Beim 3. WA-Gesundheitsdialog mit dem Helios Klinikum zum Thema "Schaufensterkrankheit" blieb kein Platz frei

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Dr. Theodoros Moysidis, Chefarzt der Klinik für Angiologie am Helios Klinikum Duisburg. (Foto: Hannes Kirchner)
 
Dr. Gero Lorenz, Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie am Helios Klinikum Duisburg. (Foto: Hannes Kirchner)
  Duisburg: Museumsrestaurant "Schiffchen" | Der dritte Wochen-Anzeiger-Gesundheitsdialog in Kooperation mit dem Helios Klinikum Duisburg sprengte beinahe den Rahmen im Ruhrorter Museumsrestaurant „Schiffchen“. So groß war das Interesse am Thema „Arterielle Durchblutungsstörungen in den Beinen“.

98 Wissbegierige hatten sich angemeldet, mehr als 110 waren gekommen, um dem kostenfreien Expertenrat von Dr. Gero Lorenz, Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie, und Dr. Theodoros Moysidis, Chefarzt der Klinik für Angiologie, zu lauschen. Nach ihren gut verständlichen Vorträgen und einer gemeinsamen kleinen Kaffeepause mit den Teilnehmern nahmen sich die beiden Mediziner dann ausgiebig Zeit, die vielen, teils sehr persönlichen Fragen des Publikums zu beantworten.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten


Was genau sind arterielle Durchblutungsstörungen im Bein und welche Erkrankungen damit gemeint?
Bei arteriellen Durchblutungsstörungen behindern Ablagerungen in den Gefäßen den Blutfluss. Die betroffenen Körperbereiche werden dann schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Der Überbegriff für die Lokalisierung in den Beinen lautet periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch bekannt als Schaufensterkrankheit. Dabei setzen sich Kalkablagerungen in den Gefäßen fest (Arteriosklerose), die sich mit der Zeit immer weiter ausbreiten und verhärten. Auch Erkrankungen wie das Raucherbein oder das Diabetische Fußsyndrom gehören dazu. Im Gegensatz zu der PAVK sind bei den Krampfadern wiederum die Venen, also die zum Herzen zurückführenden Gefäße, betroffen. Hier kommt es zu einer Undichtigkeit der Venenklappen, wodurch sich das Blut zunehmend staut.

Wie äußert sich die periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)?

Typisches Symptom sind Schmerzen in den Beinen bei längerer Belastung – wie etwa bei einem Bummel durch die Stadt – da die Muskeln durch die verengten Gefäße nicht ausreichend mit Blut versorgt werden können. Die Betroffenen müssen dann häufig stehenbleiben, bis die Beschwerden nachlassen. Im fortgeschrittenen Stadium werden auch die Ruhephasen unangenehm.
Im fortgeschrittenen Stadium können auch offene Stellen auftreten oder Gewebe absterben. Wenn die Erkrankung zu weit fortgeschritten ist, kann im schlimmsten Fall ein Verlust von Gliedmaßen oder des gesamten Beines drohen.

Wenn ich Symptome bemerke, an welchen Arzt wende ich mich dann?

Bei einem ersten Verdacht sollten Betroffene zunächst den Hausarzt aufsuchen. Er kann meist schon eine erste Diagnostik vornehmen, für weitergehende Untersuchungen braucht es dann aber eine Überweisung zum Spezialisten, etwa einem niedergelassenen Gefäßchirurgen. Im fortgeschrittenen Stadium kann unter Umständen auch ein Klinikaufenthalt notwendig sein. Wenn die Untersuchungen beim Gefäßmediziner allerdings kein Ergebnis bringen, sollten in jedem Fall andere Ursachen, wie etwa Bandscheibenvorfälle oder Reizungen der Nerven durch die entsprechenden Fachärzte – Orthopäden oder Neurologen – abgeklärt werden.

Kribbeln, Missempfindungen oder Taubheitsgefühl in den Beinen – was kann die Ursache sein?
Diese Symptome könnten auf eine Störung der Nervenfunktion – vor allem an der Hals- und Lendenwirbelsäule oder sogar im zentralen Nervensystem – hindeuten. Eine weitere mögliche Ursache ist die mangelnde Durchblutung der betroffenen Region. Unabhängig von der tatsächlichen Ursache ist diese Art der Gefühlsstörung meist ein Signal, dass etwas nicht stimmt. Etwa, dass die Beine nicht ausreichend mit Blut versorgt werden, wie man es von „eingeschlafenen Füßen“ kennt. Weitere mögliche Ursachen sind ein Bandscheibenvorfall, Verschleiß der Wirbelsäule und vieles mehr. Treten diese Empfindungen immer wieder auf, sollte deshalb unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Mit Hilfe bildgebender Verfahren kann die Ursache meist schnell erkannt werden.

Hilft bei Durchblutungsstörungen nicht auch Marcumar?
In der Regel beginnt die medikamentöse Therapie bei einer pAVK zunächst mit Mitteln, die das Verkleben der Blutplättchen verringern und die Schmerzen reduzieren, wie etwa die Acetylsalicylsäure (ASS). Die Gerinnungshemmung durch Marcumar erfolgt dagegen meist nur, wenn noch weitere Gründe vorliegen, wie etwa Herzrhythmusstörungen oder wenn bereits eine arterielle Embolie (Gefäßverschluss) vorlag. Denn das Marcumar verdünnt das Blut so stark, dass sich keine neuen Gerinnsel in den Gefäße festsetzen und diese verstopfen können.

Darf ich mit Durchblutungsstörungen Sport treiben?
Bewegung und vor allem Ausdauersport ist auch für pAVK-Patienten zu empfehlen, allerdings sollte Betroffene die Signale des Körpers ernstnehmen und bei Schmerzen pausieren. Sinnvoll ist es auch, sich dazu mit dem behandelnden Arzt abzustimmen. Durch kontrollierte Aktivität lässt sich aber unter anderem das LDL-Cholesterin (auch „schlechtes“ Cholesterin genannt und Mitverursacher der Ablagerungen) senken sowie andere Kreislaufparameter, wie Blutdruck und Herzleistung positiv beeinflussen. Eine gute Übung: Dreimal die Woche mindestens 30 Minuten zügig gehen. Wenn Schmerzen auftreten, kurz pausieren, dann weitergehen bis die halbe Stunde erfüllt ist. Mit der Zeit können die Patienten die schmerzfreien Strecken meist um ein Vielfaches verlängern.

Welche Diagnose- und Therapieverfahren gibt es bei Durchblutungsstörungen?

Diagnostik:
Um eine pAVK festzustellen, gibt es verschiedene, sich zum Teil ergänzende Möglichkeiten der Diagnose. Meist beginnt man mit einer Verschlussdruckmessung, in deren Verlauf der Blutdruck in den Beinen mit dem in den Armen verglichen wird. Dazu kommen dann unter anderem Provokationsmessungen, etwa wie lange der Patient ohne Schmerzen laufen kann, Blutbefunde sowie Ultraschalluntersuchungen. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Oszillografie. Dabei wird mit Hilfe von Druckmanschetten das Volumen des Blutflusses bei jedem Herzschlag gemessen. Auch eine MR-Angiografie ist bei bestimmten Gegebenheiten sinnvoll. Hier kommt allerdings jodhaltiges Kontrastmittel zum Einsatz, deshalb sollten etwa Allergien oder Unverträglichkeiten vorher ausgeschlossen werden. Notfalls kann auf eine Computertomografie (CT) ausgewichen werden.

Konservative Therapie:
Neben der Änderung des Lebensstils – zuallererst kalorienreduzierte Kost und Nikotinverzicht – sowie gezielter Bewegungstherapie können auch Medikamente das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Hier stehen verschiedene Wirkstoffe wie etwa Acetylsalicylsäure (ASS), Cholesterinsenker, Blutdruckmedikamente und gegebenenfalls Medikamente zur Regelung des Blutzuckerspiegels zur Verfügung. Weitere Mittel, die über komplexe Mechanismen wie Gefäßerweiterung und Blutverdünnung eine Verbesserung des Blutflusses erzielen können, sind Cilostazol, Pentoxifyllin oder das Prostaglandin E1, letzteres wird allerdings als Infusion zugeführt.

Interventionelle Therapie:

Heutzutage basiert die moderne Behandlung von Gefäßerkrankungen vor allem auf den immer leistungsfähigeren bildgebenden Verfahren. Selbst fortgeschrittene Gefäßverschlüsse können mittlerweile präzise dargestellt und mit feinsten Kathetern geöffnet werden. Dabei wird meist über die Leiste mit Hilfe eines dünnen Drahtes ein Ballon oder ein Stent in das betroffene Gefäß eingeführt. Für den Patienten eine sehr schonende Behandlung mit schnellem Erfolg.

Operativ:
Schreitet die Krankheit weiter fort, lassen sich manche Hindernisse in den Gefäßen nur noch operativ entfernen oder umgehen. Hier besteht etwa die Möglichkeit, die Ablagerungen aus den Gefäßen auszuschälen. Auch können die Mediziner einen Bypass legen, um die Blutversorgung wiederherzustellen. Dabei kommen auch körpereigene Gefäße zum Einsatz. Bereits abgestorbene Flächen, etwa bei großflächigen Wunden, können abgetragen werden, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Die Amputationsrate hat sich in Deutschland in den letzten Jahren glücklicherweise wesentlich reduziert, was nicht zuletzt ein Verdienst der interventionellen Therapie und der guten Vernetzung zwischen Krankenhaus und niedergelassenen Ärzten ist.

Text: Kathrin Unterberg / Sabine Justen, Fotos: Hannes Kirchner
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