IG BAU wirbt für mehr Frauen am Bau

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Dietmar Schäfers, Stellvertretender Bundesvorsitzender IG BAU (Foto: IG BAU Paul Schimweg)
Frankfurt am Main, 27.04.2016
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) macht sich für mehr Frauen am Bau stark. Anlässlich des morgigen bundesweiten Mädchen-Zukunftstags (Girls Day) weist die IG BAU auf die Chancen für junge Frauen in der Baubranche hin, die bislang als eine reine Männerdomäne gilt

Dabei braucht sich die Bauwirtschaft nicht zu verstecken: Sie kann mit guten Gehältern und attraktiven Einsatz- und Weiterbildungsmöglichkeiten werben. Erfreulich viele Frauen entscheiden sich für ein Studium als Bauingenieurin. „Leider findet man die Frauen nach dem Studium kaum in den Baubetrieben wieder – etwa als Ingenieurinnen oder sonstigen technischen Führungspositionen im Baugewerbe. Das liegt vor allem an der mangelnden Bereitschaft der meisten Unternehmen, Frauen zu beschäftigen und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers.

Im Gegensatz zur akademischen Ausbildung findet man in den 18 Ausbildungsberufen im Bauhauptgewerbe dagegen kaum Frauen. Viele Berufsbilder kennen junge Frauen gar nicht. Oft beschränkt sich die Vorstellung auf Maurer, die schwere Zementsäcke schleppen. Tätigkeiten der Stuckateurin, der Baugeräteführerin, der Holz- und Bautenschützerin oder der Trockenbaumonteurin sind ihnen weitgehend unbekannt. Wenn eine junge Frau heute den Weg zum Bau findet, dann fast immer durch das Vorbild eines Verwandten oder Bekannten. Weibliche Rollenvorbilder gibt es nicht.

„Die Bauwirtschaft muss verstärkt Frauen für die Arbeit im gewerblichen Bereich auf Baustellen interessieren“, fordert Schäfers. „Sie haben ebenso das Potential, Wände zu mauern oder Baumaschinen zu führen, wie Männer.“ Je mehr es den Mädchen und jungen Frauen ermöglicht wird, sich durch praktisches Ausprobieren einen eigenen Eindruck von ihren Interessen und Fertigkeiten im Handwerk zu verschaffen, desto größer sind die Aussichten, dass sie sich von den wenigen klassischen Ausbildungsberufen abwenden und auf Neuland wagen. Der Girls’ Day bietet dazu einen wichtigen Impuls.

Nach wie vor gibt es viele Vorurteile gegen Frauen am Bau. Das hat Tradition. In Westdeutschland galt bis 1994 ein gesetzliches Beschäftigungsverbot für Frauen im Bauhauptgewerbe. Im Osten dagegen wurde die Ausbildung von Frauen am Bau gefördert. Viele waren in der Konstruktion und Planung tätig, aber auch die Baumaschinenführerin war keine Seltenheit.

„Außerhalb Europas sind Frauen am Bau eher Normalität“, sagte Schäfers. „In den USA gibt es zum Beispiel Baubetriebe mit hundert Prozent Frauen, die sich im freien Wettbewerb seit Jahrzehnten gut behaupten. In Asien und Afrika arbeiten manchmal mehr Frauen als Männer im Baugewerbe. An der angeblich fehlenden Eignung der Bauarbeit für Frauen kann es also nicht liegen.“

Die IG BAU engagiert sich in der Region Bayern im Projekt „Frauen am Bau“, das gemeinsam mit dem PECO-Institut Berlin und mit Förderung durch die Stiftung Bayerische Bauwirtschaft durchgeführt wird. Das Projekt versteht sich als Kommunikationsplattform, mit dem Ziel Rollenklischees aufzubrechen, zu informieren und Austausch zu fördern.

„Es muss sich in den Köpfen aller Beteiligten was ändern“, fordert Schäfers. „Das fängt in der Schule an und geht weiter in der Berufsberatung, wie auch in den Betrieben.“ Auch im Hinblick auf die Senkung der „Lohnlücke“ zwischen den Geschlechtern sei es hilfreich, das Berufswahlspektrum zu erweitern und mehr Frauen für die gewerblichen und technischen Bauberufe zu gewinnen. Das könne auch ein Thema der „Typisch ich“ Kampagne zur Berufswahl sein, die die Bundesagentur für Arbeit auf YouTube gestartet hat.

Tarifpolitisch setzt sich die IG BAU ein für weitere Verbesserungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie für mehr Zeitsouveränität. Eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie mache nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer die Arbeit am Bau attraktiver.

Weitergabe Presseinfo der IG Bauen-Agrar-Umwelt
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