Widerstand gegen Duisburger Sekundarschulpolitik schwappt auf Stadtmitte über - Bürgerinitiativen schlagen Alarm: Wiedereinführung der Restschule durch die Hintertür?

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Eltern rennen der Realschule Fahrn mit den Anmeldungen ihrer Kinder die Türen ein

Als sich der Landtag NRW im Sommer 2011 auf einen Schulkonsens einigte, der den Kommunen neben den bisherigen Schulformen die Einrichtung von Sekundarschulen ermöglichte, schloss man auf Landesebene zugleich einen Schulfrieden bis 2023.

Damit wurde die Zuständigkeit für die Gestaltung der Schullandschaft im vorgegebenen Rahmen den Gemeinden übertragen. Und Duisburg nutzte das zu einem Plan für eine grundlegende Umgestaltung der städtischen Schullandschaft im Bereich der weiterführenden Schulen. Ziemlich unbemerkt von der Öffentlichkeit beschloss der Schulausschuss im Dezember 2011, im Laufe der folgenden Jahre alle Haupt- und Realschulen durch Sekundarschulen zu ersetzen und so zu einem Zwei-Säulen-Modell zu kommen mit Gymnasien auf der einen Seite und Gesamtschulen sowie Sekundarschulen auf der anderen. Erklärtes Ziel des Duisburger Konsenses: Längeres gemeinsames Lernen statt frühzeitigen Selektierens der Schüler.

In den Stadtbezirken Hamborn und Süd ist die Umstellung bereits gelungen, in Rheinhausen wird im Sommer 2015 die dritte Sekundarschule an den Start gehen. In den übrigen Stadtbezirken wächst allerdings der Widerstand gegen den Duisburger Schulkonsens.

In Walsum hat die Bürgerinitiative "Sekundarschule in Fahrn - nein danke!", die seit über zwei Jahren mit unvermindertem Engagement gegen eine mögliche Auflösung der Realschule Fahrn Front macht, es erreicht, dass inzwischen zum zweiten Mal die gesetzlich notwendige, von der BI als Mogelpackung gebrandmarkte Elternbefragung um ein weiteres Jahr verschoben wurde und die Realschule vorerst nicht angetastet wird.

Und nun haben sich auch im Bezirk Stadtmitte zwei Bürgerinitiativen gegründet, die Initiative "Gustav - gut für die Mitte" und die Initiative "Qualität statt Aktionismus". Sie wollen nicht nur für den Erhalt der Gustav-Heinemann-Realschule und der Karl-Lehr-Realschule kämpfen, sondern äußern auch erhebliche Bedenken gegen den städtischen Plan des Zwei-Säulen-Modells. Und hatte die Stadt bisher gedacht, es nur mit dem gallischen Dorf in Duisburg-Fahrn zu tun zu haben, sieht sie sich jetzt mit einem wesentlich breiter angelegten Widerstand konfrontiert.

Und zum Leidwesen der Protagonisten in Politik und Verwaltung ist es jetzt zu einer Kooperation der drei Bürgerinitiativen in Form eines offenen Briefes gekommen, den die Initiativen an OB Sören Link und die Duisburger Ratsfraktionen geschickt haben. Darin äußern sie ihre Befürchtung, dass der Duisburger Weg - die eigentliche Absicht konterkarierend - zu einer Selektion der Schüler führt statt zu längerem gemeinsamen Lernen. Die Bürgerinitiativen verweisen in ihrer Argumentation auf die Berliner Situation, wo bereits im Jahr 2010 die Umstellung auf ein Zwei-Säulen-Modell mit Gymnasien und Sekundarschulen erfolgte. Die Berliner Sekundarschulen mit Oberstufe, die aus den früheren Gesamtschulen hervorgegangen sind, seien stark nachgefragt, die Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe dagegen nicht. Außerdem sei dort die Schülermischung unzureichend mit einem deutlichen Übergewicht lernschwächerer Schüler. Berliner Schulleiter argwöhnen eine Wiedereinführung der Hauptschule durch die Hintertür.

Und deshalb fordern die drei Bürgerinitiativen jetzt die Stadt auf, den weiteren Umbau der Duisburger Schullandschaft so lange auszusetzen, wie nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Sekundarschulen zu Sammelbecken für Schüler mit Hauptschulempfehlung werden.

Und die Befürchtung der Bürgerinitiativen, es könnte zu einem - krass ausgedrückt - selektiven Drei-Säulen-Modell mit 1. Gymnasien, 2. gestärkten Gesamtschulen und 3. neuen Restschulen kommen, ist nicht von der Hand zu weisen. Das wäre allerdings eine Pervertierung der eigentlichen Absicht Duisburger Schulpolitik und würde den städtischen Schulkonsens zu einem blamablen Schulnonsens verkommen lassen.

Das käme einer Bankrotterklärung Duisburger Schulpolitik gleich - als ob Duisburg nicht schon genug Probleme hätte.
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