Mit einem Gewehrkolben schlugen sie ihm die Zähne aus

Anzeige
Marianne Rosenberg ("Er gehört zu mir" u.a.) kennt fast jeder. Aber ihre entfernten Verwandten aus Duisburg? Kaum jemand. Vor Jahren habe ich einige von ihnen kennen gelernt. Fredi Rosenberg, der inzwischen in hohem Alter verstorben ist, wusste eindrücklich über die Leidensgeschichte seiner Familie während der Nazi-Zeit zu erzählen. Warum die Familie verfolgt wurde und in Lager deportiert wurde? Sie waren doch Deutsche und politisch nicht aktiv. In den Augen der Nazis war ihr Makel: "Zigeuner".

Und wenn sich am 8.Mai 2015 der Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zum 70.Mal jährt, ist es Zeit innezuhalten und all der Opfer der barbarischen, menschenverachtenden Zeit zu gedenken.

Nach den Gesprächsaufzeichnungen mit der Sinti-Familie Rosenberg entstanden Momentaufnahmen aus der Verfolgungsgeschichte Fredi Rosenbergs, die von Schülerinnen und Schülern der Realschule Duisburg-Fahrn vor wenigen Jahren im Duisburger Rathaus vorgetragen wurden:

- Zunächst verschleppen sie uns nach Köln. Dort pferchen sie uns in Güterwaggons. Sie deportieren uns nach Polen ins Konzentrationslager.

- Musizieren müssen wir für unsere Peiniger. Wir spielen um unser Leben - und das fünf Jahre lang.

- Ein rotes Z für Zigeuner auf unserem Revers - das müssen wir tragen. Untermenschen sind wir für sie, für sie, die angeblichen Herrenmenschen. Und das soll man auch sofort erkennen.

- Ein Cousin meiner Mutter ist auch in unserem Lager. Sie schleppen ihn fort - ins KZ Dachau. Wir sehen ihn nie mehr wieder. In Dachau bringt ihn die Vernichtungsmaschinerie um.

- Tote über Tote in unserem Lager. Sie liegen einfach herum. Viele sind erschossen, viele erschlagen, andere zu Tode drangsaliert, andere vor Erschöpfung gestorben. Zu zweit müssen wir die Leichname packen. Gruben werden vorher ausgehoben. Sie zwingen uns, die Toten in diese Massengräber zu werfen.

- Ich stehe in einem engen Erdbunker - nur der Kopf ragt heraus, wie lebendig begraben - es ist die Hölle. Sie schicken mich drei Tage lang durch diese Hölle.

- Sie spannen mich wie ein Pferd vor einen Karren. Mit Peitschenhieben treiben sie mich an. Ich bin der totalen Erschöpfung nahe. Sie treten mich in einen Graben. Ich versuche mich festzuhalten. Da treten sie mir mit ihren Stiefeln auf die Hände. Fingerknochen brechen.

- Meinem Vater brechen sie die Hände. Mit einem Gewehrkolben schlagen sie ihm die Zähne aus.

- Wir können das 30 km entfernte Auschwitz riechen.

- Sie sorgen nicht für ausreichende Ernährung. So treiben sie meinen kleinen Bruder Arnold in den Tod. Er war ein Jahr alt, als sie ihn mit uns ins Lager schickten. Er stirbt an Unterernährung. Da ist er gerade drei Jahre alt.

- Meine Schwester Ramona wird 14 Jahre alt. Sie erschießen sie einfach.

- Fünf Jahre lang leben wir in Todesangst. Ich überlebe. Andere der Familie auch. Einige jedoch sind tot - umgebracht.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.