Gedenkfeier Progromnacht

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An gestrigen Montag fand die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Duisburg zur Progromnacht 1938 ("Reichskristallnacht") im Duisburger Rathaus statt. Proppenvoll war der Ratssaal; sogar auf den Emporen waren Gäste sichtbar. Es kamen offensichtlich nicht nur die üblichen, altvertrauten Gesichter aus Politik, Gesellschaft und Kirchen, die gewohnheitsmäßit zu solchen Veranstaltungen kommen.

"Die Vergangenheit schein uns wieder einzuholen," berichtet Oberbürgermeister Sören Link bei seiner Begrüßung. "In unseren Tagen fliehen viele Menschen vor Folter, Mord und Unterdrückung und kommen bei uns in Deutschland und damit auch bei uns in Duisburg an. Es gilt, sie zu versorgen. Schulhallen und Veranstaltungsstätten werden zu Notunterkünften. Es gibt emotionale Debatten darüber. Es gibt Hetze gegen Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Soziale Medien wie Facebook wird dafür genutzt, um rechtes Gedankengut auszutauschen. Es gab schon rund 500 Straftagen gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte. Zuwanderung schürt Ängste und Sorgen. Das darf aber kein Grund sein, beim Rechtspopulismus Alternativen zu suchen."

"Die Verfolgung von Minderheiten wurde in der NS-Zeit nicht aktenmäßig dokumentiert," berichtet Dr. Andreas Pilger, der Leiter des Stadtarchives, in seinem Vortrag zum Thema "Das Archiv der Diskriminierten". Er führt hier den "Fall" Ludwig Windmann an, der am 18.11.1938, also 10 Tage nach der Progromnacht, an einem gewaltbedingten Schädelbruch starb. "Die Akten sagen nicht die Wahrheit. Wo juristische oder moralische Grenzen überschritten wurden, wurden diese Grenzübertritte nicht dokumentiert und damit nicht amtlich überliefert. Die diskriminierten Minderheiten wurden also durch Vergessen und Verschweigen ein zweites Mal diskriminiert. Die Tragik: Bei den Bombenangriffen 1944 gingen viele Archivalien zusätzlich verloren. Hinzu kommt das geringe Interesse der Archivmitarbeiter an einer Aufarbeitung der Quellen nach dem Krieg. Der Duisburger Archivleiter Walter Ring ist ein Beispiel dafür. Die Aufarbeitung der NS-Zeit begann erst allmählich in den 1950er Jahren."

Pilger beschreibt den Umgang mit den Akten von Flüchtlingen heute und verweist darauf, daß so viele Lebensschicksale verlorengehen.
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