Pegida, Charlie Hebdo ... - Welchem Mechanismus folgen wir?

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Welchem Mechanismus folgen wir?

- Hätte man noch vor zwei Monaten die Haltung der Deutschen zu den 19 Punkten des Positionspapiers losgelöst von der Urheberschaft der damals noch kaum bekannten Pegida ermittelt, wie viel Prozent Zustimmung hätte es wohl gegeben?

- Dann wurde durch die wachsende Zahl der Demonstranten der Name Pegida bekannt (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Plakativ, irritierend, irreal.

- Das übliche Feindbild, die extreme Rechte (NPD, Pro NRW ...), wollte nicht so recht passen. Zu viele "Normalbürger" mit ihren Sorgen schienen mitzulaufen.

- Die Benennung "Pegida" mit der Wahrnehmung von Islamhetze überlagerte allmählich aber völlig die Inhalte. Rationale Auseinandersetzung wich einer emotionalen Reaktion, zum Teil, aber eben nur zum Teil von Pegida selbst zu verantworten.

- Pegida wurde schließlich von der Politik und von den Medien eingeordnet als rechtsradikales Phänomen.

- Allenthalben hielt allmählich eine Polarisierung Einzug: Die Nazis auf der einen Seite und die guten Demokraten auf der anderen.

- Dann kam das Attentat von Paris auf Charlie Hebdo. Ein Schock. Man trauert seitdem. In Paris 1,5 Millionen auf den Straßen. Eindrucksvoll. Solidaritätssignale für Liberte, Egalite, Fraternite. Wir alle sind nicht nur "Charlie", vielmehr sind wir alle die "Französische Revolution".

- Die Wut, der Protest in der deutschen Bevölkerung sucht seitdem nach einem Ventil. Demonstrationen gegen den Islamismus? Begrenzt. Als Feind, der vor Ort auch greifbar ist, wird Pegida ausgemacht. Eine künstlich konstruierte Allianz von Islamismus und Pegida. Pegida mit ihren Ablegern sieht sich nun außer in Dresden übermächtigen Gegendemonstrationen gegenüber.

- Wenn Pegida NRW sich am 19.Januar in Duisburg zu einem Stadtspaziergang aufmacht, wird sie auch mit einer Übermacht von Gegendemonstranten rechnen müssen. Nazis raus, dieser Ruf wird Pegida in den Ohren klingen. Schwarz - weiß halt.

- In Zukunft dürfte schließlich auf der Straße von Pegida nur noch die Minderheit der Rechtsextremen übrig bleiben, woraus die Gegendemonstranten im Nachhinein ihre Legitimation beziehen und sich somit im Recht fühlen werden. Diejenigen aber, die vielleicht nur die Sorge auf die Straße trieb, werden sich womöglich zu Hause einigeln, schmollen und unserer Demokratie verloren gehen.

- Zurück bleibt vielleicht große Sprachlosigkeit, eine Folge mangelnder Gesprächsbereitschaft, und die Probleme, die sich nicht in Luft auflösen, bleiben bestehen.

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3 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 14.01.2015 | 14:05  
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Christian Loose aus Bochum | 14.01.2015 | 15:40  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 14.01.2015 | 16:18  
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