Junges Duisburg stimmt gegen Sperrbezirk im Duisburger Süden

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JUDU-Bezirksvertreter Frederik Engeln (24) (Foto: Junges Duisburg)

Vier Fragen an Bezirksvertreter Frederik Engeln


In der Sitzung der Bezirksvertretung Süd wurde mit den Stimmen von SPD, CDU, Grünen und Linken beschlossen, den Ehinger Straßenstrich auf die Abend- und Nachtstunden zu beschränken. Junges Duisburg stimmte als einzige Partei dagegen. Ich sprach mit Frederik Engeln, JUDU-Bezirksvertreter im Duisburger Süden, über die Gründe für dieses Abstimmungsverhalten.


Lokalkompass: Herr Engeln, zunächst vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Können Sie unseren Lesern kurz beschreiben, wie es zu dieser Entscheidung kam?

Engeln: Bürger aus Ehingen, besonders der Ehinger Bürgerverein um dessen Vorsitzenden Heiner Lambertz, hatten sich immer wieder in der Presse beklagt, weil sie sich an dem Straßenstrich stören, der sich in dem Wäldchen in der Nähe ihres Stadtteils etablierte. Dort übernachten viele LKW-Fahrer, aber auch die Kinder aus Ehingen kommen mit dem Bus an dieser Stelle vorbei, etwa wenn sie zur Schule fahren.

Lokalkompass: Und deswegen hat die Politik richtigerweise reagiert...?!

Engeln: Auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung standen zwei Anträge zum Thema. Die CDU beantragte, weite Teile des Duisburger Südens als Sperrbezirk auszuweisen. Aus unserer Sicht bestanden gegen diesen Antrag erhebliche rechtliche Bedenken: Man kann nicht einen ganzen Stadtbezirk als Sperrgebiet ausweisen, auch wenn man das Gewerbe, das die Damen an der Mannesmannstraße ausüben, aus moralischen Gründen verwerflich findet. Das hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bezüglich eines Sperrbezirks im gesamten Dortmunder Stadtgebiet im Jahr 2013 unmissverständlich klargestellt (Urteil vom 21.03.2013, Az.: 16 K 2082/11; Anm. d. Red.). Dies bestätigte auch die Rechtsdezernentin der Stadt Duisburg, Frau Dr. Daniela Lesmeister, die die Bezirksvertreter kurz vor der Sitzung entsprechend informierte. Junges Duisburg lag also richtig mit seiner Einschätzung!

Lokalkompass: Man merkt, dass Sie Jura studieren... Aber wie ging es dann weiter?

Engeln: SPD, CDU, Grüne und Linke stellten daraufhin den gemeinsamen Antrag, eine Sperrzone für den Bereich Ehingen im Winter zwischen 6 Uhr und 20 Uhr, im Sommer zwischen 6 Uhr und 22 Uhr einzurichten. Wir haben den Antrag abgelehnt, weil es aus unserer Sicht zur Verdrängung der Thematik führt. Wenn die Damen ihre Dienste tagsüber nicht mehr an der Mannesmannstraße anbieten dürfen, dann werden sie es an anderen Stellen im Duisburger Süden versuchen, vielleicht sogar innerhalb einer Wohnbebauung. Der nächste Ärger ist vorprogrammiert.

Lokalkompass: Wieso haben Sie dann nicht dem Prüfantrag von SPD, Grünen und Linken zugestimmt, der die Stadtverwaltung beauftragt, eine geeignete Ersatzfläche im Süden zu finden?

Engeln: Die Fläche soll abgeschieden und zugleich gut zugänglich für Freier sein, so heißt es im Antrag. Und ganz ehrlich: Eine solche Fläche gibt es hier im Süden nicht! Außerdem funktioniert das doch nach dem Sankt-Florians-Prinzip: Heiliger Florian, verschon unser Haus, zünd andere an! Soll heißen: Heute sind es die Bürger von Ehingen, die sich beklagen, morgen vielleicht die von Serm, Bissingheim oder Rahm. Dabei vergisst man ebenfalls das Spezifikum dieses Straßenstrichs: Er wird vor allem von den LKW-Fahrern genutzt, die Mannesmann, Thyssen oder andere Firmen auf dem dortigen Gelände anfahren. Allzu viel Publikumsverkehr gibt es an dieser Stelle nämlich gar nicht, und dass der Schutz der Jugend ernsthaft gefährdet wäre, weil die Kinder im Bus dort vorbeifahren, wo maximal eine Handvoll Prostituierte ihrer Beschäftigung nachgeht, kann man wiederum auch nicht behaupten... Man mag es ja finden, wie man will, aber dieses Gewerbe gehört seit Menschengedenken zu unserer Gesellschaft dazu und ist zunächst einmal legal.

Lokalkompass: Herr Engeln, wir danken Ihnen für das Gespräch!
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