Russland auf dem Weg zu einem neuen "Zarenreich"?

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Was mit der Krim begann und was sich zur Zeit in der Ostukraine abspielt, ist womöglich noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Seit nunmehr zweieinhalb Jahrzehnten ist der Kalte Krieg beendet. Das permanente Säbelrasseln und Kräftemessen zwischen dem Westen, angeführt von der Supermacht USA, und dem Ostblock, angeführt von der zweiten Großmacht UdSSR, hatten ein Ende. Die Sowjetunion zerfiel und es setzte ein wechselvoller Findungsprozess des zugleich verstörten und hoffnungsvollen Russlands ein, das erst unter Putin eine gewisse Stabilität erreichte, ohne dass eine Rundumzufriedenheit der Russen damit einhergegangen ist.

Wenn die russische Seele sich auch vom Kommunismus verabschiedet zu haben scheint, so sucht sie wohl doch nach ihrer alten Größe. Und da muss es weh getan haben, als damals die ehemaligen Sowjetrepubliken selbstständig wurden, sich die baltischen Republiken gar dem Westen angeschlossen hatten, indem sie der NATO und der EU beitraten.

Der Stolz vieler Russen auf ihr Land hat in der Vergangenheit stark gelitten. Viele Menschen blicken nachdenklich, wenn nicht gar wehmütig auf die Sowjetzeit und die davorliegende Zarenzeit zurück.

Und nun kam da ein Wladimir Putin, dem es gelungen ist, über lange Zeit die Geschicke des Landes zu lenken, dem man zunehmend Führungsqualität zuschreibt, der das Zeug hat zu einem modernen Zaren. Und nach dem Verlust der baltischen Republiken an den Westen sah sich Russland mit einer Ukraine, selbst ein großes Land, konfrontiert, das sich aus Sicht der Russen auf den Weg westwärts begeben hatte.

Dann ging alles sehr schnell. Und Putin profitierte dabei von der Weitsichtigkeit eines Stalins, der während seiner langjährigen Herrschaft in der Sowjetunion dafür gesorgt hatte, dass die Bevölkerung aller Sowjetrepubliken von Russen durchsetzt wurde. So brauchte er nicht als offensichtlicher Aggressor auftreten, er musste sich nur der russischen Bevölkerung in der Ukraine bedienen. Die Krim einkassiert, die Ostukraine praktisch auch schon.

Und der Erfolg des selbstbewusster werdenden Russlands beflügelt, zumal man dem Westen nicht über den Weg traut. Die Russen Moldawiens, des kleinen Landes an der Grenze zur EU, könnten als Nächstes aktiviert werden, auch wenn sie nur knapp 10 Prozent der Landesbevölkerung darstellen. Transnistrien im Süden des Landes, das sich ohne Anerkennung der Welt schon unabhängig erklärt hat, wird ein leichtes Spiel sein. Und wirtschaftlich ist Moldawien ohnehin auf Russland angewiesen.

Wohin die Reise schließlich gehen wird, könnte sich in den baltischen Republiken Lettland und Estland erweisen, wo der Anteil der russischen Bevölkerung über 25 Prozent liegt. Russisch als Muttersprache ist noch stärker vertreten. Gerade im Osten Lettlands, in Lettgallen, leben besonders viele Russen. Seit langer Zeit gehen ethnische Risse durch Lettland. Alles gute Voraussetzungen für etwaige Machtgelüste Putins, aber - Estland und Lettland, genauso wie Litauen, sind eingebunden in der NATO und der EU. Und Obama hat den baltischen Republiken schon zugesagt, dass die NATO die baltischen Städte genauso verteidigen würde wie London oder Paris.

Warten wir es ab.
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7 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 03.03.2015 | 15:22  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 03.03.2015 | 19:54  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 03.03.2015 | 22:21  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 04.03.2015 | 06:52  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 04.03.2015 | 07:24  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 04.03.2015 | 14:50  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 04.03.2015 | 16:45  
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