Fracking in Deutschland - Es ist schon 7 nach Mitternacht - Geht die Fahrt ins Frackingland?

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Eine von über 250.000 Teilnehmerinnen der Kundgebung in Berlin - Frau Marianne Juhre im Duisburger Hbf im Wartebereich an Gleis 10 - 7 Minuten nach Mitternacht
 
"Mein Zug kommt, Tschüs und Gute Nacht." - Ich war um meinen Schlaf gebracht!
Duisburg: Duisburg Hbf |

Josef Dransfeld: "Warum sind Sie eigentlich heute und hier gerade an diesem Ort?" - mit dieser Frage beginnt jedes Mal mein Interview: Menschen, die ich an besonderen Plätzen in Duisburg antreffe, können ihre Beweggründe mitteilen und Wesentliches über sich und ihre Beziehung zu Duisburg erzählen: Heute, am Sonntag, traf ich kurz nach Mitternacht, um 00.07 Uhr, am Hauptbahnhof Duisburg Gleis 10 Frau Marianne Juhre, dreifache Mutter, mehrfache Großmutter und frühere Chemielaborantin. Sie kam gerade mit dem Sonderzug aus Berlin, wo sie zusammen mit vielen anderen Menschen gegen TTIP und damit auch gegen das Fracking demonstriert hatte.

Frau Juhre antwortete sinngemäß:

"Ja, ich bin heute recht spät, kurz nach Mitternacht, auf der Heimreise und warte auf meinen Zug, der mich nach Wesel bringt. Fast 24 Stunden bin ich jetzt mittlerweile unterwegs und froh, wenn ich wieder Zuhause bin.

Ich komme gerade aus Berlin von der Demo gegen TTIP und habe gegen die anstehenden Freihandelsabkommen protestiert und insbesondere gegen Fracking. Ich schätze es waren weit über 100.000 Menschen dort.

Ich bin Mitglied einer Bürgerinitiative und ich kann nicht tolerieren, dass unser Wasser, unsere Gesundheit und unsere Umwelt Risiken ausgesetzt werden.

Die neue Gesetzesvorlage von Ministerin Hendricks zu Fracking, also der Förderung von Gas und Erdöl aus unkonventionellen Lagerstätten gibt vor, dass der Schutz der Umwelt und der Menschen oberste Priorität besitzen. Ich kann das aber nicht erkennen. An keiner Stelle wird z.B. der Mindestabstand von Bohrplätzen zu Wohnungen und Häusern genannt, vom enormen Bodenverbrauch einmal ganz abgesehen. Auf ca. 10x10 km kann es mehr als 10 Bohrstellen mit je 20 Bohrungen und einem Versorgungsplätzen geben, Rohre müssen gelegt weden, Schwerlastverkehr, Emissionen, usw. Die Gasfackel wird lange Begleiter bei den Fördervorhaben sein. Ist der Boden ausgebeutet, zieht das Unternehmen weiter auf das benachbarte Feld von wiederum 10x10 km usw. bis das gesamte erlaubte Gebiet ausgebeutet ist. Das Wasser, das bei der Förderung mit nach oben kommt, ist vermischt mit Chemikalien, die im Förderprozess eingesetzt werden, und anderen giftigen Stoffen, die sich im Untergrund befinden, einschliesslich radioaktiver Stoffe.

Diese Mischung wird wieder in den Untergrund entsorgt und keiner kann garantieren, dass diese Stoffe nicht eines Tages unser Trinkwasser erreichen. Es wird von Wissenschaftlern gesagt, dass diese Mischung auch Erbeben auslösen kann, da im Untergrund sich die Druckverhältnisse ändern.


In Niedersachsen, wo schon lange Öl und Gas aus konventionellen Lagerstätten gefördert wird, gibt es jetzt Untersuchungen, ob ein Zusammenhang zwischen der Förderung und auffällig hoher Krebsrate, haupsächlich bei Männern, besteht.


Sie werden sich fragen: Was eine Großstadt wie Duisburg, auf derem Gebiet kaum gefrackt werden kann, damit zu tun?

Gegenfrage: Woher kommen Fleisch, Milch und Wasser?
Natürlich aus dem Umfeld, da wo Platz zum Bohren ist.
Ich persönlich möchte kein Wasser aus einem Tank hinter dem Haus beziehen, wenn das Trinkwasser unbrauchbar geworden ist.


So hat der Staat New York z. B. Fracking verboten, um die Trinkwassverersorgung seiner Millionenmetropole sicherzustellen.


Und was hat Fracking mit TTIP zu tun?

TTIP enthält, wie trotz aller Geheimhaltung bekannt geworden ist, ein Investitionsschutzabkommen. Sollte das so ratifiziert werden, dann hätten die Öl- und Gasmultis bei einem Frackingverbot das Recht vor ein Schiedsgericht zu ziehen und einen Anspruch auf Erstattung entgangener und zu erwartender Gewinne zu erwirken. Der Staat müsste dann gegebenenfalls zahlen.


Da im Land NRW schon große Flächen abgsteckt sind, also Aufsuchungserlaubnisse für die Förderfirmen von der Behörde genehmigt worden und dementsprechend schon Investitionen getätigt worden sind, könnte man dann also die entgangenen Gewinne einklagen.


Der Gesetzgeber käme letzendlich in ein schwierige Lage. Bei jedem neuen Gesetz müsste erst die Interessenslage der Industrie abgefragt werden.


Das ist für mich und viele andere der Ausverkauf unserer Demokratie und damit unserer Freiheit. Aber es gibt noch viele weitere Punkte, die für mich gegen das Freihandelsabkommen sprechen. Zudem haben wir es aktuell leider nicht nur mit TTIP sondern auch mit CETA und TISA zu tun.


Mit mir sind hier in Duisburg nur wenige Mitdemonstranten aus dem Sonderzug ausgestiegen. Eigentlich schade.

Mein Zug kommt, tschüs und gute Nacht."
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2 Kommentare
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 21.09.2016 | 17:31  
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Josef Dransfeld aus Duisburg | 22.09.2016 | 01:54  
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