Realschule Fahrn boomt - von einer Umwandlung in eine Sekundarschule ist keine Rede mehr

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Duisburg: Duisburg Nord | Totgesagte leben länger - wer könnte dieses Sprichwort aus schulischer Sicht besser widerspiegeln als die Realschule Fahrn im Duisburger Norden, wurde ihr doch in den letzten Jahren oft genug das Ende prophezeit. Die Cassandrarufe bezogen sich immer wieder auf den Beschluss des Duisburger Schulausschusses vom Dezember 2011, laut dem die Schulverwaltung die Duisburger Schullandschaft im Bereich der weiterführenden Schulen nach einer Prüfung in ein Zwei-Säulen-Modell mit Gymnasien auf der einen und Gesamt- und Sekundarschulen auf der anderen Seite umwandeln sollte. Nach diesem Modell war für die Realschulen kein Platz mehr. Innerhalb der Realschule Fahrn stieß das nicht unbedingt auf Gegenliebe. Dem großen Widerstand, den eine Walsumer Bürgerinitiative unter dem Motto "Sekundarschule in Fahrn - nein danke!" dem Willen führender Duisburger Schulpolitiker entgegensetzte, wurden kaum Chancen eingeräumt. Für viele war klar: Die Tage der Realschule Fahrn sind gezählt.

Die Antwort auf die Frage, ob die Realschule Fahrn ein Auslaufmodell ist oder nicht, gaben neben den Verfechtern der Schule schließlich die Eltern, die ihre Kinder bereits seit Jahren in solch großer Zahl an der Schule anmelden, dass sie längst aus allen Nähten platzt.

Mit 890 Schülerinnen und Schülern geht die Schule jetzt ins neue Schuljahr. Inzwischen im zweiten Jahr muss die Schule auf eine Dependance zurückgreifen. Der Hauptstandort an der Netzestraße wird entlastet durch eine Zweigstelle im einen Kilometer entfernten Gebäude der ehemaligen Grundschule an der Dittfeldstraße. Dort, wo noch im letzten Schuljahr neunte und zehnte Realschulklassen die Schulbank drückten, wird in Zukunft die Erprobungsstufe 5/6 untergebracht sein.

"Wir wollen den jüngeren Kindern damit einen geschützten und überschaubaren Raum geben, in dessen Atmosphäre sie optimal lernen können", so Schulleiterin Isolde Vicktorius-Schänzer. "Mit dem 5.Jahrgang wird jetzt der Anfang gemacht, fünf Klassen mit insgesamt 142 Schülerinnen und Schülern." Die Konrektorin Ulrike Klöckner, die ohnehin schon lange für die Erprobungsstufe verantwortlich ist, bricht deshalb ihre Zelte im Hauptgebäude ab und bezieht ein neues Büro an der Dittfeldstraße. "Wir sind gut aufgestellt, um die Zukunft der Schule im Sinne der Kinder optimal gestalten zu können".

Der gewaltige Zulauf, der die Schule zwischenzeitlich vor große Herausforderungen gestellt hat, die allerdings gemeistert werden konnten, und die Tatkraft, mit der das Lehrerkollegium augenscheinlich zu Werke geht, weisen tatsächlich in keinerlei Hinsicht auf ein bevorstehendes Ende der Realschule Fahrn hin. Und weder aus der Schulverwaltung noch aus der Politik hört man derzeit noch Stimmen, die auf eine Ablösung der Realschule Fahrn durch eine Sekundarschule pochen.

Das jahrelange Gerangel um die Zukunft des Schulstandortes der Realschule Fahrn hat gezeigt, dass Bürgerengagement und Bürgerwille doch etwas bewegen können. Man ist den Entscheidungen politischer Gremien nicht hilflos ausgesetzt. Demokratie spielt sich nicht nur in politischen Gremien ab, Demokratie ist ein gesamtgesellschaftlicher Vorgang. Die Bürger müssen sich nur mit Engagement, aber auch mit Ausdauer für ihre Interessen einsetzen, dann können sie auch Einfluss nehmen. In Duisburg gab es auch Realschulen, die sich nach dem Schulausschuss direkt aufgegeben haben und nicht unmaßgeblich für ihre eigene Auflösung mitgesorgt haben, obgleich sie einen guten Ruf und genügend Anmeldungen hatten.

Eine Demokratie, in der Politikverdrossenheit und "Obrigkeitsgläubigkeit" herrschen, hat ihren Namen nicht verdient. Und wenn sich die Stadt Duisburg mit ihrem Zwei-Säulen-Modell allmählich zurückzieht, ist das kein Zeichen von demokratischer Schwäche, sondern vielmehr von demokratischer Stärke.
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