne Berufsbilder. Sie müssen nach Meinung des BIBB-Präsidenten „zukunftsoffen“ gefasst sein. Es gehe nicht darum, alles zu ändern, aber es bedarf einer Formulierung, die Bandbreiten eröffnet. Ziel müsse es sein, nicht bei jeder Veränderung das Berufsbild neu ausgestalten zu müssen.

Weitergabe Presseinfo der IG Bauen-Agrar-Umwelt
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