Marxloh aus Sicht eines Alpeners - Professor Pistor macht Urlaub im Problemstadtteil

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Duisburg: Marxloh | Professor Klaus Pistor ist 76 Jahre alt und lebt im Ruhestand. Davor arbeitete er als Chefarzt im Moerser Krankenhaus Bethanien. So ganz will er seinen Beruf aber nicht an den Nagel hängen. Deshalb unterstützt er mit seiner Arbeitskraft bereits seit einiger Zeit den Petershof in Marxloh, dem als Problemstadtteil überregional bekannten Stadtteil im Duisburger Norden, wo Pater Oliver und seine Mitstreiter auf ehrenamtlicher Basis die Lücken in der medizinischen Versorgung zahlreicher Zuwandererfamilien Marxlohs zu schließen versuchen. Dort geht es nicht um Leistung und Gegenleistung, sondern um eine praktische Umsetzung des Prinzips Nächstenliebe.

Einmal wöchentlich fährt Prof. Pistor von seinem Wohnort Alpen am linken Niederrhein nach Marxloh und hält einen Nachmittag lang ehrenamtlich eine Sprechstunde für die Hilfesuchenden ab. So hat der Mediziner inzwischen eine Menge Menschen kennen gelernt, allerdings nur innerhalb der vier Wände seines provisorischen Sprechzimmers. Ich will diese Menschen gerne einmal in ihrem Alltag erleben, ging es Pistor durch den Kopf. So reifte in ihm der Gedanke, das Leben in Marxloh einmal teilen zu wollen. Die Idee eines Marxloh-Urlaubs war geboren. Und die hat der Professor jetzt umgesetzt.

Er quartierte sich im Hotel Montan ein, dort, wo Angela Merkel bei ihrem Duisburgbesuch mit Marxlohern über den Stadtteil diskutiert hatte. Mehrere Tage lang versuchte Klaus Pistor nun, ein Gefühl für Marxloh und seine Menschen zu bekommen. Bei seinen Spaziergängen hatte er durch seine Arbeit im Petershof einen hohen Wiedererkennungswert, der ihm viel Freundlichkeit und Dankbarkeit seiner Patienten auf der Straße einbrachte. Aber auch über diese Menschen hinaus erfuhr er nach eigenem Bekunden viel Freundlichkeit, sei es in Geschäften, auf den Straßen bei Fragen nach dem Weg oder in Gesprächen in Cafés oder auf dem Markt.

Die Stigmatisierung Marxlohs als einer No-Go-Area kann der 76jährige Alpener nicht bestätigen. Gleichwohl verschließt er nicht die Augen vor den Problemen Marxlohs (Schrottimmobilien, Vermüllung u.a.). Er sieht aber auch die Anstrengungen der Stadt und der Menschen, Marxloh voranzubringen. Es sei eine langfristige Aufgabe, die kinderreichen Familien aus Südosteuropa zu integrieren. Das aber traut er der Stadt und den seiner Ansicht nach aufgeschlossenen Menschen in Marxloh zu.

Im Übrigen: Prof. Pistors "Urlaub" in Marxloh soll nicht der letzte gewesen sein.
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 13.11.2016 | 13:06  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 13.11.2016 | 17:03  
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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe | 15.11.2016 | 07:00  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 16.11.2016 | 22:12  
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