Wir sind Duisburg! Drei Demonstrationen gegen Pegida

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5000 Düsseldorfer gingen am vergangenen Montag für Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit auf die Straße. Foto: Lammert
Pegida NRW hat für Montag, 19. Januar, um 18.30 Uhr, den – wie die Bewegung es nennt – ersten Abendspaziergang in Duisburg angekündigt. Veranstaltungsort ist der Vorplatz des Hauptbahnhofs. Mit gleich drei Gegendemonstrationen wollen Initiativen, Gewerkschaften, Politiker und Kirchen deutlich machen: Duisburg stellt sich quer!


Unter dem Motto „Wir sind Duisburg“ laden Oberbürgermeister Sören Link, das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage und der DGB Niederrhein alle Duisburger am Montag, ebenfalls um 18.30 Uhr, am Opernplatz vor dem Stadttheater, Neckarstraße 1, dazu ein, ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu setzen. OB Link: „In Duisburg ist kein Platz für Hetze und Populismus gegen Religionsgemeinschaften: nicht gegen Juden, nicht gegen Christen, nicht gegen den Islam. Eins ist sicher: in Duisburg kann und wird eine solche Kundgebung nicht unerwidert bleiben. Duisburg ist unsere Stadt – die lassen wir nicht diskreditieren, ohne selbst auf die Barrikaden zu steigen. Wir sind Duisburg – nicht Pegida!“

„Wir sind Duisburg – nicht Pegida!“


Die Lichter des Theaters werden deshalb ebenso symbolisch verlöschen wie die am Stadtwerketurm. Der Landschaftspark Nord wird seine imposante Lichterkulisse verdunkeln, zudem gehen die Lichter am Rathaus, der Salvatorkirche und der Marienkirche aus. Der Duisburger Handel zeigt ebenfalls Flagge: Am Einkaufszentrum Forum wird die Beleuchtung der „Goldenen Treppe“, die sonst weithin sichtbar in den Himmel ragt, ausgeschaltet. Und auch bei der Sparkasse am Kuhlenwall Karree, bei der Agentur für Arbeit und beim jobcenter Duisburg wird es symbolisch dunkel.

Auch Initiativen sind dabei


Die Initiative gegen Duisburger Zustände ruft am Montag, ab 17.30 Uhr, zu einer Kundgebung gegen Rassismus und Islamismus am Life­saver-Brunnen, Königstraße/Düsseldorfer Straße, auf. Das „Duisburger Netzwerk gegen Rechts“ will um 17.30 Uhr für eine solidarische Gesellschaft auf die Straße gehen. Treffpunkt ist der Hauptbahnhof.

Aufruf zur Teilnahme

Die SPD Duisburg begrüßt, dass das Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage mit einer Kundgebung ein sichtbares und friedliches Zeichen setzen will gegen den Versuch, in Duisburg mit dumpfen Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit Stimmung zu machen. Bärbel Bas, MdB und stellvertretende Vorsitzende der Duisburger SPD: „Duisburg ist als weltoffene und tolerante Stadt bekannt. Das soll auch so bleiben! Daher rufen die Duisburger Sozialdemokraten zur Teilnahme an der Gegenkundgebung auf.“

Die CDU-Ratsfraktion begrüßt alle Initiativen, die sich am kommenden Montag für Toleranz und gegen Extremismus engagieren wollen. „Mit den Demonstrationen gegen Pegida machen die Duisburger deutlich, dass in unserer Stadt kein Platz für Hetze, Fremdenfeindlichkeit und Extremismus ist. Pegida und Duisburg passen nicht zusammen. Unsere Stadt ist eine Stadt mit Willkommenskultur“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Enzweiler.

„Kein Platz für Hetze und Fremdenfeindlichkeit“


Gleichzeitig appelliert Enzweiler an alle Demonstranten, friedlich für ihre Positionen zu werben. Die Demonstrationen am Montag dürften nicht den Radikalen überlassen werden, so der CDU-Fraktionsvorsitzende weiter, der einen offenen Dialog mit allen Seiten zu führen empfiehlt.
Die Grünen rufen zu beiden großen Aktionen gegen die Duigida-Kundgebung auf. Vor dem Hauptbahnhof werden sich Grüne gemeinsam mit dem Netzwerk gegen Rechts ab 17.30 Uhr den Pegida-Demonstranten in den Weg stellen. Grüne werden auch an der Kundgebung des Bündnisses Toleranz und Zivilcourage und des DGB ab 18.30 Uhr auf dem Opernplatz teilnehmen.

„Offene demokratische Gesellschaft“


Matthias Schneider, Sprecher der Duisburger Grünen, bedauert aber, dass es nicht zu einem gemeinsamen Aufruf gekommen ist: „Für die Zukunft müssen wir noch näher zusammen stehen. Diejenigen, die den antifaschistischen Kampf und den Kampf gegen rechte Aufmärsche als Initiativen führen, sollten zusammen mit denjenigen auftreten, die die Auseinandersetzung von einem anderen Blickpunkt organisieren: für Demokratie und Toleranz. Es ist der gleiche Kampf. Der Kampf für die offene und demokratische Gesellschaft“.
Die Grünen plädieren dafür, nun eine ständige gemeinsame Arbeitsgruppe aller Organisationen und Gruppen einzurichten, die sich gegen die Rechten, Rassistischen und Faschisten wenden.

Auch die Linken schließen sich dem Aufruf zur Gegenkundgebung an. Bürgermeis­ter Erkan Kocalar wundert sich, dass sich überhaupt so viele Menschen von den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) vereinnahmen lassen. „Patriotische Europäer – was soll das sein?“, fragt er. „Die spielen doch nur mit den Ängsten und Sorgen von Menschen und arbeiten mit plumpen Pauschalisierungen.“

„Pegida nutzt Ängste aus“


Sorgen macht sich auch Kenan Ilhan, stellvertretender Vorsitzender des Duisburger Integrationsrats: „Viele Bürgerinnen und Bürger sind unzufrieden und haben Angst, das nutzt die Pegida Bewegung aus. Initiatoren sind jedoch Personen und Gruppierungen aus dem rechtsextremen Bereich, die durch den großen Zulauf unterstützt werden“, sagt Kenan Ilhan. Darüber müssten sich die Teilnehmer der Demonstrationen im Klaren sein.



Pfarrer Armin Schneider, Sprecher des Bündnisses und Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, bittet um rege Teilnahme an der Gegenveranstaltung vor dem Stadttheater: „Als evangelischen Kirche ist uns wichtig, dass die Duisburger Stadtgesellschaft am kommenden Montag ein deutliches und friedliches Zeichen setzt gegen diesen Versuch, mit dumpfen Parolen und Fremdenfeindlichkeit Ängste zu schüren und Hass zu verbreiten. Gerade auch angesichts der furchtbaren Anschläge von Paris müssen wir uns gemeinsam einsetzen für ein friedliches, dem Gedanken der Toleranz und des gegenseitigen Respekts verpflichteten Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und Kulturen in unserer Stadtgesellschaft.“

Die Montagsdemo Duisburg (gegen Hartz IV) protestiert entschieden dagegen, dass die Pegida Bewegung nun auch versuchen will, regelmäßig montags in Duisburg zu demonstrieren. Auch sie ruft zum Protest und Widerstand auf, bleibt aber bei ihrer (angemeldeten) Demo um 18 Uhr am „Lifesaver“, um von dort aus zu entscheiden, wo demonstriert wird.
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2 Kommentare
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Lutz Muhr aus Duisburg | 16.01.2015 | 16:36  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 17.01.2015 | 16:42  
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