Steuert Duisburg sehenden Auges in die schulpolitische Katastrophe? Ein Vergleich Berlin - Duisburg

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Im Jahr 2009 hat Berlin sein Schulsystem im weiterführenden Bereich auf ein Zwei-Säulen-Modell umgestellt:
1. Gymnasien
2. Sekundarschulen (zum Teil mit gymnasialer Oberstufe) + Oberstufenzentren

Im Jahr 2011 hat Duisburg - der Schulausschuss - beschlossen, sein Schulsystem ebenfalls auf ein Zwei-Säulen-Modell umzustellen:
1. Gymnasien
2. Gesamtschulen (zumeist mit gymnasialer Oberstufe) und Sekundarschulen (ohne Oberstufe, Kooperation mit den Oberstufen anderer Schulen)

Damit gehen Berlin und Duisburg prinzipiell den gleichen Weg.

Während Berlin schon auf einige Jahre Erfahrung mit dem Zwei-Säulen-Modell zurückblicken kann, befindet sich Duisburg noch mitten im Umbauprozess: Im Sommer 2014 gingen in den Stadtbezirken Hamborn und Süd die ersten beiden Sekundarschulen an den Start, im Sommer 2015 folgt die dritte in Rheinhausen. Haupt- und Realschulen in den betroffenen Bezirken laufen aus.

Welche Erfahrungen hat Berlin gemacht, von denen Duisburg lernen kann?

Die "Welt" und die "Berliner Morgenpost" berichten Ende September 2014 unisono von der Befürchtung zahlreicher Schulleiter in Berlin, durch die Einführung der Sekundarschulen ohne eigene Oberstufe werde dort durch die Hintertür wieder die Hauptschule eingeführt. Und von den 117 Berliner Sekundarschulen besitzen nun mal 84 keine Oberstufe.

Die 33 Sekundarschulen mit Oberstufe - vergleichbar mit den Duisburger Gesamtschulen - könnten sich vor Anmeldungen kaum retten, bei den übrigen Sekundarschulen seien die Anmeldezahlen zum Teil äußerst mau. Zudem sei dort eine unzureichende Schülermischung von leistungsstärkeren und leistungsschwächeren Schülern signifikant.
Auch bei den Gründungsjahrgängen der ersten beiden Duisburger Sekundarschulen ist schon festzustellen, dass sie sich zum beträchtlichen Teil aus Abweisungen der Gesamtschulen rekrutieren. Die Zahlen der Erstanmeldungen sind wenig überzeugend.

Berlin jedenfalls steht vor dem Problem, dass das reformierte Schulsystem in erschreckendem Maße eine Pervertierung der eigentlichen Absicht offenbart, nämlich das selektive Schulsystem zunehmend durch ein integriertes abzulösen. Stattdessen wird zur Zeit die Selektion, die Abkoppelung der schwachen von den starken Schülern zementiert. Eine Katastrophe für die Berliner Schulpolitik. Die zuständige Senatorin hat inzwischen einen Krisenstab eingesetzt.

Wie reagieren die verantwortlichen Schulpolitiker Duisburgs, allen voran OB Sören Link, Schuldezernent Thomas Krützberg und der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Heiko Blumenthal?
Trotz nicht zu überhörender warnender Rufe beharren sie - bislang - auf ihrem Ziel des Zwei-Säulen-Modells. Der Widerstand in Duisburg nimmt allerdings zu.

Will die Stadt Duisburg abwarten, bis sie komplett im gleichen Schlamassel steckt wie Berlin? Die Verantwortlichen könnten dann jedenfalls nicht behaupten, das hätten sie nicht ahnen können.
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Dirk Schlenke aus Duisburg | 04.10.2014 | 10:05  
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