Ist der Neuanfang in Duisburg gelungen? Eine offene Frage

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Wir erinnern uns: Die Stimmung in Duisburg war voller Emotion, voller Empörung, voller Entrüstung, gepaart mit großer Trauer über ein großes Unglück mit über 20 Toten. Duisburg fühlte sich verletzt und zutiefst getroffen - und suchte schnell nach dem Schuldigen für die Loveparade-Katastrophe.

Man hatte ihn schnell in Adolf Sauerland gefunden, weil er einen hohen Bekanntheitsgrad besaß, weil er greifbar war, weil er eine exponierte Position innehatte und weil er kaum einen Fehler im Krisenmanagement ausließ. Aber war er der Hauptschuldige? Die staatsanwaltlichen Ermittlungen deuten nicht darauf hin. Sauerland eignete sich aber als Galionsfigur. Und Duisburg wollte sich irgendwie von seiner "Schuld", von seinem Gefühl tiefer Verletzung befreien. Das taten die Duisburger durch die Abwahl ihres Oberbürgermeisters. Die Duisburger wollten einen Neuanfang, weil sie vergessen und nicht andauernd an die Katastrophe erinnert werden wollten.

Die Hoffnung auf einen Neuanfang personifizierte sich dann in Sören Link, einem jungen Politiker mit einem jungen unverbrauchten Gesicht, den die Sozialdemokraten auf ihren Schild hoben. Dabei war das Interesse an seiner Wahl nicht zu vergleichen mit dem Interesse an der Abwahl seines Vorgängers. Duisburg hatte sein Opfer gebracht und wollte die Vergangenheit verdrängen.

So ist es zu verstehen, dass schließlich alles aus der Sauerland-Ära schlecht geredet wurde, obgleich Duisburg damals mehr denn je boomte und Veränderungen in der Stadt sichtbar wurden, gleichwohl im Nachhinein auch so manche Altlasten zum Vorschein kamen, die heute mehr verwaltet als bewältigt werden. Angestoßene Projekte werden kaum, wenn überhaupt, weiterentwickelt, neue Projekte muss man mit der Lupe suchen. Die Stadt scheint sich mit Kleinkram zu beschäftigen. Die finanzielle Lage ist entspannter geworden, umstritten ist allerdings, ob der Preis gerechtfertigt ist.

Ist das der Neuanfang, den sich Duisburg gewünscht hat? Wenn das der Fall ist, dürften wir bei den bevorstehenden Wahlen mit einer Stabilisierung der sozialdemokratischen Vorherrschaft im Rat der Stadt rechnen. Bis auf den heutigen Tag residiert im Rathaus jedenfalls der Stadtrat, der die Loveparade mit abgesegnet hat. Lassen wir uns einmal überraschen, was die Kommunalwahlen bringen.
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3 Kommentare
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Frank Nohl aus Duisburg | 02.05.2014 | 16:50  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 02.05.2014 | 19:31  
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Frank Nohl aus Duisburg | 02.05.2014 | 19:44  
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