Duisburger Flüchtlingspolitik im Fadenkreuz - Tumulte in Neumühl

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Nach dem Hick-Hack um die Walsumer Zeltstadt hat die Stadt endlich mit dem leerstehenden St.-Barbara-Hospital in Duisburg-Neumühl ein Landesasyl so gut wie unter Dach und Fach gebracht, da kommt es in Neumühl bei einer Infoveranstaltung der Stadt, zu der OB Sören Link eingeladen hat, zu Tumulten und Agitation.

Dabei birgt die Lösung viele Vorteile:
- Die Flüchtlinge haben ein festes Dach über dem Kopf.
- Die Sammelunterkunft wird komplett vom Land finanziert.
- Die Flüchtlingszahlen in dieser Erstunterkunft werden auf die Aufnahmezahlen angerechnet, zu denen Duisburg nach dem Königsteiner Schlüssel verpflichtet ist.
- Die Zeltstadt wird höchstwahrscheinlich nicht als Flüchtlingsunterkunft benötigt werden.

Demzufolge konnte die Stadt, die in der Vergangenheit so unglücklich agiert hat, mit Zuversicht an die Infoveranstaltung im Neumühler Herz-Jesu-Gemeindezentrum gehen. Sogar OB Sören Link hatte keine Bedenken, seine sichere Deckung zu verlassen, und schickte nicht seinen Sozialdezernenten Reinhold Spaniel vor, sondern trat selbst als Einlader auf.

Was er dann erlebte, musste ihn wie ein Unwetter aus heiterem Himmel getroffen haben. Buhrufe und Pfiffe empfingen ihn schon vor dem Versammlungsraum, der nur etwa die Hälfte der gekommenen 300 - 400 Bürger fassen konnte. Diejenigen, denen der Einlass wegen Überfüllung verwehrt war, wurden über Lautsprecher über das informiert, was sich drinnen abspielte. Zu einer sachlichen Information mit einer Diskussion über die Fragen der friedlichen Bürger, die an Krawall nicht interessiert waren, kam es nicht in ausreichendem Umfang. Zu aufgeheizt war die Stimmung. Fremdenfeindliche Agitation im und vor der Versammlungsstätte überlagerte die Veranstaltung. Die Minderheit der fremdenfeindlichen Bürger wurde von rechtsextremen Agitatoren gezielt zu einem ausländerfeindlichen Mob inszeniert. Obgleich es auch laute Stimmen aus der Bürgerschaft gab, die braunen Rattenfänger sollten endlich das Feld räumen, konnte die Veranstaltung letztendlich nicht gerettet werden.

Es wäre völlig verfehlt, Neumühl als Nest großer Ausländerfeindlichkeit zu betiteln. Die Mehrheit der Anwohner des St.-Barbara-Hospitals dürfte Verständnis für die Not der Flüchtlinge haben. Was sie natürlich zurecht einfordern, sind Maßnahmen, die für Frieden, Ruhe und Sicherheit in ihrem Wohnumfeld sorgen. Und dabei braucht niemand zu befürchten, dass sich die Flüchtlinge des Quartiers bemächtigen würden, zumal ihr Aufenthalt im St.-Barbara-Hospital auf wenige Tage begrenzt ist, bis sie endgültig vom Land auf die Kommunen verteilt werden.

Auffallend im Zusammenhang mit der städtischen Flüchtlingspolitik sind die verschiedenen Reaktionen in Neumühl und in Walsum. In Walsum, wo die unsägliche Zeltstadt immer noch vom DRK vorgehalten wird, gab es seit der Errichtung keinerlei fremdenfeindlichen Aktionen. Trotz der harschen Kritik, die auch von Walsumern an der Zeltstadt geübt wurde, wurde dort eine große Welle der Hilfsbereitschaft losgetreten. Ein runder Tisch gründete sich, der sich eine positive Willkommenskultur zum Ziel gesetzt hat und weiterhin tagt, auch wenn derzeit kein akuter Handlungsbedarf besteht.

Im Übrigen stellt sich den Walsumern die Frage, warum der geplante Bau eines Flüchtlingsheimes an der Königstraße, wo schon einmal ein Heim stand, nicht längst in Angriff genommen wurde. Dann hätte die Stadt auf die Zeltstadt verzichten können. Was zudem die Befürchtung dilettantischen Tuns in der Stadtverwaltung unterstreicht, ist die von offizieller Seite unbestätigte Information, der Bauantrag für das Heim an der Walsumer Königstraße sei erst vor wenigen Wochen, jedenfalls erst nach Errichtung der Zeltstadt gestellt worden.
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Daniela Breuer aus Duisburg | 22.09.2014 | 23:37  
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