"Glaube - Liebe - Hoffnung" - Beeindruckende Gedenkveranstaltung am 5. Jahrestag des Loveparade Unglücks

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    Am Freitag, 24. Juli, jährte sich zum fünften Mal der Tag der Loveparade-Katastrophe in unserer Stadt.

Zum Gedenken an die Opfer fand in der kleinen Grünanlage an der Karl-Lehr-Straße in Neudorf die öffentliche Gedenkfeier statt.

Die musikalische Eröffnung erfolgte durch das "Junge Ensemble Ruhr" mit dem Titel "Giorni dispari".

OB Sören Link begrüßte die rund 300 anwesenden Angehörigen der Opfer, Betroffene, Gäste, darunter Lopa Gründervater Dr. Motte, und Duisburger, die aus diesem Anlass nach Neudorf gekommen waren.

(Rede des OB am Ende des Beitrages!)


Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war nach Duisburg gekommen um der 21 Toten und aller Opfer zu gedenken.

Das Duisburger "Trionova" begleitete ebenfalls die Gedenkveranstaltung musikalisch. Der "Lovesong" von The Cure, "Wish you where here" von Pink Floyd oder auch "Follow me follow you" von Genesis war für viele Anwesende ein sehr emotionaler und bewegender Moment.

Ombudsmann Pfarrer Jürgen Widera gab noch einmal in bewegenden Worten der Trauer Raum, wies aber auch darauf hin, den Blick mahnend in die Zukunft zu richten.

Die Betroffenen interpretierten in ihren Redebeiträgen noch einmal das Motto der Gedenkveranstaltung

"Glaube - Liebe - Hoffnung"


Das "Junge Ensemble Ruhr beendete mit "Wie ich Dich sah" den musikalischen Rahmen und Pfarrer Jürgen Widera sprach das Schlusswort der diesjährigen Gedenkveranstaltung.

Optisch hatte die Duisburger Künstlerin Mila Langbehn mit über einem Dutzend Helferinnen und Helfern ein großes Mandala aus Blüten ausgelegt.

Die Blüte – in vielen Kulturen ein Symbol für Vollkommenheit und Schönheit – drückt in Form des Mandalas eine umfassende Harmonie und tiefen Frieden aus, wobei sie zugleich auch an Vergänglichkeit erinnert.

Gedenkrede von OB Sören Link:

"Liebe Angehörige, liebe Betroffene, meine Damen und Herren,

es sind berührende Worte, die das Junge Ensemble Ruhr gerade zu der Musik von Ludovico Einaudi vorgetragen hat. Für viele werden diese Zeilen aus dem Gedicht des Lyrikers Heinz Kahlau einige der Gefühle widerspiegeln, die die Katastrophe am 24. Juli 2010 bei ihnen ausgelöst hat. So jedenfalls geht es mir.

5 Jahre sind vergangen, seit jenem schönen Sommertag, dem diese Stadt und Tausende Techno-Fans weltweit schon lange entgegen gefiebert hatten. Es war der Tag, an dem die größte Technoparty des Jahres steigen sollte, hier in Duisburg. Es war der Tag der 19. Loveparade. Es war der Tag, an dem die Loveparade in einer unfassbaren Katastrophe endete.

Für 21 Familien ist der 24. Juli 2010 mit unermesslichem Leid verbunden. Sie trauern um den Verlust eines geliebten Menschen. Sie trauern um ihre Töchter und Söhne, um ihre Geschwister, ihre Enkelinnen und Enkel, Nichten und Neffen, um ihre Partnerinnen und Partner, ihre Freundinnen und Freunde.

Unzählige Menschen verbinden mit diesem Tag entsetzliche Bilder. Viele erinnern sich an Schmerzen, an Angst, an Todesangst. Und auch an hilflose Ohnmacht, während sie versuchten, zwischen Hunderten Verletzten Hilfe zu leisten. Viele haben das Erlebte bis heute nicht verarbeiten können: 5 Jahre sind vergangen – das Trauma "Loveparade" blieb.

Es ist den Angehörigen der Opfer kaum noch zu erklären, dass es nach fünf Jahren immer noch so viele offene Fragen und so wenig Antworten, so wenig Gewissheit gibt. Ich kann sicher nur in Ansätzen ermessen, wie riesig die Belastung derer ist, die sich verzweifelt Aufklärung über die Geschehnisse bei der Loveparade wünschen.

Viele Menschen warten auf eine juristische Klärung, als einen wichtigen Schritt zur Aufarbeitung der Tragödie. Nicht zuletzt auch deshalb, um diesen unvorstellbar schmerzhaften und belastenden Teil ihrer Geschichte verarbeiten zu können, einen Weg zum Weiterleben zu finden. Mit ihnen allen wünsche ich mir, dass es bald dazu kommt. Das Unglück wirkt in uns allen fort: In dieser Stadt und ihren Menschen, in Ihnen, liebe Anwesende, und in mir.

Deshalb rücken wir auch an diesem 5. Jahrestag der Tragödie zusammen, erinnern uns und gedenken hier am Mahnmal im Park an der Karl-Lehr-Straße gemeinsam der Opfer. Dabei gilt unsere Verbundenheit und unser tief empfundenes Mitgefühl den
Hinterbliebenen. Auch für sie ist das Leben in den vergangenen 5 Jahren weitergegangen, doch wir wissen: Trauer hat ihre eigene Zeitrechnung, einen eigenen Kalender.

In unsere Mitte nehmen wir heute außerdem besonders diejenigen, die noch immer an den Folgen der Loveparade zu tragen haben. Für sie wünschen wir uns, dass der gute Geist dieser Gedenkveranstaltung ihnen auch über diesen Jahrestag hinaus Erleichterung und Ermutigung sein kann. In diesem Zusammenhang ist mir heute einmal mehr ein wichtiges Anliegen, Danke zu sagen.

Danke an die Gruppen und Initiativen, die den Loveparade-Betroffenen ein Forum schaffen und sich sehr engagiert und nachdrücklich für ihre Interessen und auch für die Aufarbeitung der Tragödie einsetzen. Großer Dank gebührt auch 5 Jahre nach der Loveparade-Tragödie der Notfallseelsorge. Es ist wirklich eine ganz großartige Arbeit, die die Seelsorgerinnen und Seelsorger leisten, und sie ist so viel mehr, als man es sich unter "Erster Hilfe für die Seele" zunächst vorstellen kann.

Verehrte Notfallseelsorgerinnen, verehrte Notfallseelsorger, ich danke Ihnen für die professionelle und intensive Betreuung der Angehörigen der Opfer und der Verletzen! Und lassen Sie es mich hier bitte ausdrücklich feststellen: Ich bin froh, dass es Sie gibt!
Gleiches gilt für unseren hochengagierten Ombudsmann, Jürgen Widera. Seit über zwei Jahren ist er Ansprechpartner für die Angehörigen und Betroffenen, hat beraten, vermittelt und auch ganz konkret geholfen, deren Anliegen auf den Weg zu bringen. Vielen Dank, lieber Herr Widera, für Ihre gute und wichtige Arbeit.

Ausdrücklich geht mein herzlicher Dank auch an jene, die sich liebevoll um die Pflege der Gedenkstätte kümmern, hierfür viel Zeit und auch Geld investieren. Dies gilt auch für die neue Gedenktafel, die auf Initiative aus dem Kreis der Angehörigen vor einigen Tagen angebracht wurde. Sie ergänzt die Gedenkstätte auf Wunsch vieler Angehöriger um die Möglichkeit individueller Gestaltung. Möglich gemacht hat dies ThyssenKrupp Steel Europe mit Unterstützung der Hüttenwerke Krupp Mannesmann.

Beide Duisburger Stahlunternehmen haben einen Entwurf des Architekten Alexander Ahlert und die von Rüdiger Eichholtz stammende künstlerische Gestaltung überzeugend umgesetzt. Sie alle setzen damit ein Zeichen der Anteilnahme und der engen Verbundenheit zu unserer Stadt. Danke dafür an die Arbeitsdirektoren beider Unternehmen, danke lieber Thomas Schlenz und lieber Peter Gasse.

Und selbstverständlich herzlichen Dank an die beiden genannten kreativen Unterstützer und ihr Team.

Unterstützung hat es in den vergangenen fünf Jahren ohnehin und glücklicherweise viel gegeben. Viele Menschen und Institutionen dieser Stadt übernahmen Verantwortung, zeigten Anteil und Mitgefühl. Standen den Hinterbliebenen und Betroffenen in ihrem Leid unterstützend zur Seite und halfen so, die Wunden zu schließen und den Blick schrittweise wieder in die Zukunft zu richten.

Für diesen Blick nach vorn steht ab sofort auch eine Stiftung, die eine Reihe von bisher auf mehreren Schultern verteilten Aufgaben unter ihrem Dach vereinen wird. Sie trägt den Namen "Duisburg 24. 7. 2010" und will auch präventive Beiträge leisten, damit sich ein solches Unglück niemals wiederholt. Ich freue mich sehr, dass der Wunsch der Angehörigen und Betroffenen nach einer solchen Einrichtung nun umgesetzt werden konnte.

Allen, die den Stiftungsgründern bei ihrer Initiative geholfen haben, danke ich sehr. Im Bewusstsein, Mitverantwortung für die Folgen der Katastrophe zu tragen, hat auch die Stadt Duisburg deren Anliegen nach Kräften unterstützt. Und wird der Stiftung auch in Zukunft zur Seite stehen. Ich hoffe, dass die Stiftung ihren Beitrag zur Trauerarbeit und zur Verarbeitung der schrecklichen Ereignisse leisten wird.

Dass sie den Schmerz, den die Hinterbliebenen in Ihren Herzen tragen, lindern kann. Dass sie die Folgen für die Betroffenen mildert. Und dass sie Ihnen allen Hoffnung gibt. Denn die Hoffnung ist es, die uns auch in den schlimmsten Momenten die Kraft gibt, den Blick nach vorn zu wagen. Vielen Dank!"
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Manuela Mühlenfeld aus Mülheim an der Ruhr | 30.07.2015 | 07:17  
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