Duisburg - schon wieder ein Schuss, der nach hinten losgeht

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Es sollte der große Coup der Duisburger Schulpolitik sein: Auflösung aller Real- und Hauptschulen und stattdessen eine flächendeckende Einführung der Sekundarschule. Abgesehen von den Gymnasien stadtweites längeres gemeinsames Lernen in Gesamt- und Sekundarschulen, damit wollten die Schulpolitiker Duisburg wegweisend für die Bildungslandschaft in NRW machen. Und dass sie damit den Schulkonsens des Landes vom Sommer 2011 sehr eigenwillig - manche sprechen von falsch - interpretiert haben, störte sie nicht.

Und was ist aus dem beabsichtigten Coup geworden? In drei von sieben Stadtbezirken, Hamborn, Süd und Rheinhausen, hat man den Real- und Hauptschulen - letzteren auf Grund mangelnder Nachfrage zurecht - inzwischen den Garaus gemacht und Sekundarschulen an den Start gebracht.

Und was erbrachten jetzt die Anmeldungen für die neuen Sekundarschulen? 76 für Hamborn, 62 für Rheinhausen und 47 für Süd. Ein blamables Ergebnis. Schlaflose Nächte für die Duisburger Schulpolitiker. Den Gesamtschulen in den drei Bezirken haben die Grundschuleltern der Viertklässler unterdessen die Türen eingerannt. Und die sind hoch erfreut. Sie können schließlich nicht alle angemeldeten Schüler aufnehmen und müssen demzufolge viele abweisen. Und da sie in der Vergangenheit ohnehin darüber geklagt haben, über keine leistungsmäßig ausgewogene Schülerschaft zu verfügen (ideal: jeweils ein Drittel Schüler mit Gymnasial-, Realschul- und Hauptschulempfehlung), können sie nun korrigierend eingreifen. Die abgewiesenen Schüler werden die Sekundarschulen auffüllen, auffüllen müssen, da ja keine andere Schulform mehr für diese Schüler zur Verfügung steht. Für die neue Schulform scheint somit ein Restschulcharakter vorprogrammiert. Und damit wird das längere gemeinsame Lernen ad absurdum geführt.

Auch die verantwortlichen Schulpolitiker müssen erkennen: In einer Stadt mit einer hohen Gesamtschuldichte sind die Sekundarschulen ein Segen für die Gesamtschulen, aber die Gesamtschulen ein Fluch für die Sekundarschulen. Und ungewollt entsteht ein neues selektives Schulsystem. Nur bedauerlich, dass funktionierende Realschulen auf der Strecke geblieben sind. Das haben die Duisburger Schulpolitiker zu verantworten.

Und wenn diese Schulpolitiker den Karren nicht noch stadtweit in den Dreck fahren wollen, sollten sie schleunigst die Notbremse ziehen. Aber ob sie das tun?

Wie es auch sei: Mit Bürgerwiderstand müssen sie rechnen. Die Bürgerinitiativen "Qualität statt Aktionismus", "Gustav - gut für die Mitte" und "Sekundarschule in Fahrn - nein danke!" haben sich längst formiert und kämpfen für den Erhalt funktionierender Realschulen.
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10 Kommentare
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Elisabeth Schmidt aus Moers | 22.02.2015 | 19:54  
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Elisabeth Schmidt aus Moers | 22.02.2015 | 19:57  
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Elisabeth Schmidt aus Moers | 22.02.2015 | 19:58  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 22.02.2015 | 20:46  
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Ingo Seiffen aus Duisburg | 25.02.2015 | 20:15  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 25.02.2015 | 20:44  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 27.02.2015 | 00:23  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 27.02.2015 | 07:01  
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 27.02.2015 | 09:06  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 27.02.2015 | 10:36  
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