Pflegebedürftigkeit allgegenwärtig: Wenn Familienangehörige nicht mehr so funktionieren können, wie es den meisten Menschen vergönnt ist - was dann?

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Duisburg: Duisburg | Krankheit, Unfall oder altersbedingte Defizite: Jeder von uns läuft Gefahr, pflegebedürftig, abhängig von der Hilfe anderer zu werden. Und Pflegebedürftigkeit steigt gerade heutzutage, da die Lebenserwartung stetig steigt, die Funktionstüchtigkeit von Körper und Geist allerdings nicht Schritt halten kann.

In immer mehr unserer Familien gibt es Pflegefälle. Aber wie stehen die Chancen der dahinter stehenden Menschen, weiterhin entsprechend menschenwürdig ihr Leben zu verbringen?

Als es noch die Großfamilie gab, dafür aber keine Pflegeversichrung, die bekanntlich erst wenige Jahrzehnte in Deutschland existiert, waren die Pflegebedürftigen auf Gedeih und Verderb auf die Humanität der Familienangehörigen angewiesen. Damals gab es sicherlich Pflegebedürftige, die vor der Öffentlichkeit versteckt wurden und zum Dahinsiechen verurteilt waren, aber es gab genauso auch genügend Pflegebedürftige, für die die Familie alles tat und für die so ein menschenwürdiges Leben möglich war.

Die Großfamilie gibt es kaum noch, im Übrigen ist jeder dermaßen beschäftigt mit seinem eigenen Leben, dass er so häufig, wie eine aktuelle Studie bestätigt, über Stress klagt. Da ist nicht immer Platz für einen pflegebedürftigen Familienangehörigen. Im Unterbewusstsein blinkt es auf: Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber wohin?

Antwort: In Pflegeheime. Aber das ist mit erheblichen Kosten verbunden, die neben einigen anderen Bundesländern in Nordrhein-Westfalen, wie eine heute veröffentlichte Bertelsmann-Studie belegt, besonders hoch sind. Gerade bei uns sind viele Pflegebedürftige, die einen Heimplatz in Anspruch nehmen wollen oder sollen, neben den Leistungen der Pflegeversicherung und neben ihren eigenen Einnahmen auf Sozialhilfe angewiesen. Und die Kommunen, die für die Sozialhilfe zuständig sind, versuchen natürlich, bestehendes Vermögen weitestgehend anzuzapfen.

Im Zusammenhang mit dem gesetzlich vorgesehenen Primat "ambulant vor stationär" verbleiben viele Pflegebedürftige in ihren Familien. Pflegeheim oder nicht ist selten eine Frage des Geldes und womöglich auch des Stolzes.

Aber warum sind gerade in NRW die Pflegeheimplätze teurer, viel teurer als etwa im Norden oder Osten Deutschlands. Ganz einfach: Dort sind die Pflegekräfte unabhängig von ihrer Qualität nicht so teuer, ihr Lohn liegt bisweilen bei etwas mehr als 50 Prozent der spitzenverdienenden Pflegekräfte anderswo.

Aber unsere pflegebedürtigen Familienangehörigen in den Osten zu verschicken, das kann es doch auch nicht sein.

Letztendlich sind unsere Pflegebedürftigen von der Loyalität und Humanität unserer Familien abhängig, von Werten, die wir für unsere Gesellschaft andauernd reklamieren. Wir können nicht alles dem Staat und der Solidargemeinschaft aufbürden.

Und ich weiß: Viele hier bei uns in NRW, aber auch anderswo, leben diese Werte, unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Wie wir mit unseren Pflegebedürftigen umgehen, kann als Indiz dafür gewertet werden, ob wir in einer humanitären Gesellschaft leben.
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6 Kommentare
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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe | 13.10.2016 | 08:11  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 13.10.2016 | 08:45  
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Martina Janßen aus Hattingen | 13.10.2016 | 22:48  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 13.10.2016 | 23:02  
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Martina Janßen aus Hattingen | 13.10.2016 | 23:11  
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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe | 14.10.2016 | 07:19  
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