Demo gegen Schließung der Realschule Fahrn

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Für jede der 124 Neuanmeldungen ein Schild: Mit einem Flashmob demonstrierten die Mädchen und Jungen gegen die Schließung ihrer Schule.
  Alle Fotos: Hannes Kirchner

Gedränge herrscht am Donnerstagnachmittag vor der Sitzung des Schulausschusses auf dem Burgplatz. Lehrer, Schüler und Eltern der Walsumer Realschule Fahrn fordern mit Transparenten den Erhalt der Schule, die die Stadt zugunsten der sogenannten Sekundarschule auflösen möchte.

Unter den Demonstranten ist auch Dirk Sprenzyna, Elternpflegschaftsvorsitzender und Sprecher der Initiative für den Erhalt der Schule. Sein Sohn besucht die siebte Klasse.

Als es im Hause Sprenzyna um die Frage ging, auf welche weiterführende Schule der Sohn gehen solle, fiel die Wahl sehr bewusst auf die Realschule Fahrn: „Diese Schule bietet seit Jahren, was andere Schulen gerne leisten würden. Hier sind individuelle Förderung, Integration und Gemeinschaftssinn keine leeren Floskeln, sondern werden mit Leben gefüllt.“

Besonders das Thema Integration liegt Sprenzyna am Herzen. Das sei durch die Nähe der Schule zu Marxloh bedingt, erklärt er: „Wir haben an der Realschule Fahrn einen Migrantenanteil von 30 Prozent. Die Tatsache, dass es hier trotzdem klappt, ist das Ergebnis jahrelanger, kontinuierlicher Arbeit. Das darf man nicht einfach kaputt machen.“

Die Anmeldezahlen fürs kommende Schuljahr geben seinen Worten Recht. 124 Kinder wollen zur Realschule Fahrn. Damit wäre der Jahrgang fünfzügig. Doch die Stadt pocht auf ihre Verpflichtung zur Umsetzung des Schulkonsens‘. Ein Argument, das Lehrer Helmut Feldhaus nicht gelten lassen will: „Wir sind ja nicht gegen die Sekundarschule. Nirgendwo steht aber, dass die Sekundarschule gut funktionierende andere Schulformen ersetzen soll. Wir verlangen, dass die Verantwortlichen genauer hinschauen, ihre Entscheidung noch einmal auf den Prüfstand stellen.“

Wenn ihre Schule schließen würde, wären sie sehr traurig. Deswegen haben sich heute auch einige Mädchen aus der achten Klasse eingefunden, um sich für den Erhalt stark zu machen. „Wir finden es da einfach gut. Die Lehrer sind nett, wir haben Streitschlich­ter und Tutoren, die in den Hauptfächern helfen, wenn‘s nötig ist. Es ist eine tolle Gemeinschaft. Das soll so bleiben“, finden sie.

Schulleiter Herbert Louis nickt zustimmend. Eigentlich wollte er sich bereits im vergangenen Jahr in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen, schließlich konnten seine Kollegen den 65-Jährigen doch noch zur „Verlängerung“ überreden. Er schmunzelt: „Wir stehen eben wie aus einem Guss da.“

Hintergrund

Als Schulkonsens wird in NRW der schulpolitische Kompromiss bezeichnet, mit dem ein jahrzehntelanger Streit um die Schulstruktur beendet wurde. Im Ergebnis verzichtete die Koalition auf die Einführung der Gemeinschaftsschule, während die CDU einwilligte, die „Hauptschulgarantie“ in der Landesverfassung aufzuheben. Als neue zusätzliche Schulform der Sekundarstufe I wurde die Sekundarschule verabredet.
Wegen des laut Verwaltungsvorlage „erhöhten Planungs- und Prüfungs
bedarfs“ soll die Gründung der Sekundarschule Walsum erst zum Schul-
jahr 2015/2016 erfolgen.
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