DGB zum Ausbildungsmarkt: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich stark belastet

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Niederrhein: Heute ist der landesweite Ausbildungsreport 2016 der DGB Jugend NRW erschienen und die darin veröffentlichen Zahlen zeigen deutliche Probleme auf. „In diesem Jahr haben wir den Fokus auf das Thema psychische Belastungen gelegt“, erklärte Fabian Kuntke, Jugendbildungsreferent in der DGB Region Niederrhein. Dazu seien über 5.400 junge Frauen und Männer aus NRW im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Berufsschultouren, schriftlich befragt worden. „Das Ergebnis unserer Befragung ist: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich in mindestens einem Bereich in hohem oder sehr hohem Maße belastet.“ Insbesondere Leistungs- und Zeitdruck seien ein zentraler Belastungsfaktor für Auszubildende, so Kuntke weiter. Dahinter folgten lange Fahrtzeiten und die Lage der Arbeitszeiten bzw. Schichtdienst. „Jeder achte Auszubildende klagt zudem über Probleme mit Kollegen und Vorgesetzen.“

Belastende Bedingungen in der Ausbildung wirkten sich unmittelbar auf das Wohlergehen der Jugendlichen aus, sagt Kuntke. „Unsere Untersuchung zeigt: Je stärker die empfundenen Belastungen, desto höher der Anteil der Azubis, die unter körperlichen und psychischen Beschwerden leiden. Sie fühlen sich laut eigenen Angaben wesentlich häufiger schwach und krankheitsanfällig und sind am Ende des Ausbildungstages öfter erschöpft als die gering Belasteten.“ Mehr als ein Drittel der betroffenen Auszubildenden denke zudem immer oder häufig über einen Ausbildungsabbruch nach. „Das sind viermal so viele wie in der Gruppe der Auszubildenden, die sich keinen starken Belastungen ausgesetzt sehen.“

Die heute veröffentlichten Daten decken sich ebenfalls mit den Erfahrungen, welche die DGB-Jugend Niederrhein während ihrer dreiwöchigen Berufsschultour im September und Oktober dieses Jahres machen konnte. „In dieser Zeit hatten wir die Gelegenheit in 34 Klasseneinsätzen und zahlreichen Pausenhofgesprächen mit rund 1000 Azubis über Probleme und Sorgen in ihrer Ausbildung zu sprechen. Was uns dabei vermehrt auffiel, war, daß viele Jugendliche neben unbezahlten Überstunden und der Ausübung von ausbildungsfremden Tätigkeiten vermehrt von hohen psychischen Belastungen in Rahmen ihrer Ausbildung berichteten.“ beschreibt Fabian Kuntke die Lage auf dem Ausbildungsmarkt am Niederrhein und führt weiter aus: “Natürlich heißt das nicht, dass man einen Rundumschlag über alle Branchen und Berufe machen kann. Was auch die weiteren Untersuchungen belegen. Aber es fällt auf, daß vermehrt junge Auszubildende unter hohem Stress und Leistungsdruck leiden“.

Die DGB-Jugend sei sich sicher, dass das beste Mittel gegen psychische Belastungen eine Verbesserung der Ausbildungsqualität insgesamt sei. „Aus unserer Befragung geht hervor: Die Ausbildungsberufe, bei denen die Qualität der Ausbildung als besonders hoch beschrieben wird, sind gleichzeitig die Berufe, bei denen sich die Auszubildenden am wenigsten psychisch belastet fühlen.“ Das gelte zum Beispiel für Industriemechaniker und Mechatroniker. Umgekehrt fühlten sich Auszubildende in Berufen wie Friseure, zahnmedizinische Fachangestellte und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk nicht nur besonders schlecht betreut und behandelt, sondern auch stark psychisch belastet.

„Die DGB-Jugend Niederrhein appelliert daher einerseits an die Betriebe und die Kammern: Wir brauchen endlich eine substantielle Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Berufen, die seit Jahren die letzten Plätze in unserem Report belegen.“ Darüber hinaus müsse das Berufsbildungsgesetz modernisiert werden. „Wir brauchen eine bessere Regelung der Ausbildungszeiten und eine volle Anrechnung der Berufsschulzeiten, um den Jugendlichen mehr Gelegenheit zur Erholung zu geben.“
„Auch im nächsten Jahr werden wir unsere wichtige Arbeit in den Berufsschulen der Region Niederrhein fortsetzen und diese zum Schwerpunktthema unserer Befragung 2017 machen.“ kündigt Kuntke an.

Den ganzen Ausbildungsreport sowie zahlreiche Grafiken zum Herunterladen finden Sie unter www.nrw.dgb.de/ausbildungsreport

Weitergabe Presseinfo des Deutschen Gewerkschaftsbundes Region Niederrhein
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