Hochhausbrand: Wie sicher sind wir? 65 Hochhäuser gibt es in Duisburg

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Einer der "Weißen Riesen" in Hochheide, der ohnehin bald abgerissen werden soll. (Foto: Barth)
 
Das höchste Haus der Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Hamborn befindet sich an der Lehrerstraße 78 in Neumühl. Dort wurde jetzt eine umfangreiche Modernisierungsmaßnahme abgeschlossen. Foto: WoGe Hamborn

Nach dem Brand in einem Londoner Hochhaus, bei dem die Fassade zur Feuerfalle wurde und zig Menschen ums Leben gekommen sind, stellt sich die Frage nach der Sicherheit der Hochhäuser in unseren Städte. In Duisburg gebe es 65 Wohnhäuser oberhalb der 22 Meter-Grenze, teilt Stadtsprecherin Susanne Stölting mit.

Von Harald Landgraf
und Reiner Terhorst

Feuerwehrdrehleitern erreichen nur Rettungshöhen von 23 Meter. Daher ist ab dieser Höhe besondere Obhut geboten.
Kein bewohntes Gebäude in Duisburg, so Stölting, sei höher als 60 Meter, für diese gelten noch andere Sicherheitsbestimmungen. Sie erklärt, dass die Feuerwehr die Häuser über 22 Meter Höhe alle sechs Jahre überprüft. „Es sind noch nie erhebliche Mängel festgestellt worden“, sagt sie.
In NRW ist es ohnehin verboten, brennbares Material für die Fassade zu verwenden.
Das weiß auch Dietmar Grabinger, Sprecher des Verbandes der Feuerwehr mit Sitz in Wuppertal. Das stehe in der Muster-Hochhausrichtlinie, an die man sich in NRW halte.
Bei einem Hochhauscheck gehe es darum, erklärt Grabinger, die Rettungswege zu überprüfen und deren Funktionsweise. Geprüft würden auch betriebliche Brandschutzmaßnahmen und ob Belege für die Prüfung der Technik vorliegen. Fassaden und deren Bauweise würden nicht von der Feuerwehr gecheckt. Doch streife man teilweise bauaufsichtliche Themen, weil bei Mängeln ein bauordnungsrechtliches Verfahren die Folge sei.
Das Bauordnungsrecht, soviel kann der Brandschutzexperte sagen, stelle höhenabhängige Anforderungen. Außerdem sei es auch abhängig vom Nutzungsumfang. Grabinger nennt ein Beispiel, das sich auf die Treppenräume bezieht: In Hochhäusern müssen zwei bauliche Rettungswege vorhanden sein, ab einer gewissen Höhe sind Sicherheitstreppenräume vorgeschrieben, für die eine bestimmte Technik Pflicht sei: etwa eine Überdruckbelüftungsanlage.

Evakuierung in Wuppertal

Die Diskussion über das Thema ist gerade deswegen aktuell, weil vor einigen Tagen in Wuppertal ein elfstöckiges Hochhaus hat leergezogen werden müssen, weil die Fassade teilweise mit brennbaren Materialien ausgestattet war. Mehr als 70 Menschen mussten das Gebäude verlassen, und die Wohnungen wurden verplombt.
Daraufhin äußerte sich auch der Deutsche Mieterbund NRW zum Thema, der rät, dass sich Mieter mit ihren Fragen zur Sicherheit zunächst an ihren Vermieter wenden sollten. Vorsitzender Hans-Joachim Witzke: "Ergibt sich daraus keine Klärung, dann empfiehlt sich der Gang zur Kommune. Diese kann im Falle einer Gefahrenlage entsprechende bauaufsichtrechtliche Maßnahmen erlassen."
Als ein Beispiel von vielen für modernen Brandschutz kann jenes der Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Hamborn herangezogen werden. Zwar unterhält diese kein „klassisches“ Hochhaus über 22 Metern Höhe, hat aber jetzt 180 Genossenschaftswohnungen aus den Siebzigern umfangreich modernisiert. „Hier haben wir die seit 2016 geltenden neuen Richtlinien für Wärmedämm-Verbundsysteme komplett umgesetzt", berichtet Axel Kocar, Technischer Vorstand der WoGe Hamborn. "Zwischen den einzelnen Stockwerken wurden Brandriegel eingesetzt, und wir haben mit schwerentflammbaren Wärmedämm-Verbundsystemen gearbeitet.“
Ziel ist immer das Gleiche: Im Notfall sollte ein Brand möglichst auf einer Etage verbleiben, zumindest solange bis die Feuerwehr eintrifft.
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