Händler kämpfen für die Cölve-Brücke

Anzeige
Die völlig undurchschaubare Großbaustelle „Umbau der Impelmann-Kreuzung zu einem lärmmindernden Kreisverkehr“ macht den Kaufleuten wohl noch bis Weihnachten zu schaffen. Fotos: Hannes Kirchner (Foto: Hannes Kirchner)
 
Die Plätze reichten nicht aus, als sich jetzt Bergheimer und Schwafheimer Geschäftsleute trafen, um den Prozess für die Wiederherstellung der vertrauten Wegeverbindung voranzutreiben. (Foto: Hannes Kirchner)

„Es gibt seit Juli 2017 Tag für Tag Chaos!"

von Ferdi Seidelt

Kämpfen, kämpfen, kämpfen! Mit klaren und deutlichen Worten formierten sich jetzt etwa 35 Kaufleute zu einer Streitmacht der besonderen Art. Im Mittelpunkt der interkommunalen Versammlung, die jetzt in der Bergheimer Gaststätte „Poseidon“ stattfand und Händler „beidseits der Cölve“, also Bergheimer und Schwafheimer, zusammenbrachte, stand die seit einem halben Jahr gesperrte Brücke, aber auch die komplizierte Großbaustelle „Impelmann“ im Herzen von Bergheim.

Am Tisch vorne hat Platz genommen Künstlerin Doris Goebel, die seit einiger Zeit jenseits des Viadukts das historische Gehöft An der Cölve Nr. 8 als Atelier nutzt und nun von „ihrem“ vertrauten Bergheim abgeschnitten ist. Mitten im Meeting sitzt Kaufmann Rolf Feldkamp, der seit Mitte November mit Frau Melanie engagiert den flammneuen REWE-Markt an der Trompeter Straße 12a führt und sogleich mit einer Doppelklatsche begrüßt wird – hier die dichte Brücke, dort die Umbauarbeiten der Impelmann-Kreuzung zu einem Kreisverkehr. „Wenn wir nicht schon einen funktionierenden Betrieb hätten (Anm. der Red.: den großen REWE-Markt in Duissern), wäre in Bergheim betriebswirtschaftlich bald Schicht im Schacht!“
Egal ob die schöpferische Ein-Personen-Selbstständigkeit oder der so heiß ersehnte Vollversorger mit etwa 40 Mitarbeitern – der alles überragende Wunsch ist derselbe: Bis der millionenschwere Neubau kommt, muss eine Behelfsbrücke her, die in das marode Viadukt bugsiert wird und beidseitig auf neuen leicht erhöhten Fundamenten aufzulegen ist, um das alte Schätzchen nicht noch zusätzlich zu belasten. Die Crux: Die Brücke liegt auf Moerser Stadtgebiet, die Nachbarn haben, obwohl erste Schäden seit 2001 bekannt sind, die Angelegenheit immer wieder auf die lange Bank geschoben.

„Es ist bereits 5 nach 12!"

Die Kaufleute in bestem Corpsgeist: „Es ist bereits 5 nach 12! Wir klagen die Unfähigkeit der Kommunen Moers und auch Duisburg an. Wir kämpfen für eine sofortige Wiederherstellung der Verkehrsachse Bergheim, Schwafheim, Rumeln. Es geht um den Erhalt einer intakten Infrastruktur der Bürger beider Stadtteile, sprich auch um den Erhalt des Einzelhandels und weiterer Gewerbebetriebe!“ Und: „Es gibt seit Juli 2017 Tag für Tag Chaos! Der Verkehr wird durch kleine Seitenwege und Spielstraßen der Wohngebiete im Umkreis der Brücke sowie der Baustellen geführt. Seit dieser Zeit wird zudem der Trompeter Friedhof von der DVG nicht mehr angefahren. Für uns Bürger unhaltbare Zustände.“
In der Tat sind die Bergheimer, Trompeter und Oestrumer leidgeprüft. In regelmäßigen Abständen wird der Ortsteil durch größere Straßen- und Kanalbauarbeiten beglückt – mit den entsprechenden Nebengeräuschen wie überlange Bauzeiten und Kunden-vertreibende Behinderungen. Jetzt noch das Brücken-Malheur und und das Impelmann-Tohuwabohu. „Es langt!“, ruft Doris Goebel in die Runde. „Für Moers ist die Cölve-Brücke politische Diaspora“, stellt ein Kaufmann fest. Ein anderer ergänzt: „Es besteht für Moers kein Interesse, die Brücke zu reparieren.“ Und wieder ein weiterer argwöhnt: „Die sind einfach überfordert.“ Der WDR-Beitrag vom Vortag liefert den Beweis: „Der Moerser Stadtsprecher (Anm. der Red.: Thorsten Schröder) sagte doch tatsächlich, man müsse die Behelfsbrücke nur deshalb ablehnen, damit das kaputte Bauwerk nicht noch mehr belastet wird.“

Tag für Tag herrscht Chaos

Die Frage nach den Kosten ist schnell geklärt. „Etwa 90.000 Euro jährlich an Miete, zuvor einmalig der Aufwand für die vorgelagerten Plattformen und die Transportkosten,“ wirft Ratsherr und Diplom-Ingenieur Reiner Friedrich in die Kolonne. Und auch die Frage nach der Realisierbarkeit ist schnell geklärt: „Das Dingen liegt auf Halde, in drei Monaten ist so etwas realisierbar.“ Auffällig, wie die Ortspolitik von der Schelte ausgenommen wird. Der Brass richtet sich ausschließlich gegen die interkommunale Eiszeit, die sich speziell in der Moerser Chefetage gebildet hat.

Interkommunale Gespräche im Februar

Und genau hier soll angesetzt werden! Bewusst Stadtgrenzen überschreitend wollen und werden jetzt Bergheim und Schwafheim Aktionen entwickeln. Rumeln-Kaldenhausen, da auch betroffen, solidarisiert sich mit seinem „Runden Tisch“. Was wird geschehen? Spätestens im Februar wird es auf politischer Arbeitsebene interkommunale Gespräche geben, die Thematik wird zudem den Moerser Stadtrat beschäftigen. Mehr piano ist zu hören, dass der Moerser Bürgermeister, Christoph Fleischhauer, in die Bezirksvertretung Rheinhausen eingeladen wurde – und bereits zugesagt haben soll.
Für die Händler tun sich andere Arbeitsfelder auf: Aufkleber, Plakate und eine Unterschriftenaktion machen das Anliegen zum Dauerthema. Besuche bei den Verantwortlichen, Demos und andere Aktionen verdeutlichen die Eilbedürftigkeit. Mediale Offensiven wirken als stete Nadelstiche. Die Plätze reichten nicht aus, als sich jetzt Bergheimer und Schwafheimer Geschäftsleute trafen, um den Prozess für die Wiederherstellung der vertrauten Wegeverbindung voranzutreiben.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.