Qualitätsbericht VRR

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Mit dem SPNV-Qualitätsbericht 2015 dokumentiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) den Zustand des Schienenpersonennahverkehrs in der Region. Bereits zum zehnten Mal gibt er einen Überblick über die Qualität der angebotenen Leistungen: So informiert der Bericht beispielsweise über die Pünktlichkeit und den Zustand der Fahrzeuge, zeigt auf, wie Fahrgäste die Leistungen im SPNV einschätzen und beleuchtet die Qualität der Vertriebsstellen. Wie auch in den Vorjahren zeigt der aktuelle Qualitätsbericht, dass sich die Vergabe von SPNV-Linien in europaweiten Vergabeverfahren positiv auf die Qualität des Angebotes auswirkt: Im Wettbewerb vergebene Linien werden von Fahrgästen durchweg besser bewertet als solche aus dem DB-Großvertrag. Allerdings variieren die Ergebnisse je nach Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU). Externe Faktoren wie der Streik der Gewerkschaft GDL sowie Baumaßnahmen im Schienennetz und der Stellwerksbrand in Mülheim an der Ruhr und sorgten auch im Jahr 2015 für Schwierigkeiten im SPNV und verdeutlichten einmal mehr, wie wichtig eine funktionsfähige, moderne und verlässliche Nahverkehrsinfrastruktur für einen leistungsstarken SPNV ist.

Als Besteller von SPNV-Leistungen kontrolliert der VRR regelmäßig, ob die im VRR verkehrenden EVU die vertraglich festgelegten Qualitätsstandards einhalten, fordert diese gegebenenfalls ein und pönalisiert schlechte bzw. nicht ausreichende Leistungen. „Unser jährlich erscheinender SPNV-Qualitätsbericht ist für uns ein sehr wertvolles Instrument, um diese Kontrolle nicht nur für die EVU, sondern auch für Fahrgäste, politische Mandatsträger und Medienvertreter transparent zu machen“, erklärt Martin Husmann, Vorstandssprecher des VRR. Insgesamt ergibt sich für das Jahr 2015 im SPNV ein differenziertes Bild: In einigen Bereichen verzeichnet der VRR deutliche Verbesserungen, teilweise sind jedoch auch negative Trends erkennbar.

Pünktlichkeit

Vergleicht man die Pünktlichkeit der VRR-Linien, so zeigen sich Unterschiede zwischen den unterschiedlichen SPNV-Produktgruppen: Die Regionalexpress-Züge fuhren zwar über alle Linien etwas pünktlicher als im Vorjahr, sie bilden jedoch mit einer durchschnittlichen Pünktlichkeitsquote von 84,0 Prozent nach wie vor das Schlusslicht. Insbesondere die langlaufenden RE-Linien sind – wie auch in den Vorjahren – häufig mit Verspätung unterwegs. Die S-Bahnen fuhren im Vergleich zu den RE- und RB-Zügen generell pünktlicher: Im Vergleich zum Vorjahr blieb die durchschnittliche Verspätung hier nahezu konstant.

Unvorhersehbare und vorhersehbare Zugausfälle

Waren noch im vierten Quartal des Jahres 2014 eine Vielzahl an streikbedingten Ausfällen zu verzeichnen, begann das Jahr 2015 in dieser Hinsicht ruhiger. Die Quote der unvorhersehbaren Ausfälle war mit unter einem Prozent erfreulich niedrig. Erst ab März stieg dieser Wert an und gipfelte im Mai aufgrund der Streiks von Bahnbediensteten im Rahmen von Tarifverhandlungen: Fast jeder achte Zug fiel aus.

Wie auch in den Vorjahren waren Regionalexpress-, Regionalbahn- und S-Bahn-Züge aufgrund von Baumaßnahmen an der Nahverkehrinfrastruktur nicht planmäßig unterwegs: Insbesondere Baustellen in Krefeld, Duisburg und Recklinghausen sowie Arbeiten am Elektronischen Stellwerk in Wuppertal beeinträchtigen den Betriebsablauf. Bedingt dadurch ist die Quote an baustellenbedingten Zugausfällen 2015 im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt von 1,49 Prozent auf 1,86 Prozent gestiegen. „Generell begrüßen wir, dass die Deutsche Bahn aktuell in die Nahverkehrsinfrastruktur investiert“, erklärt Martin Husmann, „allerdings ist hier in der Vergangenheit zu viel versäumt worden. Jahrelang hat der DB-Konzern seine Anlagen nicht ausreichend gewartet und kaum in die technische Erneuerung investiert. Das führt dazu, dass die Fahrgäste durch die vielen Baustellen heute überproportional belastet sind: Sie müssen zahlreiche Verspätungen und Ausfälle in Kauf nehmen.“ Die schwerwiegendsten Probleme brachte seit Oktober 2015 der Brand des Stellwerks in Mülheim an der Ruhr mit sich: Der Regionalverkehr war über Wochen und Monate massiv beeinträchtigt. Noch bis ins Frühjahr 2016 fahren Züge verspätet, fallen auf ganzen Abschnitten aus oder werden über alternative Strecken umgeleitet. „Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig Investitionen in die Wartung, den Erhalt und den Ausbau der Anlagen sind, damit die Eisenbahnverkehrsunternehmen ihre Linien reibungslos betreiben können und die Auswirkungen solch tragischer Ereignisse einigermaßen überschaubar bleiben.“

Sitzplatzkapazitäten

Ebenfalls kritisch sieht der VRR die Entwicklung der Sitzplatzkapazitäten im Jahr 2015. Die Anzahl an Zügen, die mit weniger Sitzplätzen unterwegs waren als eigentlich vom VRR bestellt, ist gestiegen. Besonders negativ fallen hier die Linien RE 2, RE 11, RB 27, RB 42 und RB 48 der DB Regio AG sowie die Linie RE 3 der Eurobahn auf. Fahrgäste bestätigen dies in den jährlich stattfindenden Kundenzufriedenheitsmessungen: Sie bewerteten das Sitzplatzangebot bei diesen EVU am schlechtesten.

Kundenzufriedenheit 2015 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen

Insgesamt betrachtet sind die Fahrgäste im Jahr 2015 zufriedener mit dem SPNV-Angebot als 2014. Sie vergeben über alle Linien die Durchschnittsnote 2,14 (nach Schulnoten-Skala), was einer Verbesserung um 0,11 Notenpunkte entspricht. In der Gunst der Fahrgäste liegt insbesondere die Regiobahn Fahrgastbetriebsgesellschaft mbH vorne, die mit ihrer einzelnen Linie S 28 eine Spitzennote von 1,67 erhielt. Knapp dahinter mit einer Gesamtnote von 1,83 liegt die Abellio Rail NRW GmbH. Im Mittelfeld liegen die eurobahn / Keolis Deutschland GmbH & Co. KG, DB Regio AG, Region NRW mit den Wettbewerbslinien und die NordWestBahn GmbH. Recht deutlich abgeschlagen liegt DB Regio mit ihren Linien im Großvertrag. „Dies zeigt deutlich, dass die Vergabe von Linien und Netzen im Wettbewerb nachhaltige Verbesserungen der Qualität mit sich bringt und Fahrgäste hier in der Regel zufriedener sind“, erklärt Vorstand Husmann.

Auch hier gilt wieder: Ich habe die Pressekonferenz, auf der dieser Bericht vorgestellt wurde, nicht direkt miterlebt. Er wurde mir mittels elektronischem Brief zugeschickt.
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