Evakuierung des St. Anna Krankenhauses wg. Weltkriegsbombe verlief ohne Probleme

Nach nur einer halben Stunde war die Bombe um 14.30 Uhr entschärft
 

Als am vergangenen Mittwochmorgen die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes gegen 9 Uhr den Fund hinter dem St. Anna Krankenhaus in Huckingen als 5 Zentner Bombe erkannten, begann ein bereits seit Wochen minutiös geplanter Evakuierungsplan im Krankenhaus.

Denn bis zu einer Entfernung von 250 Meter mussten nun alle den Bereich um die Bombe verlassen. Die Zeit bis zum Ende der Evakuierung wurde auf 13 Uhr festgelegt. In dieser Evakuierungszone wohnen 248 Menschen und in der Sicherheitszone noch einmal 1707 Menschen.

Bereits auf dem Weg von Ungelsheim nach Huckingen kam man am sog. „Bereitstellungsraum“ bei EDEKA Tonscheidt an der Düsseldorfer Landstraße vorbei, wo sich der Löschzug 630 aus Oestrum und der Löschzug aus Bergheim um die aus allen Landesteilen kommenden Rettungsfahrzeuge kümmerten.

Etwa um 10.30 werden die ersten der insgesamt 100 Rettungswagen gerufen um 91 Patienten in andere Kliniken zu verlegen. 32 werden in die BGU nach Buchholz gebracht und 37 in das Krankenhaus St. Josefshospital in Uerdingen. Vormittags kommen diese aus Düsseldorf, Krefeld, Mülheim, Oberhausen, Remscheid und Solingen und für den Rücktransport sind Einheiten aus Mönchengladbach, Viersen, Wesel und Mettmann im Einsatz.

Gut 400 Mitarbeiter sind im Einsatz und führen die Evakuierung generalstabsmäßig durch, Die Klinik hat extra T Shirts mit der Aufschrift „Evakuierung“ angefertigt und diese auch noch in den verschiedenen Farben der Evakuierungsbereiche.

22 Intensiv- und nicht verlegungsfähige Patienten bleiben im Haus und werden dabei von 7 Ärzten und 18 Pflegekräfte betreut. Hinzu kommen 10 Bewohner aus dem Hospiz mit 5 Pflegekräften, die morgens als erste in den Aufwachraum gebracht worden sind.

Im Erdgeschoss des Krankenhauses steht eine Bettenschlange und von oben nach unten wird das Haus geräumt. Die insgesamt 341 Betten werden sofort von den Servicekräften abgeholt und von Grund gereinigt. Jeder Patient erhielt nach der Rückkehr ein frisches Bett.

In der Nacht zuvor gab es sogar noch drei Geburten. Die drei Mütter wollten trotz des Bombenfundes ihre Kleinen unbedingt im St. Anna Krankenhaus entbinden. Sie wurden nach er Geburt in die städtischen Kliniken in Wanheimerort verlegt. Bereits in den Tagen zuvor wurden keine schweren Fälle mehr aufgenommen. Und dennoch gab es in der Nacht noch eine Notfallaufnahme.

Aus dem Altenstift St. Hedwig wurden insgesamt 110 Bewohner in andere Malteser Stifte gebracht, das Gros innerhalb von Duisburg.

Christian Illian ist der leitende Notarzt vor Ort und betreut gemeinsam mit dem „Krisenstab“ des Krankenhauses die Evakuierungsaktion.

Die Patienten haben alle eine Patientenkarten um den Hals mit ihrem Befund und ihrer Medikation. Gegen 11.40 Uhr trifft ein Großraumrettungswagen aus Düsseldorf ein, in dem zehn Patienten Platz finden.

Routinierte Evakuierung der Patienten


Die Evakuierung beginnt erst langsam, doch dann kommt Routine in das Abfuhrprozedere. Als Abschnittsleiter der Feuerwehr sorgt Stephan Steinkamp dafür, dass das Krankenhaus tatsächlich bis 13 Uhr evakuiert ist. Eine halbe Stunde zuvor müssen auch wir den Bereich um das Krankenhaus verlassen. Und dennoch gibt es eine kleine Verzögerung, bis dass der letzte Patient gegen 13.30 Uhr das Krankenhaus verlässt.

Um 10.00 Uhr hat das Ordnungsamt damit begonnen, die weiteren 245 direkt betroffenen Anwohner in Huckingen über den bestätigten Bombenfund zu informieren. Und langsam leeren sich die Straßen rund um den Fundort. Um 13 Uhr werden die Umleitungen eingerichtet und die Fahrzeuge quälen sich über Mündelheimer Straße und Mannesmann Straße, bis dass die Bombe entschärft ist.

Beim ÖPNV kommt es ebenfalls zu Beeinträchtigungen auf der Stadtbahn Linie U79, die ab 13.45 Uhr am "Kesselsberg" und am "Sittardsberg" endet. Und auch die Buslinien 940, 942 und 946 fahren nicht.

Für diese ist im „Bertolt Brecht Berufskolleg“ ein Aufenthaltsraum eingerichtet worden. 60 Kräfte von DRK und Malteser sind zur Betreuung gekommen, doch nicht ein Bürger fand den Weg in die Sporthalle. Alleine die Helfer, Vertreter der Stadt, die Feuerwerker und die Presse sind gekommen.

Johannes Bergmann, der wie immer den Einsatz der Mitarbeiter des Ordnungsamtes leitet, ist zufrieden. 70 Kollegen sichern den Bereich rund um die Fundstelle an den Straßensperren.

Gegen 13 Uhr verlassen Peter Giesecke und seine Männer den Aufenthaltsraum und begeben sich zum Fundort wo sie pünktlich um 14 Uhr mit der Entschärfung beginnen, die um 14.30 Uhr glücklich zu Ende ging.

Einige Anwohner bemängeln allerdings die An- und Abfahrt bei der Evakuierung. Man hätte die Krankenwagen auf dem Krankenhausparkplatz sammeln und von dort die Vorfahrt am Krankenhaus vornehmen sollen. Die Abfahrt dann genau entgegengesetzt über die Remberger Straße. So hätte es unnötige Fahrtwege gegeben.

Am Abend waren alle Patienten wieder „pünktlich zum Abendessen“ zurück im Krankenhaus St. Anna.

Doch für die Klinik war neben dem immensen Aufwand für die Evakuierug, auch der Kostenfaktor nicht unerheblich. Geschäftsführer Christian Utler beziffert diese auf gut 500.000.- EURO.
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