Bundespräsident Steinmeier zu Gast in Marxloh - "Ein solcher Besuch ist immer wichtig"

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Natürlich trug sich das Staatsoberhaupt auch in das Goldene Buch der Stadt ein.
 
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender informierten sich über die Situation in Marxloh. Fotos: Frank Preuß
Duisburg: Marxloh |

Die gute Laune von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ersetzte – zumindest teilweise – beim heutigen Marxloh-Besuch die fehlenden Sonnenstrahlen. Seine Gattin Elke Büdenbender stimmte sogar lautstark in den Gesang der Schülerinnen und Schüler in der Grundschule an der Henriettenstraße ein.

Die hatten weder Ehrfurcht noch Berührungsängste – über Ängste wurde später an anderer Stelle gesprochen – und plauderten munter mit dem „Chef von Deutschland“, wie Steinmeier von einem der eifrigen Sänger angesprochen wurde. „Ich habe extra für Dich eine Woche lang das Trommeln geübt“, sprudelte es aus dem elfjährigen Vladimir hervor, der gemeinsam mit seinen Mitschülern Junus, Josif, Rafael und Alfred das Staatsoberhaupt auf dem Schulhof begrüßte. „Das habt ihr toll gemacht“, lobte die Präsidentengattin.

Nach dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt erfolgte der Startschuss für den „eigentlichen“ Besuchsgrund. Der Kritik, dass ausgerechnet Marxloh als Duisburger Besuchsort gewählt wurde, entgegnete Steinmeier, dass er ja schon mehrmals in „dieser pulsierenden, bunten und lebendigen Stadt“ gewesen sei, und natürlich wisse, dass es hier nicht nur Probleme, sondern eine Menge „Schönes und Vorzeigbares gibt.“

Probleme sind dazu da, gelöst zu werden

„Aber heute will ich auch etwas von dem erfahren, was Probleme in der Kommune bereitet und wie man die Lösungen angeht.“ Oberbürgermeister Sören Link sprach sie in Bezug auf Marxloh ungeschönt an. Schrottimmobilien, Schwierigkeiten bei der Integration von Zuwanderern aus Osteuropa oder Bildungsdefizite waren einige Stichpunkte.

Die Aufgaben der Task Force Schrottimmobilien interessierten den Bundespräsidenten sehr, was gezielte Nachfragen unter Beweis stellten. Dr. Daniela Lesmeister, frühere Duisburger Rechts- und Ordnungsdezernentin, und heutige Polizeichefin in NRW, begründete die konsequente Linie der Stadt, die längst bundesweit Schule gemacht hätte. Steinmeier nickt.

So sauber war es schon lange nicht mehr

„Es sollte öfter mal ein Staatsgast kommen, denn so sauber war es hier schon lange nicht mehr“, sagt Ibrahim, der vor vielen Jahren ein Haus auf der Henriettenstraße gekauft hat, direkt gegenüber einer Schrottimmobilie. „Ich finde es gut, dass die Stadt da alles dicht gemacht hat“, sagt er, der seit 40 Jahren in Duisburg lebt. Vor fünf Jahren hätte er sein Haus hier noch, wenn er gewollt hätte, für 350.000 Euro verkaufen können, heute seien etwas mehr als 100.000 Euro dass höchste Gebot. Aber er wolle ja ohnehin bleiben und hofft, dass die Stadt die Situation vollends „in Griff kriegt.“

Beim Rundgang über die Kaiser-Wilhelm-Straße gab es Transparente und lautstarke Rufe von Kurden, die auf ihre Lage hinwiesen. Steinmeier, lange Jahre Außenminister, runzelt die Stirn: „Auch das ist Realität“. Um die ging es auch, als sich Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender bei Tercan Köccük in seinem Geschäft Melisam Gelinlik Brautmoden über die Situation des Einzelhandels vor Ort informierten. Durch die Brautmodenmeile sei Marxloh fast europaweit bekannt geworden, und diesmal in positivem Sinne, so der Geschäftsmann zum Bundespräsidenten.

Ein solcher Besuch macht immer Sinn

Nach gut zwei Stunden in Marxloh ging es für Steinmeier und seine Frau bereits weiter nach Dortmund. „Ein solcher Besuch ist immer zeitlich eingeschränkt, aber es gibt genug Ansätze für weitere intensive und inhaltliche Gespräche und konkrete Schlussfolgerungen daraus, an denen die Stadt, das Land und der Bund gemeinsam beteiligt sind.“

Der ebenfalls beim Bundespräsidentenbesuch“ anwesende stellvertretende NRW-Ministerpräsident und Landesminister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Dr. Joachim Stamp, betonte gegenüber dem Wochen-Anzeiger, dass gerade heute kurze Gespräche mit Passanten und längere Informationen durch das Lehrerkollegium und die EG DU in konkrete Maßnahmen einfließen würden. „Ein solcher Besuch macht immer Sinn, man muss ihn nur zu nutzen wissen, Schlussfolgerungen daraus ziehen und sie gemeinsam umsetzen“, meint OB Sören Link. 

Es gab eine Festnahme am Rande

Am Rande des Bundespräsidentenbesuches gab es eine Festnahme, als ein Mann lautstark Schmährufe und offensichtliche Beleidigungen in Richtung Staatsoberhaupt rief.

Weitere Fotos zum Besuch des Bundespräsidenten finden Sie hier

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