Marxloh - ein verlorener Stadtteil Duisburgs? Und das völlig abseits der Flüchtlingsproblematik!

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Duisburg: Marxloh | 60er Jahre, Walsum, damals noch selbstständige Stadt. Ich war Kind. Wenn meine Mutter mit der Straßenbahn nach Duisburg einkaufen fuhr, nahm sie mich häufig mit. Beliebtes Ziel: Pollmannkreuz in Marxloh, einem Teil des Stadtbezirks Hamborn. Das Gebiet rund um die Pollmannkreuzung war damals ein beliebtes Einkaufszentrum mit gutbürgerlichem Publikum. Marxloh war attraktiv, nicht nur für seine Bewohner, sondern auch für Auswärtige.

Heute ist Marxloh angeblich auch noch attraktiv für auswärtige, wohl hauptsächlich türkische Käufer, die sich von der "Brautmodenmeile" angezogen fühlen. Die Geschäfte werden hauptsächlich von türkischen Unternehmern betrieben.

Ansonsten macht Marxloh nur negative Schlagzeilen.Schon lange hat man den Eindruck, dass sich in Marxloh eine Parallelgesellschaft entwickelt hat.

Eine ganz andere Dimension ist allerdings dazu gekommen, seitdem viele Rumänen und Bulgaren den Duisburger Stadtteil für sich entdeckt haben, um dort zu wohnen. Marxloh ist inzwischen zu einem vermüllten Stadtteil geworden, wogegen kein Kraut gewachsen zu sein scheint. Tagsüber allenthalben zu sehende Ratten teilen sich das Quartier mit den Menschen.

Die einst so gute Bausubstanz des Stadtteils verkommt zusehends. Immer mehr hausgemachte Schrottimmobilien. Wer sich vor vielen Jahren Eigentum als Altersvorsorge zugelegt hat, stellt erschrocken fest, dass seine Immobilie kaum mehr zu verkaufen ist. Sie ist fast nichts mehr wert. Die Umgebung lässt die Immobilienpreise dermaßen in den Keller schießen, dass kaum mehr Interesse an Sanierungsinvestitionen besteht.

Nachts trauen sich viele Marxloher nicht mehr auf die Straße. Polizeieinsätze zum Teil mit Hundertschaften gehören inzwischen zu Marxloh wie der Wechsel von Tag und Nacht.

Perspektiven für Marxloh sind ernsthaft kaum zu erkennen. Angela Merkel war im vergangenen Jahr in Marxloh, versprach Unterstützung, und sie hat, wie zu hören ist, wohl auch etwas in die Wege geleitet. Und in Marxloh gibt es ja auch Kräfte, die sich für den Stadtteil einsetzen und sich abmühen. Dennoch hat man den Eindruck: Es geht weiter bergab.

Im Marxloher Hotel Montan, da, wo Merkel sich der Diskussion mit den Bürgern gestellt hatte, findet am 25.August die Hamborner Ideenwerkstatt der Stadt zur Entwicklung eines Leitbildes für Duisburg statt unter dem Motto: "Ihre Ideen, unsere Stadt". Sören Link als Oberbürgermeister der Stadt möchte, dass die Ideenwerkstätten, die nacheinander in allen sieben Stadtbezirken stattfinden, Duisburg einen Anschub für ein stärkeres Selbstbewusstsein geben und zur Optimierung des Images der Stadt beitragen.

Im Hotel Montan, Ort der vierten Ideenwerkstatt, dürfte es spannend werden, ob die Veranstaltung mit Hoffnung und Zuversicht der Bürger endet oder in Resignation stecken bleibt. Womöglich klammern sich die Bürger an Röttgersbach, Obermarxloh, Alt-Hamborn und Neumühl, die übrigen Stadtteile des Bezirks Hamborn, die mehr zu bieten haben als Marxloh, und blenden diesen immer mehr aus und geben ihn verloren.
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5 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 15.08.2016 | 13:15  
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Siegmund Walter aus Wesel | 15.08.2016 | 15:01  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 15.08.2016 | 15:22  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 16.08.2016 | 08:05  
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