Kai-Uwe will Asylsuchende auszahlen - ist er nun ganz durchgeknallt, oder ist er genial?

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Es ist ein lauer Sommerabend. Ich sitze mal wieder mit Kai-Uwe zusammen. Nach langer Zeit konnte ich ihn mal wieder zu einem Besuch beim Italiener überreden. Er ist doch so menschenscheu. Unter einem Sonnenschirm konnten wir ein schattiges Plätzchen ergattern. Kai-Uwe bestellt Pasta, ich Pizza.

Und wie immer, wenn wir beide zusammen sind, sprechen wir über Gott und die Welt. Das Thema Flüchtlinge darf natürlich nicht fehlen.

"Ich bin mal gespannt, wie wir in Deutschland die zunehmende Zuwanderung stemmen werden?" fange ich an.
"Machst du dir etwa Sorgen", fängt Kai-Uwe den Ball auf, "Deutschland gehört doch nachweislich zu den reichsten Ländern der Erde, das wird schon gehen."
"Es geht doch nicht ums Finanzielle, Kai-Uwe, es geht um den sozialen Frieden."
"Was befürchtest du denn?" schmatzt er.
"Ich weiß, du bist nicht unbedingt optimal vernetzt und kriegst einiges nicht mit."
"Was meinst du?"

"Asylbewerberheime werden angegriffen, fremdenfeindliche Rufe werden immer lauter, in manchen sozialen Netzwerken wird gehetzt, was das Zeug hält."
"Ach so, aber sind das nicht die üblichen Dumpfbacken?"
"Dafür sind es schon zu viele", gebe ich zu bedenken, "und auch ernst zu nehmende Stimmen warnen davor, dass wir uns sozial übernehmen. Wir hätten schon genügend Integrationsprobleme. Sie sozialen Konflikte könnten überhand nehmen. Manche befürchten gar, dass auf Dauer die gesellschaftliche Identität verloren gehen könnte."

Kai-Uwe stopft sich eine Gabel Nudeln in den Mund. An seinem Gesichtsausdruck erkenne ich, dass er in seinem Oberstübchen anfängt, hochzuschalten. Er nimmt einen kräftigen Schluck von der Apfelschorle, die vor ihm steht.

"Nun", setzt er an, "da müssen die Deutschen durch. Aus unserer deutschen Geschichte wissen wir doch um die Bedeutung eines Asylrechts. Jemand, der in seiner Heimat verfolgt wird und um seine Unversehrtheit fürchtet, sollte hier mit offenen Armen aufgenommen werden. Das sind wir unserer Geschichte und unserem Humanitätsanspruch schuldig."
"Das ist, denke ich, nicht das Problem. Die Willkommenskultur in Deutschland ist wohl da. Bewundernswert geradezu, was viele Ehrenamtliche in der örtlichen Flüchtlingshilfe leisten. Unter den Asylsuchenden werden aber nicht ohne Grund viele, viele Armutsmigranten vermutet, die nirgendwo Verfolgung im Sinne unseres Asylrechts erleiden. Das wird nicht zuletzt durch die großen Mengen der ablehnenden Asylbescheide deutlich. Zur Zeit liegt der Anteil der Asylsuchenden allein aus dem westlichen Balkan bei rund 40 Prozent, fast die Hälfte. Unter einem Prozent liegt die Anerkennungsquote bei diesen Zuwanderern. Und da die Bearbeitungszeit der Asylanträge ein halbes Jahr überschreitet, bleiben die Wirtschaftsmigranten mindestens diese Zeit über in Deutschland. Inzwischen habe ich den Eindruck, dadurch stehen für weite Teile der Bevölkerung alle Asylsuchenden, auch wenn sie das Flüchtlingsmerkmal unseres Grundgesetzes und der Genfer Flüchtlingskonvention erfüllen, unter dem Generalverdacht, nur der Armut zu entfliehen. Das führt zu Spannungen, unter denen nicht zuletzt die wahren Flüchtlinge zu leiden haben. Wir müssten ..." "Stopp", unterbricht mich Kai-Uwe, "dann könnte man die, ich will sie mal Wirtschaftsflüchtlinge nennen, doch sofort wieder in ihre Herkunftsländer schicken, und der Druck auf Deutschland würde sofort nachlassen."

"Wenn das mal so einfach ginge. Erstens sieht man den Zuwanderern nicht an, ob sie aufgrund von Verfolgung zu uns kommen, zweitens sträubt sich die Politik, zwei Klassen von Asylbewerbern einzuführen, drittens ist inzwischen die Ansicht weit verbreitet, auch Armut sei ein Grund zur Flucht und von Deutschland zu respektieren. Wir stecken in einem Dilemma, und dabei sind unter den Asylbewerbern mit Sicherheit viele, die gar nicht dran denken, sich in Deutschland integrieren zu wollen. Stadtteile mit Parallelgesellschaften haben wir schon genügend."

Kai-Uwe schweigt. Ich warte, bestelle mir unterdessen ein Bier und schaue mein Gegenüber an. Bei ihm arbeitet es, er scheint den Turbo eingeschaltet zu haben. Und erst nach einigen Minuten höre ich ihn in sich hineinmurmeln. "Ja, das ist nicht so einfach. Ich muss nachdenken." Sein Blick geht durch mich hindurch. Er brütet etwas aus.

"So ..., ich glaub´, ich hab´s. - Helmut, halte mich nicht für verrückt, aber da ist mir ein Gedanke gekommen, der die Flüchtlingspolitik vom Kopf auf die Beine stellt. -
Also: Ich denke, allen wäre gedient, wenn die Zuwanderung abebben würde, insbesondere der soziale Druck auf die Kommunen vermindert und zugleich der Armut in den Herkunftsländern der Wirtschaftsmigranten entgegengewirkt würde. Ist das richtig?"
"Ich denke schon", gebe ich zur Antwort.
"Wäre es möglich", fährt Kai-Uwe fort, "auf Basis der vergangenen Ausgaben statistisch einen Durchschnittswert der finanziellen Aufwendungen für einen Asylbeweber zu ermitteln?"
"Das dürfte kein Problem sein, aber worauf willst du hinaus?"
"Jetzt stelle dir einen Asylsuchenden vor, der soeben in Deutschland anlandet und erkennungsdienstlich registriert wird. Ihm wird folgende Alternative vorgelegt:

- Asylantrag stellen und das zur Zeit übliche Verfahren durchlaufen bis zum Bescheid

oder:

- auf Asylantrag verzichten, den ermittelten Durchschnittswert der finanziellen Aufwendungen für einen Asylbewerber vom Staat erhalten, einen Vertrag unterzeichnen, der einen späteren Asylantrag grundsätzlich nicht zulässt, Rückkehr ins Herkunftsland

Vorteile:
1. Die Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention würden zur ersten Variante greifen, die Wirtschaftsmigranten wohl eher zur zweiten.

2. Die Wirtschaftsmigranten könnten mit dem Geld viel mehr bewirken als in Deutschland, der Wirtschaft des Herkunftslandes würde geholfen, die Rückkehrer könnten wichtige Beiträge zur Bekämpfung der heimatlichen Armut leisten. Es wäre ein Geldtransfer von Reich nach Arm.

3. Der soziale Frieden in Deutschland wäre kaum mehr gefährdet.

Das wär´s, Helmut," beschließt Kai-Uwe sein Statement und bestellt sich bei der soeben vorbeieilenden Bedienung ziemlich lautstark einen Eisbecher zum Dessert, lehnt sich zurück und sieht sehr zufrieden drein.

Ich aber bin nur eins: Sprachlos.
Ist das jetzt genial - oder einfach nur durchgeknallt?

"Kai-Uwe", kann ich nur noch zum Thema beisteuern, "das muss ich erst einmal wirken lassen. Ich werd´ drüber nachdenken. Lass uns morgen weiter drüber sprechen."

Stillschweigend löffelt Kai-Uwe sein Eis, ich zünde mir eine Zigarette an und schaue in die Luft. Schon bald brechen wir auf.

Es hätte doch ein unkomplizierter Abend werden können.
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14 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 07.08.2015 | 19:49  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 07.08.2015 | 20:41  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 07.08.2015 | 21:20  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 07.08.2015 | 23:00  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 07.08.2015 | 23:38  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 08.08.2015 | 00:04  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 08.08.2015 | 00:36  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 08.08.2015 | 13:38  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 08.08.2015 | 14:30  
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Dirk Schlenke aus Duisburg | 08.08.2015 | 14:43  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 08.08.2015 | 16:10  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 08.08.2015 | 16:44  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 08.08.2015 | 18:15  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 09.08.2015 | 17:22  
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