Girls' Day 2017 in Duisburg: Schülerinnen "spielen" Feuerwehr

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  Den Girls' Day gibt es seit 2001 in Duisburg, und er bietet Mädchen aller Schulformen die Möglichkeit, unterschiedlichste technische Berufe haut-und praxisnah erleben zu dürfen.

Etwa 400 Schülerinnen hatte die Stadt dazu eingeladen, und 14 Angebote standen zur Auswahl. So zum Beispiel bei den Wirtschaftsbetrieben, bei ThyssenKrupp Steel oder Ikea, bis hin zur Stadtverwaltung, dem Stadtfernsehen oder dem TÜV. „Die absoluten Renner sind aber immer Polizei und Feuerwehr. Da wollen die meisten Schülerinnen hin, weil sie den spannenden Arbeitsalltag hautnah erleben können“, erklärt die „Girls' Day“- Koordinatorin Renate Rohrmund. „Wir erwarten nicht, dass sich die Mädchen dann gleich für diesen Job entscheiden. Der 'Girls' Day' ist nur ein kleiner Baustein für die Phase der Berufs-oder Studienfindung.“
Es geht also erst mal um das Erleben und Ausprobieren, und das funktioniert am besten, wenn man selbst praktisch mitarbeitet.

Übungsstationen für etwa 60 Schülerinnen auf der Feuerwache in Homberg

Auf der Feuerwache 5 in Homberg ist auch die Feuerwehrschule angesiedelt, und auf dem Gelände wurden extra für den „Girls' Day“ verschiedene Stationen aufgebaut. Hier durften die Mädchen echte Feuerwehraufgaben lösen, immer begleitet von zwei bis drei fachkundigen Mitarbeitern der Wache.
Die 15-jährige Charlotte vom Hildegardis-Gymnasium ist begeistert von diesem Angebot: „Eigentlich dachte ich, wir bekommen hier trockene Informationen geliefert“, sagt sie, "aber die praktischen Übungen sind ja total spannend und vielseitig, das macht Spaß und man lernt viel dabei.“
Ihre Freundin Mayumi (14) wird gerade auf der Drehleiter 30 Meter hoch in Richtung Himmel gebeamt, ganz ohne Panikattacke. „Tolle Aussicht da oben“, kommentiert sie cool, „aber ich möchte doch lieber Kinderkrankenschwester werden.“

Mädchen, die sich in 90 Sekunden anziehen...bei der Feuerwehr ein Muss

An anderer Stelle geht es darum, die Feuerwehrausstattung in 90 Sekunden anzuziehen. Hose, Stiefel, Jacke, Helm, Gürtel… alles muss richtig sitzen, bei der Feuerwehr darf man nicht schludern. Die Mädchen müssen sich ins Zeug legen, denn die Klamotten sind schwer und sperrig. Die ganz Verwegenen pellen sich zusätzlich in einen silbernen Spezialanzug im Astronautenlook: hält auch bei 1000 Grad. Fazit der Schülerinnen Vianne und Marie: "Länger als fünf Minuten halten wir es in dem Ding nicht aus.“
„Feuer löschen“ gehört natürlich auch zum Schnupperangebot. Die 15-jährige Aurora vom Abtei-Gymnasium setzt dabei versehentlich erst mal den Ausbilder unter Wasser, besiegt schließlich aber auch erfolgreich den Brandherd.


„Feuer löschen“ - das mag auch Laura Jesse (23) am liebsten. Sie macht seit dem 1. April ihre Ausbildung bei der Duisburger Feuerwehr, weil ihr der Job als Speditionskauffrau zu eintönig war. Im Ausbildungslehrgang sind nur insgesamt zwei Frauen und 14 Männer. Kein Problem für Laura: „Das hier ist mein Ding“, schwärmt sie, „und ich mag die Arbeit in meinem Team, denn wir helfen uns gegenseitig.“ Und alle zusammen haben jede Menge Tipps für die „Girls' Day“-Schülerinnen. Was lernt man in der Ausbildung, welche Aufgabebereiche gibt es und welche Aufstiegsmöglichkeiten ...

Bei Übungen rund um den Rettungswagen, dürfen die Mädchen Patient oder Helfer spielen und an Schrottautos die Befreiung von Patienten aus Unfallwagen simulieren. Bewaffnet mit beeindruckenden hydraulischen Spezialwerkzeugen, lernen zarte Schülerinnen, wie man mal eben eine Karosserie zerlegt.
Die 15-jährige Mareike ist Feuer und Flamme bei diesen Übungen: "Eigentlich will ich ja zur Polizei, weil mein Opa diesen Job auch gemacht hat und mir viel darüber erzählen konnte. Das hier, bei der Feuerwehr, wäre aber auch mein Ding, weil die Aufgaben vielseitig sind, viel Sport auf dem Plan steht und ich Menschen helfen könnte. Mit Jungs komme ich sowieso immer gut klar.“

Bei der Feuerwehr nicht die Diva 'raushängen' lassen

Mit den „Jungs“ klar kommen, das ist wohl in allen „männerlastigen“ Berufen eine wichtige Voraussetzung. Sabrina Hergesell (29) arbeitet schon seit sieben Jahren bei der Duisburger Berufsfeuerwehr. Als eine der ersten Frauen auf der Wachabteilung verbringt sie 24 Stunden-Dienste meist allein unter Männern. So kann sie den Mädchen beim „Girls' Day“ gute Tipps für das Miteinander geben. „Ihr müsst euch da schon irgendwie anpassen. Also besser nicht die Diva raushängen lassen oder über einen abgebrochenen Fingernagel jammern. Männer sind eindeutig anders gestrickt als wir Frauen, aber wenn man sie zu nehmen weiß, dann klappt das schon."

Klaus Susdorf (59) kümmert sich seit 25 Jahren in der Feuerwehrschule um die Ausbildung von Nachwuchskräften und begrüßt es, dass hier nach und nach immer mehr Frauen einsteigen. „Wir bei der Feuerwehr sind zwar ein konservativer Haufen, und vor einigen Jahren waren wir noch eine reine Männerwirtschaft“, erklärt er, „aber die Frauen machen ihre Sache genauso gut wie ihre Kollegen und bereichern die Duisburger Feuerwehr auf jeden Fall.“

Informationen
=> Wer sich um eine Ausbildungsstelle bei der Feuerwehr bewerben möchte, kann das jederzeit tun. Adresse: Feuerwehr und Zivilschutzamt, Wintgensstraße 111, 47058 Duisburg.
=> Der Girls' Day findet jährlich in Duisburg statt und zeigt, wie spannend technische Berufe für Mädchen sein können. Neben den städtischen Angeboten gibt es auch die Möglichkeit, sich in Eigeninitiative ein Unternehmen oder eine Institution im Internet auszusuchen. Angebote zum Girls' Day gibt es genug. Die technischen Berufe bieten eine anspruchsvolle Ausbildung, beste Perspektiven und auch ein gutes Einkommen.
=> Duisburgs Gleichstellungsbeauftrage Doris Freer rät den Schülerinnen zudem, sich auf jeden Fall bei der Agentur für Arbeit zu informieren. Dort gibt es auch Beauftragte für die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt: Annette von Brauchitsch-Lavaulx (Tel. 0203/302-1605), Iris Withake (Tel. 0203/302-1355).

alle Fotos: Frank Preuß
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