Märchenhaftes aus Duisburg

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Liebe Kinder, heute erzähle ich euch ein Märchen.

Manche nennen es auch eine Lügengeschichte: wie denkt ihr darüber?

Es war einmal

eine Stadt am Fluß, deren Einwohner riefen in allen deutschen Landen nach dem Menschen, der den Mut und die Ideen habe, sie in eine strahlendere Zukunft zu leiten. Da aber hatte einer unter ihnen einen großen Traum. Er träumte, dass sich Bürger, Politiker und Stadtverwaltung immer mit Respekt und Verständnis begegnen würden. Um seinen Traum Wahrheit werden zu lassen, sprach er mit Engelszungen zu den Wählern, und die Geduldigsten erhoben ihn zum Ersten Bürger ihrer Stadt. Nun war er auch der oberste Ratsherr und der Boss der Verwaltung.

Nicht alle Menschen in der Stadt am Fluß freuten sich darüber.

Manche nannten ihn verächtlich „unerfahren”, beschimpften ihn sogar mit unflätigen Worten als „unfähig” und verbreiteten das böse Gerücht, er könne nichts entscheiden, was nicht sein mächtiger Parteifreund in der großen Landeshauptstadt vorher abgenickt habe. Das war demokratisch legitim wenn auch nicht wahrhaft christlich, und es machte den Oberbürgermeister sehr, sehr traurig. Doch er ließ das Gift nicht bis in seine Seele träufeln. Vielmehr beschloß er, seinen Feinden zum all- und gemeinen Wohle zu verzeihen, und es sollte fürderhin kein Harm zwischen ihnen sein. Da erkannten jene, wie wertvoll er für sie werden könnte, aßen Kreide, sangen das Lied von der koalierenden Einigkeit und zeigten ihm ein freundlicheres Gesicht.

Nun schickte der Oberbürgermeister sich unverzüglich an,

seinen Traum zu verwirklichen. Er bewies den Mehrheiten im Rat der Stadt Respekt, und sie achteten ihn willfährig. Er bewies der Verwaltung seinen Respekt, und sie achteten ihn als willfährig.

Indes: ein gar nicht so kleines Häuflein Bürger

verwehrte sich dieser ersprießlichen Harmonie, und sie zollten weder dem Oberbürgermeister noch dem Stadtrat noch der Verwaltung Respekt sondern wehklagten lauthals über den Verlust von Platanen, Eichen und Buchen. Denn es mangelte ihnen an der Einsicht in die Weitsicht von prophylaktisch kahl rasierten Gewerbebrachen, entwaldeten Parkzonen für ElternTaxi-Korsos oder frischholzbereinigtem Wohnstandard mit Seeblick.

Da weinten alle Bürgermeister, Stadträte und Bürokraten bitterlich

über den Kummer jener Bürger, den diese ihnen bereiteten. Sie verständigten sich darauf, achtsamer in ihrer Stadt zu verfahren, indem sie fortan darauf achteten, dass den Umwelt-Sensibelchen die Beschlußvorlagen schonend, d.h. möglichst spät, zur Kenntnis gebracht würden, um sich unnötiges Leid zu ersparen.

Schon bald herrschte überall eitel Sonnenschein,

dort, wo keine Bäume mehr Im Licht standen, und wenn die letzten noch nicht entastet sind, dann fällen die Baumschubser-Dinos sie morgen. Halleluja!

Kurzes Resümee von Gastkommentator Otto von Bismarck:

„Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.”
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2 Kommentare
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Frank Nohl aus Duisburg | 10.03.2015 | 23:52  
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Thomas Bouvier aus Duisburg | 11.03.2015 | 08:05  
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