Tarifverhandlungen im Gebäudereiniger-Handwerk

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Ulrike Laux IG BAU Bundesvorstand (Foto: IG BAU)

Angebot der Arbeitgeber ist vollkommen unzureichend


Die Tarifverhandlungen im Gebäudereiniger-Handwerk treten auf der Stelle. Nach der dritten Verhandlungsrunde trennten sich heute Nachmittag die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks erneut ohne Ergebnis. Die Arbeitgeber legten drei Monate nach Start der Gespräche erstmals ein Lohn-Angebot vor.

„Die Lohnvorstellung der Arbeitgeber ist eine einzige Provokation für die Beschäftigten“, sagte IG BAU-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführerin Ulrike Laux. „Das sogenannte Angebot beträgt weniger als zwei Prozent im Jahr und bedeutet damit nicht einmal 20 Cent mehr in ihrem Portemonnaie. Mit Respekt gegenüber der Leistung der Beschäftigten hat das nichts mehr zu tun.

Wir fordern keine Reichtümer. Es muss aber eine faire Beteiligung der Fachkräfte an der guten Auftragslage geben. Der Branchenverdienst rangiert ohnehin schon am unteren Rand der Einkommensskala. Wir dürfen nicht weiter von der Lohnentwicklung in Deutschland abgehängt werden.“ Gebäudereiniger erhalten in der untersten Lohngruppe im Westen 9,55 Euro die Stunde und 8,50 Euro im Osten.

In diesem Jahr betrug die Höhe der bisher erfolgten Tarifabschlüsse im Schnitt der Branchen mehr als drei Prozent für zwölf Monate. Die Arbeitgeber des Gebäudereiniger-Handwerks hatten zwar ein Lohnplus von drei Prozent vorgeschlagen, allerdings für eine Laufzeit von 26 Monaten. Auf ein Jahr gerechnet reduziert sich die Erhöhung somit auf 1,95 Prozent. Die IG BAU fordert dagegen ein Lohnplus von 80 Cent in der untersten Lohngruppe, die gleichzeitig tariflicher Mindestlohn ist und 6,4 Prozent für die übrigen Lohngruppen.

Zusätzlich soll es 25 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich einen deutlichen Schritt bei der Ost-Westangleichung geben. Je nach Lohngruppe erhalten Beschäftigte im Osten derzeit 86 bzw. 89 Prozent des Westlohnniveaus. Diese Lücke soll verringert werden. Bereits in der Lohnrunde 2011 hatten die Tarifvertragsparteien eine vollständige Angleichung der Ost- an die Westlöhne bis 2019 vereinbart.

Schwierig waren die Verhandlungen zudem insbesondere beim Thema steigende Arbeitsbelastung. Die IG BAU fordert, mit Turbo-Putzen muss Schluss sein. Gerade im zeitlichen Zusammenhang mit Lohnerhöhungen vergrößern die Chefs die Reinigungsfläche bzw. kürzen die Zeit für die zu reinigende Fläche. „Die Grenze der Belastbarkeit ist längst überschritten“, sagte Laux. „Eine Lohnerhöhung hat ihren Namen nicht verdient, wenn Beschäftigte dafür gleich mehr arbeiten müssen. Wir brauchen deshalb eine verbindliche Regelung gegen Leistungsverdichtung – Sozialpartner regeln das durch einen Tarifvertrag.“

Die hohe Bedeutung des Themas für die Betroffenen belegt die starke Beteiligung bei Aktionen im gesamten Bundesgebiet. In Berlin unterstützten rund hundert IG BAU-Mitglieder ihre Tarifkommission mit einem Aufzug vor dem Verhandlungslokal.

Die Verhandlungen werden am 13. Oktober 2015 fortgesetzt.

Weitergabe Presseinfo der IG Bauen-Agrar-Umwelt
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